Predigt am Ostermontag, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 25. April 2011


Evangelium: Lk 24,13-35


Liebe Mitchristen!


Das ist ein langes Evangelium, so lang wie unser Leben. Und wir alle möchten doch möglichst lange leben.

Aber das ist immer noch irdisch gedacht. Auch der längste Weg hat ein Ende.

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren!“ Irgendwann erreichen wir die Ziele, zu denen wir unterwegs sind.

Aber wie wir unterwegs sind und was sich im Ziel ereignet, das hängt davon ab, dass uns jemand Anschluss gibt an „all das, was sich ereignet hatte.“


Die Kreuzigung Jesu in Jerusalem ist ein bleibendes historisches Faktum. Kein ernstzunehmender Historiker kommt „daran vorbei“. Nach Ausweis des Johannes-Evangeliums (Joh 19,31f) starb Jesus Christus am 14. Nisan, am Vortag des jüdischen Osterfestes, das auf einen Sabbat fiel, also an einem Freitag.

Nur am 8. April des Jahres 30 und am 4. April des Jahres 33 fielen das jüdische Paschafest und der Sabbat auf einen Tag zusammen.


Psychologisch bekommen wir Anschluss an die Ereignisse in Jerusalem durch die Darstellung der Kreuzigung Christi. Dann geht die Fragerei los.

Es wird immer einen Bezug geben müssen zu diesem Tag, zum Letzten Tag, zum Längsten Tag in Jerusalem. Und weil die Dinge zunächst traurig und unverständlich sind, wird man darüber reden müssen!

Dann wird sich aber auch jene österliche Weggefährtenschaft ereignen, welche die Ereignisse in Jerusalem ins rechte Licht rückt.


Mit der Nachfrage „Was denn?“ entlockt der österliche Gefährte den Wanderern die Nacherzählung. Und mit jeder Nacherzählung wandelt sich die Perspektive. So langsam und ganz menschlich verschiebt sich der Blickwinkel der Emmaus-Jünger. Österliches Licht bricht sich in ihren Tränen.


Es ist der Herr, der das Wort ergreift. „Er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.“ Jesus selbst schlägt die Brücke zum Anfang der Heilsgeschichte, dadurch wird dieser Anfang neu und bekommt die Perspektive der Erlösung. Ohne die konkrete Messiashoffnung leuchtet diese ganze Vorgeschichte nicht ein. Die Auferstehung Jesu von Nazaret wird dadurch zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte Gottes mit den Menschen.


Wenn einem diese Perspektive aufleuchtet, merken wir den Herrn an unserer Seite. Von unserer Seite ist allein notwendig, die Not schlussendlich wendend, dass wir nicht nachlassen, über die Ereignisse in Jerusalem im Gespräch zu bleiben. Mit der rettenden Konsequenz: „Herr, bleib doch bei uns!“ Wenn wir sagen, „ach egal, …“ geht er weiter! Doch: „Herr, bleibe bei uns!“ Dann geschieht, was wir gehört haben. Bei der Feier der Eucharistie gehen uns die Augen auf. Dieses Geschenk der Offenbarung öffnet den Himmel weiter: 2011 Jahre mit Christus. Wir sind 2011 Jahre alt und überhaupt kein Ende!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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