Predigt zumFronleichnam

Schwäbisch Hall, 23. 06.2011

 

Wirkmächtiges Schauspiel


Liebe Mitchristen!

Die Freilichtspiele auf der Treppe vor dieser Kirche St. Michael sind weit bekannt und ein wichtiges Markenzeichen von Schwäbisch Hall.

Die Zuschauer kommen teils von weit her, um das Schauspiel zu sehen. Die Einwohner der Stadt können aber auch zwischendurch beobachten, wie viel Arbeit und Vorbereitungen für jede Aufführung zu bewältigen sind.

Auch für unseren Fronleichnamstag heute waren einige Vorbereitungen nötig. Das Fest des „Fleisches und Blutes Christi“ macht viel Mühe. Wir befolgen damit den Auftrag Jesu: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern (bemüht euch) für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird!“ (Joh 6,27)

Diese Mühe sieht die Kirche insgesamt als ihre Hauptaufgabe, die Vollwertigkeit der Leib-Speise Jesu zu verkünden, zu leben und zu zeigen.

Für den Empfang und das Genießen der leibhaftigen Liebe Jesu haben wir einen festlichen Tisch bereitet in diesem festlichen Gotteshaus. Und anschließend zeigen wir es allen Leuten auf den Straßen und Gassen dieser Stadt, woraus wir leben. In der Monstranz, dem kostbaren Zeigegerät, demonstrieren wir das kleine Stück Brot, die weiße Hostie, in der Jesus selbst wirklich gegenwärtig ist.

Die Worte aus dem Evangelium nach Johannes, die wir gehört haben, „stehen am Ende einer längeren Rede Jesu über das Himmelsbrot, das er selber ist.

Auch die wunderbare Speisung der 5000 ist gerade geschehen. Jesus spricht hier von seinem „Fleisch“ als Brot des Lebens. „Fleisch“ hat im Johannes-Evangelium oft einen negativen Klang im Gegensatz zum Geist. Hier ist es aber positiv gemeint und betont, dass Jesus wirklich Mensch ist, darin ist er uns gleich. Die kritische Nachfrage, wie er sein Fleisch zu essen geben könne, weist auf das Missverständnis hin, es gehe um eine Art Kannibalismus. Das Johannes-Evangelium deutet hier aber die Eucharistie. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben,

(Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt,) ...der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ Unter den Gestalten von Brot und Wein nehmen wir wirklich Jesu ganze Person (Fleisch) und sein Leben (Blut) in uns auf. Er verbindet sich untrennbar mit uns. Das darf keine äußere formale Handlung bleiben,“

sondern soll zur eigentlichen Aussage unseres Lebens werden. Die große Gabe der Eucharistie ergibt unsere innere Einstellung. Es gibt eine große und innige Verbundenheit von Mensch zu Mensch und diese Gemeinsamkeit ist immer größer als alle Unterschiede, denn die Gabe der Verbundenheit kommt von Gott und vom Himmel her. Wenn wir von dem einen Brot essen, wird deutlich, dass wir sind, was wir essen: ein Leib!

Ein Brot kann nur gebacken werden, wenn jedes Korn bereit ist, sich vermahlen zu lassen zur großen Einheit. Der Leib Christi wird nur auferbaut, wenn jeder „Christmann“ und jede „Christfrau“ bereit ist, sich vermählen zu lassen.

Das bedeutet, sich restlos für den einen Herrn zu verausgaben im persönlichen Einsatz des Christseins vor Ort. Alle Aktivitäten und Veranstaltungen werden damit in die Konzentration auf Christus hin gebracht. Er selbst, das Haupt der Kirche, koordiniert die Bewegungen seines Leibes.

Ein angewachsener Teil des Leibes wird auch nicht vergessen und geht nicht verloren; es tut „nur“ weh, wenn er leidet. D.h.: Kümmere dich um deinen Bruder bzw. deine Schwester, wenn es Ihnen schlecht geht!

Tue Gutes und zeige, woher die Kraft dazu kommt!

„Der Empfang dieser Speise macht es möglich, aus derselben Kraftquelle zu leben wie Jesus – aus dem lebendigen Vater. Wenn wir wirklich an die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi glauben, müssen wir auch bereit sein, uns selbst nach seinem Bild wandeln zu lassen.“

Wir sind die Darsteller Christi geworden – auf den Treppen dieser Welt. Wir können nicht mit Christus kommunizieren, ohne ihn möglichst vollwertig darzustellen. Der Gradmesser dafür, Jesus Christus darzustellen, ist die Einigkeit der Christen untereinander. Wir sind uns einig, dass die Einheit noch grundlegender offenbar werden sollte, damit die Welt glauben kann, wie Jesus einmal gebetet hat für uns.

Wir prozessieren für Jesus als den Christus, der die Menschheit zu einigen vermag für die große Einheit vor Gott.

Wir demonstrieren für Jesus als den Christus, seine wirkmächtige und reale Gegenwart im weißen Rund der Hostie konzentriert die Menschen um den Tisch des Himmelsbrotes. Die Kraft dieser Gottesgabe prägt und wandelt; als „Gewandelte“ sind wir nicht nur „Darsteller“, sondern „Offenbarsteller“ Christi. Der eigentliche Christ ist die eigentliche Monstranz; für immer in Verbindung mit dem erhöhten Herrn.

Alle Treppen dieser Welt führen zu Ihm.

Getippt von Frau Deeg, ich war in Exerzitien

 

zurück