Predigt zum 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 8. Mai 2011


Evangelium: Joh 21,1-14


Ich gehe fischen.“ „Wir kommen auch mit!“ Das ist ein normaler Dialog im Alltag von Berufsfischern. Dass sie in einer Fangnacht leer ausgehen, ist ebenso normal; das kann schon mal vorkommen – trotz bester Berufserfahrung.

Der Evangelist Johannes stellt diese Begebenheit in einen Kontrast: der berufliche Alltag mit ohne Jesus einerseits – und andererseits der berufliche Alltag mit Jesus.

Merken Sie den Unterschied?! Mit ohne – und mit?! Dieser sprachlich an sich kaum bemerkbare Unterschied wirkt sich nach Ostern umso mehr aus.


Der Auferstandene stand am Ufer und die Jünger wussten es (noch!) nicht.

Jesus spricht sie an und fragt eine so alltägliche Sache: „Habt ihr nicht etwas zu essen?“

Der Ansatzpunkt, den österlichen Christus zu erfahren, liegt mitten im ureigenen menschlichen und beruflichen Bereich, mitten im Alltag.

Wir befinden uns alle mitten in unserer jeweiligen alltäglichen Erfahrungswelt, aber jetzt gibt es eine Weg-Weisung, die uns darin abholt.


Entscheidend für die Jünger als Fischer wurde, auf Jesu Wort zu hören. Erst dadurch konnten sie die befreiende Erfahrung machen, dass ihre lebenswichtige Sorge aufgehoben ist in einer weit wichtigeren Sorge, von der sie Gott durch seinen geliebten Sohn ebenfalls erlöst hat: Was nährt und ernährt den Leib über den irdischen Tod hinaus? Es ist die Sättigung durch den Auferstandenen, der den Tod überwunden hat.


Der Urschrei nach Gott ist durch die Gegenwart Christi gestillt. Die Jünger essen und haben keine Fragen mehr. Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Für mich erinnert diese Szene an den Mittagstisch zu Hause, als wir noch Kinder waren. Für mich hat diese Szene sehr viel Mütterliches.

Zum einen war auf dem Kohlenfeuer (kein Strohfeuer!) schon Fisch und Brot! Woher? Einfach so. Für Kinder ist es egal, woher die Nahrung kommt, eben von Mutter bzw. von Vater, also von Gott. Der Auferstandene kommt von Gott und gibt und teilt aus.

Zudem nimmt er an, was die Jünger auch beibringen: „Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!“

Also Jesus nimmt gerne unseren eigenen Beitrag an.


So „funktioniert“ denn auch Gemeinde. Es ist schon viel vorgegeben. Wir zehren viel von dem, was andere vor uns zur Gemeinde beigetragen haben. Aber ohne eigenen Beitrag geht es eben auch nicht.

Wer wirklich ganzheitlich die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen erfahren und leben möchte, der muss ein Hörender sein, der muss sein Handy angeschaltet haben für den Anruf des Herrn.


Außer dieser Grundvoraussetzung wissen wir, dass vieles, was wir täglich bekommen, einfach Geschenk von oben ist.

Und zudem läuft nichts ohne eigenen Beitrag: „Bei-trag“ im wörtlichen Sinn!

Der eigene Beitrag für die Gemeinde setzt auch Kräfte und Energien frei und ich kann kreativ sein.


Und mancher kann dabei entdecken: Ich kann ja mehr beitragen, als ich zuvor gedacht habe. Das ist das innere Wesen von Berufung. Es kommt nicht von ungefähr. Es ist Jesus Christus, er steht am Ufer unseres Lebens. „Es ist der Herr!“


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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