Predigt zur Erstkommunion

Sonntag, 8. und 15. Mai 2011

Kirche St. Markus und Kirche Christus König, Schwäbisch Hall



Evangelium: Joh 20,19-31


Liebe Kommunionkinder,

Ihr seid doch sicher schon oft vor einer Tür gestanden, die verschlossen war. Das ist dann wie eine große, unüberwindliche Mauer. Man fühlt sich ausgeschlossen. Wir können dann traurig sein oder resignieren oder einfach nur Angst haben wie die Jünger damals.

Oder aber wir sind ein bisschen mutig. Zu zweit ist jeder mutiger als allein. Probiert es doch aus, die Türen zu öffnen.

Zunächst wird jeder prüfen, ob die Tür wirklich verschlossen ist.

Dann können wir die Schlüssel ausprobieren. Doch was ist, wenn keiner passt?


Liebe Eltern,

das Osterfest bedeutet: Türen gehen auf, Mauern werden durchlässig, Verbindungen entstehen, neue Kontakte werden geknüpft.

Die Kunstgriffe dieser Welt werden überboten durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, der die Mauer des Todes zum Einsturz gebracht und die Trennung zwischen Gott und Mensch aufgehoben hat.


Die Jünger waren Angsthasen. Aus Furcht haben sie die Türen verschlossen. Von sich aus wären sie nicht nach draußen gegangen. Da musste schon jemand zu ihnen hineingehen und hereinkommen.


Wer kam zu den Jüngern, liebe Kinder?

Jesus, für ihn ist die verschlossene Tür absolut kein Hindernis mehr.

Außerdem stellt er sich in die Mitte; bevor er etwas sagt, tritt er in die Mitte. Sein „Auftritt“ ist der eines Vermittlers.

Liebe Kommunionkinder, wenn jemand etwas Wichtiges zu sagen hat, dann stellt er sich so hin, damit ihn alle sehen und umso besser hören.


Liebe Kinder, wo ist bei unserem Fest heute die Mitte?

Immer da, wo Jesus am besten gesehen und gehört wird!


Wie geht Jesus nun mit seinen Jüngern um?

Er schimpft sie gar nicht, dass sie so viel Angst haben. Jesus gibt sich ihnen zu erkennen und zeigt ihnen, dass er bei ihnen bleiben wird. Ich vermute, wir hätten uns genauso verhalten wie die Jünger. Manchmal trauen wir uns gar nicht, öffentlich zu sagen, was wir wirklich im Herzen glauben. Wenn wir die Erfahrung machen, dass Jesus bei uns ist, dann trauen wir uns mehr und haben neuen Mut.


Welche frohe Botschaft hat Jesus nun zu seinen Jüngern gebracht? Welches Wort sagt er zu ihrer Begrüßung? Es ist das wichtigste Wort vom Osterfest!

 „Friede sei mit euch!“

Dieses Wort gilt grundsätzlich, zuerst den Jüngern, aber dann allen Menschen und der ganzen Welt.


Außerdem: Wenn wir etwas für ganz wichtig halten, wenn uns etwas ganz wertvoll geworden ist, dann wollen wir es auch zeigen.

Was euch gut gefällt oder wenn ihr etwas gut gemacht habt, dann zeigt ihr es den anderen und vor allem Vater oder Mutter.

Für Jesus war es nun ganz wichtig, den Jüngern seine Wundmale zu zeigen.


Was vermutet ihr, weshalb dies Jesus so wichtig war?

Durch diese Verwundungen der Kreuzigung konnten sie ihn wiedererkennen! Einen Erlöser ohne Wunden gibt es nicht. So konnten die Jünger ganz sicher sein, dass es nicht irgendwer ist, sondern eben Jesus, derjenige, der für sie aus Liebe gestorben und auferstanden ist.

Seine Erlöserliebe will er ihnen nun als bleibendes Geschenk hinterlassen. Aber nicht nur ihnen, sondern allen Menschen. Deswegen will er sie jetzt sogar hinausschicken. Er bekräftigt und betont das: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“

Wenn das nur keine Überforderung ist! Den Jüngern musste das vorkommen wie ganz viele Hausaufgaben oder eine ganz, ganz schwere Klassenarbeit.


Welche Ausrüstung schenkt Jesus seinen Jüngern, damit sie angstfrei durchatmen können? Was gibt er ihnen auf den Weg mit?

Jesus haucht sie an und sagt: „Empfangt den heiligen Geist!“

Er gibt ihnen persönlich die Ahnung von der Kraft Gottes, die durch Vergebung Frieden schafft. Ein zufriedenes Herz geht auf. In unserer Welt sind nicht die verschlossenen Türen das Problem, sondern die verschlossenen Herzen.

Mit der Ausrüstung des Heiligen Geistes wird es den Jüngern gelingen, Jesus als den Frieden für alle Welt in aller Welt zu verkündigen.

Auch Thomas wird das begreifen, der zunächst nicht dabei war. Ihm verdanken wir den Hinweis Jesu, den Aposteln zu glauben, die dabei waren.

Liebe Kommunionkinder, heute seid Ihn nun dabei, Jesus selbst zu empfangen als Brot des Friedens. Die heilige Kommunion mit Gott sättigt und stillt das Menschenherz. Diese heilige Gabe wartet heute zum ersten Mal auf euch. Durch die heilige Kommunion entsteht eine tiefe und innige Verbindung mit Gott und unter den Menschen. Aufgrund der gemeinsamen Mitte wird friedvoll vermittelt: „Es ist der Herr. Friede sei mit euch!“



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

 

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