Predigt zum 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 29. Mai 2011


Lesung: Apg 8,5-8.14-17


Der Heilige Geist schafft Konkretionen

Wenn jemand seinen Personalausweis oder seinen Reisepass vorlegen muss, stehen darin immer sein Geburtsdatum und sein Geburtsort. Die durch die Computertechnik inzwischen zusätzlich möglichen biometrischen Angaben können diese persönlich-einmaligen Daten nicht ersetzen. Denn jeder Mensch ist eine konkrete Person, und darüber geht nichts.

Dieser „Umstand“ kommt zum Ausdruck durch eine einmalige Lebensgeschichte mit all ihren biographischen Konkretionen. Wir sind nicht irgendwie und irgendwann und irgendwo. Wir brauchen genaue Festlegungen und bestimmte Regeln. Und Kinder und Jugendliche suchen geradezu nach festen Grenzen.


Wenn das Menschsein also aus einer Folge von eindeutigen Bestimmungen besteht, warum soll Christsein anders „gehen“?!

Wenn wir wissen, welches Elternhaus uns geprägt hat, dann dürfen wir doch auch festhalten, aus welcher Kirche wir kommen.

Wir gehören nicht zu einer Irgendwo-Irgendwie-Irgendwann-Kirche, sondern konkret zur katholischen oder orthodoxen oder evangelischen Kirche, die von Anfang an Jesus von Nazaret als den auferstandenen Christus verkündet hat. Auf seinen Erlösertod und seine machtvolle Auferstehung wurde und wird getauft, nichts anderes verkündete Philippus in Samarien und er ist damit dort „angekommen“!


Dennoch fehlte den Christen in Samarien noch etwas Entscheidendes. Wir haben es gehört: „Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin.“ Das ist vergleichbar mit dem Vorgang, wenn im Domkapitel in Rottenburg darüber beraten wird, wer zur Spendung der Firmung in welche Gemeinde geht. Diese einfache Übertragung möchte nur deutlich machen, dass es immer um das Zusammenwachsen mit der Kirche insgesamt geht und dass erst dadurch unser je persönliches Christsein vollständig wird. Der Heilige Geist „spielt dabei mit“; ja, er ist es, der diese Verbundenheit bewirkt und er schenkt die Begabung aufgrund dieser Verbundenheit mit der Gesamtkirche. Der Heilige Geist ist „der Macher“ der Kirche.


Die Jerusalemer Gemeinde schickte damals ihre prominentesten Vertreter nach Samarien, einmal, um die Mission des Philippus zu ergänzen, aber auch, um die einzelnen Christen, welche das Wort Gottes angenommen hatten, zu bestätigen. Durch die Handauflegung der Apostel empfingen sie den Heiligen Geist, denn der Geber aller Gaben arbeitet eng mit der Kirche zusammen, die eben nun mal – Gott sei Dank – aus wirklichen Menschen besteht.


Für viele Zeitgenossen ist das mit ein Problem, sie bringen die Gedanken um und über Gott nicht mit dem Bodenpersonal überein. Dem kann man abhelfen, wenn ich sage, dass eigentlich jeder Mensch auf seine Weise in gewisser Art das Bodenpersonal des Herrgotts darstellt.


Jedenfalls braucht alles, was wachsen soll, seine Struktur. Konkrete Kirche bedeutet also, dass sie aufgrund ihrer Struktur zusammenwachsen (und nicht etwa in viele Konfessionen auseinanderdriften!) soll. Jede Apfelblüte oder Kirschblüte am Stamm kann nur blühen, weil sie mit einer langen, aber gewollten Struktur des Baumes fest verbunden ist: Wurzel – Stamm – Geäst – Ast – Zweig – Gezweig – Zweiglein.


Deswegen kann ein Christ eigentlich nur aufblühen, wenn er deutlich greifbar und ganz bestimmt mit seiner Kirche eng verbunden lebt. Dadurch wird er kräftig und standfest und bekommt dafür das Siegel des Heiligen Geistes. Dieses heilige Siegel der Firmung verdeutlicht anschaulich, dass ein Mensch Gott gehört! Gibt es eine schöne und größere Bestimmung für unsere jungen Leute, als dass sie die persönliche Zusage erfahren, dass der Herrgott hinter ihnen steht und sie „aufzieht“, ins bleibende Leben zieht, das uns Jesus Christus durch seine Erlösungstat gebracht hat?


Komm, Heiliger Geist, präge und verwandle das Leben unserer Jugendlichen und lass ihnen das österliche Geheimnis Jesu Christi aufgehen. Uns alle aber stärke in der Verbundenheit mit deiner geliebten Kirche!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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