Pfingstmontag, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 13. Juni 2011


Lesung: Eph 4,1b-6

Evangelium: Joh 15,26 – 16,3.12-15


Was ist unter den Menschen größer – die Gemeinsamkeit oder der Unterschied?

Der Apostel Paulus stellt uns im Bild von dem einen Leib etwas Großes und Ganzes vor Augen, das alle zusammenhält. Diesen großen Zusammenhalt bewirkt der eine Geist. Um diese große Einheit sollen wir bemüht sein, für sie sollen wir unseren Beitrag leisten. Denn das Größte in der Kirche für die Menschheit ist die Einheit.


Auf dem Weg zur Einheit gibt es Wegweiser.

Auf dem ersten steht: Demut.

Der einfache Dienst am anderen Mitmenschen verliert seine Sympathie nicht. Pfingstlich leben bedeutet, das Einfache, Hilfreiche und Gefällige neu füreinander zu entdecken.


Auf dem zweiten steht: Geduld.

Wenn der liebe Gott mit uns seine liebe Geduld haben muss, dann ist diese liebe Geduld auch uns zur Umgangsform miteinander aufgegeben. In ganz hohem Maß bewirkt die Geduld fast alles.

Auch das Wartenkönnen in Geduld ist eine christliche Grundhaltung, die mehr Türen öffnet, als wir Schlüssel tragen können.


Auf dem dritten Wegweiser steht: Liebe.

Die innere Zugeneigtheit zu einer Sache oder zu einem Mitmenschen eröffnet das Eigentliche. Und das Eigentliche ist auch immer dem Gemeinsamen nahe. Liebe ist für Menschen wie das Wasser und das Licht und die Wärme für eine Pflanze.


Auf dem vierten steht: Friede.

Im Anschluss an das Evangelium und in der Nachfolge Jesu Christi ist uns der Friede mit Gott untereinander zugesagt und zur hauptsächlichen Hausaufgabe geworden.

Der Friede mit Gott – ist das ein Thema?

Es bedeutet, dass wir mit dem Handeln Gottes zufrieden werden. So wie Gott will, und der Heilige Geist weht ja, wo er will, können wir zum Frieden schließen mit den Umständen, die Gott zulässt oder die er nicht zulässt. Gott als Vater ist überaus gut; in dieses Vertrauen zu investieren, bedeutet, Frieden gewinnen.


Mit diesen vier Wegweisern gelangen wir zum Ziel der großen Übereinstimmung mit Gott und untereinander durch den Geist der Wahrheit. Er geht vom Vater aus und bewirkt die große Konzentration auf Jesus Christus, der die ganze Welt erlöst hat, damit sie durch den Geist der Wahrheit bereitet wird für das große Ziel seiner Wiederkunft. Bis dahin sollten wir uns einig werden für den Weg zur vollkommenen Einheit. Sie ist Gabe und Aufgabe.


Kommunikation und Dialog in der Kirche sollen dem dienen. Durch den Geist der Wahrheit bekommt die Kirche wieder Oberwasser, so und wie Gott will. Demut, Geduld, Liebe und Frieden sind die großen Vorzeichen und das nachhaltige Ergebnis von Pfingsten – wenn wir wollen.



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

zurück