Predigt zum 4. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 15. Mai 2011


Erste Lesung: Apg 2,14a.36-41

Zweite Lesung: 1 Petr 2,20b-25

Evangelium: Joh 10,1-10


Es ist gut zu wissen, wo die Tür ist.

Eine Tür hat immer zwei Seiten.

Im Normalfall betreten wir einen Raum durch die Tür.

Nehmen wir diese Welt als unseren Lebensraum. Dann sind wir alle durch eine gemeinsame Tür auf die Welt gekommen. Denn der Grund, dass wir da sind, liegt in Gott.

Derjenige, der die Tür in diese Welt aufgemacht hat, ist derselbe, der sie hinter uns auch schließen wird.

Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8).

Deshalb ist es kein Zufall, wenn wir gehört haben im Evangelium, wie der Herr sagt: „Ich bin die Tür!“

Somit ist uns eine „Adresse“ genannt, die alle betrifft, die gerettet werden sollen. Kein Wunder, dass Petrus einlädt: „Lasst euch retten!“ Er lädt ein, Jesus Christus als Retter kennenzulernen. Denn, wer Christus kennt, für den ist diese Welt in ihrer absolutistischen Gebärde relativ geworden.


Im Glauben an Christus ist unsere diesseitige Welt zur Beziehungsgeschichte geworden, wir leben und erleben dann unsere Welt in der Beziehung auf die Tür hin, die Christus selbst ist. Wenn man so will, ist diese Tür gewissermaßen der „Fluchtpunkt“, den wir nie aus dem Auge verlieren dürfen. Christen lassen ihr Leben von diesem Fluchtpunkt her bestimmen, also von Christus her und auf Christus hin.


Nehmen wir einmal an, diese Tür ist eine „Drehtür“, wie etwa an der Pforte im Diak. Wer durch solch eine Tür hineingeht, kann ein Stück weit hineingehen und wieder herauskommen. Er bekommt etwas Einblick und kann etwas von drinnen mit nach draußen nehmen. Wer schon mal drinnen war, tut sich draußen leichter.


Normalerweise haben wir zwei Beine, um darauf zu stehen. Ein ganzheitlicher Mensch ist jemand, der mit einem Bein im Diesseits steht und mit dem anderen Bein im Jenseits. Wenn jemand sagt „ Ich stand mit einem Bein schon im Jenseits“ klingt das zunächst „bedrohlich“, doch durch die Beziehung zu Christus ist dieses Bild in Freiheit gewendet. Jesus sagt: „Wer durch mich hineingeht, wird ein- und ausgehen.“ Das meint, wir bewegen uns durch Christus in einem Beziehungsraum von Lebenden und Verstorbenen. Beide Bereiche gehören zu ihm. So haben wir eine Freiheit gewonnen „zwischen Himmel und Erde“.


Wir glauben an Christus als den alleinigen Dreh- und Angelpunkt der Welt. Deshalb ist auch seine Kirche der Dreh- und Umschlagplatz seiner Erlösungsgaben.

Als Gaben der Erlösung können wir die Sakramente bezeichnen, welche uns inmitten der einen Wirklichkeit im Diesseits und im Jenseits zugleich verankern.


Dann stellt sich nur noch die Frage, welches denn das Größere ist: das Diesseits oder das Jenseits? Was läuft worauf hinaus? Doch wohl das Diesseits auf das Jenseits, weil es die je größere Wirklichkeit hinter allen Dingen ist!


In Übereinstimmung kommen die beiden in der alleinigen Tür, welche Christus selbst ist. Denn nur in ihm kommen das Größte und das Kleinste überein, denn er allein ist der Grund der Welt auf den Vater hin!


Wenn wir also an Christus glauben und bei ihm bleiben, dann bekommen wir Weide, die wirklich satt macht. Die Weide Gottes sozusagen gibt Antworten auf unsere Fragen, sie gibt dem Ohr die Sättigung durch göttliche Musik, sie gibt dem Auge die Schau Gottes und sie gibt dem Leib die Nahrung des Auferstandenen.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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