Predigt zum 2. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 1. Mai 2011


Evangelium: Joh 20,19-31


Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg.“ So lautet ein Lobpreis im Exsultet der Osternacht. Dieser von Gott emporgehobene Sieger tritt in die Mitte seiner Jünger, haucht sie an und spendet ihnen dadurch den Leben erweckenden Heiligen Geist.

Derjenige, der vormals als Gekreuzigter, als Gestorbener und Begrabener ganz unten war, besitzt nun Leben erweckende Kraft.


Wenn wir nun „unten“ als Gegenrichtung zu „oben“ begreifen und uns an das Pfingstgeschehen erinnern, an dem der Heilige Geist von oben in Feuerzungen herabkam, dann können wir uns vorstellen, dass der Heilige Geist Gottes mit dem Sieger, der aus der Tiefe emporstieg, auch von „unten“ heraufströmt, allerdings wohldosiert aus dem Mund des Auferstandenen.


Es heißt nicht zufällig: „Er trat in ihre Mitte!“ Aus der Mitte haucht er sie persönlich an und gibt ihnen die Vollmacht, dieses Leben weiterzuschenken. Die Sünde als Trennung von Gott ist nicht mehr wirkmächtig. Die Sünde kann – wie bei einem Virus auf dem PC – isoliert und in Quarantäne geschickt werden, so dass sie sich nicht mehr auswirkt.

Aber so, wie man das beim PC auch wollen und anklicken muss, so ist der Wille des Menschen entscheidend. Wollen wir die Botschaft von der Auferstehung Christi annehmen und uns zum Herrn, unserem Gott, bekehren?!


Es kann sein, dass der persönliche Computer abstürzt wegen momentaner Überforderung – dann muss man ganz sachte wieder hochfahren und eins nach dem andern neu beginnen.

Oder stehen Sie mal vor die Haustüre und sagen: Entschuldigung, wir machen gerade eine Umfrage: Glauben Sie an die Auferstehung Christi von den Toten?! Sie bekommen garantiert u. a. folgende Antwort: Das soll glauben, wer will – es ist noch keiner zurückgekommen!


Das stimmt! Wenn einer in die österliche Zukunft hinein verstorben ist, dann will und kann er auch nicht mehr in die Vergangenheit zurück. Es geht auch nicht um das Zurück! Es geht um das Voraus. In der Osternacht hörten wir aus dem Matthäus-Evangelium: „Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen!“ (Mt 28,7).

Dieses Voraus-Sein des ersten Menschen, der von den Toten auferweckt wurde, wirkt sich dahingehend aus, dass Gott, der Vater, ihn zur absoluten Mitte der neuen Schöpfung eingesetzt hat. Das ist die absolute Mitte des ganzen geschaffenen Kosmos. Durch die Hauchung des Sohnes wird die ganze Welt österlich neu, d.h. gewandelt auf Zukunft hin.


Wer das Leben überhaupt haben will in Jesu Namen, der ist eingeladen, sich dieser absoluten Mitte zuzuwenden, um aus ihr die Absolution, die Hauchung des österlichen Lebens zu empfangen. Sie kommt aus dem Munde Jesu. Und er gab sie seinen Jüngern weiter! Diese sind dazu berufen, das in Vollmacht weiterzugeben, was sie selbst vom Herrn empfangen haben, aber wohldosiert und persönlich wie der Herr selbst. Seither wird dieses österliche Leben Christi weitergegeben von Mensch zu Mensch, sehr menschlich – Menschenwerk!, aber aus einer unerschöpflichen, weil göttlichen Mitte als Quelle – Gotteswerk!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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