100 Jahre Blutreitergruppe Waltershofen

Kirche St. Petrus und Magnus, Waltershofen


Sonntag, 26. Juni 2011

 


Lesung: Ex 24,3-8

Evangelium: Joh 19,31-37


Der Mann hat ein Herz!“ „Die Frau hat ein Herz!“

Bei Mitmenschen, bei denen diese Bemerkung zutrifft, sind wir gut aufgehoben. Menschen mit Herz sind eine gute Adresse. Um wie viel mehr ist das Herz Jesu eine überaus gute Adresse!

Das Emblem zum alljährlichen Festgruß zum Blutfreitag in Weingarten zeigt zentral diese Adresse. Wir blicken auf den, „den sie durchbohrt haben“ (Sach 12,10).

Gott hat ein Herz für den Menschen: Jesus ward einer von uns“ (GL 552,1).


Die alljährliche Reiterprozession am Blutfreitag hält diese Erinnerung wach.

Das heißt, wir vergessen Jesu Erlösungstat nicht. Seit 100 Jahren hält die Blutreitergruppe Waltershofen das Gedenken wach, dass unser Herr Jesus Christus beim Letzten Abendmahl einen ewigen Bund in seinem Blut gestiftet hat. Seine erlösende Hingabe am Kreuz hat seine Liebe vollends offenbar gemacht. Nach der Überlieferung hatte der Hauptmann Longinus mit seiner Lanze das Erlöserherz geöffnet und damit den Quell der Gnade erschlossen. „Denn aus der Seite des am Kreuz entschlafenen Christus ist das wunderbare Geheimnis der ganzen Kirche hervorgegangen“ (II. Vaticanum, Konstitution über die heilige Liturgie, SC 5).


Das Geheimnis des Leidens und Sterbens Jesu konzentriert sich auf das zentrale Wundmal unseres Heilandes. Wir brauchen immer wieder diese Konzentration, mindestens einmal im Jahr, nur so werden daraus in steter Treue auch 100 Jahre. Niemand von uns war beim ersten Mal 1911 dabei, und in weiteren 100 Jahren wird keiner von uns mehr in Weingarten teilnehmen. Aber das macht nichts – denn wir sind gerettet: Jesu Wort gilt in alle Ewigkeit: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm“ (Joh 6,56).


Darauf kommt es an: Jesu Gedächtnis begehen und damit seinen Auftrag befolgen. Wenn wir Eucharistie feiern, dann nehmen wir Jesu Leben in uns auf, das bedeutet, Auferstehung und ewiges Leben!


Dabei zeigt sich immer wieder, wie herzhaft unser Glaube ist; er reicht zurück bis in die Anfänge Israels. Mose verpflichtet das Volk Gottes auf die Worte des Herrn.

Zuerst besprengt er den Altar mit dem Blut des Bundes, dann das Volk. So entsteht im Zeichen des Blutes eine geheimnisvolle Verbindung zwischen Gott und dem Volk. Blut ist der geheimnisvolle Träger des Lebens in einem Körper; es kann bis jetzt noch nicht künstlich hergestellt werden. Es gibt Gott sei Dank viele Blutspender/innen für die notwendigen Bluttransfusionen.


Nehmen wir dieses Stichwort als Bild: Beim Empfang der Eucharistie „fusioniert“ Jesu Blut mit unserem Blut, allerdings auf geheimnisvolle Weise.

Wir werden eins mit ihm, da er uns in seinem Blut seine Liebe schenkt.

Dieser liebevolle Blutdruck Jesu prägt unser Christsein. Wenn wir unseren Glauben leben und an der Hl.-Blut-Prozession in Weingarten teilnehmen, bleibt dieser Blutdruck stabil. Ohne Blut keine Liebe, und Liebe geht bis aufs Blut. Die zentrale Farbe des Blutfeitags ist das blutende Rot. Der Lanzenstich des Hauptmanns Longinus hat dies bewirkt: Wusste er, was er tat?

Ein Quell der Gnade sich ergießt, aus deiner Seitenwund, Herr Christ,

und alle, die dies Bad erneut, sind heil und singen hocherfreut!“ (GL 822).


Jedenfalls berichtet die Legende, dass er das kostbare Blut Jesu Christi aufbewahrt hat.

Dieser Mensch ist Zeichen und Symbol dafür, dass wir Menschen fähig sind, unseren Erlöser zu erkennen, und zwar als den Gekreuzigten, und wenn als Gekreuzigter, dann auch wesentlich als Auferstandener! Das macht Hoffnung für alle Welt, dass Menschen jedweder Nation fähig sind und die Möglichkeit in sich tragen, sich zum Herrn zu bekehren, vor allem durch die Anschauung des Gekreuzigten!


Deshalb hat die größte Reiterprozession in Europa bleibende Bedeutung – schon über 450 Jahre; die Verehrung reicht mehr als 900 Jahre zurück. Die Hl.-Blut-Reliquie bewahrt die Erinnerung an das historische Faktum der Kreuzigung Jesu von Nazaret. Diese Anbindung an das tatsächliche Geschehen auf Golgota macht unsere Hoffnung in Jesus Christus glaubwürdig und ganzheitlich. Das vom Blut des Gekreuzigten getränkte Erdreich macht die ganze Erde neu.


Der Blutfreitag in Weingarten findet direkt nach dem Hochfest Christi Himmelfahrt statt und noch vor dem Pfingstfest. Die Gabe des Heiligen Geistes macht die Erlösung vollkommen. Gottes Heiliger Geist wandelt Brot in Leib und Wein in Blut. Wir empfangen das Blut Christi in der Gestalt des Weines.

Gottes lebenschaffender Geist „macht“ aus Blut die Liebe; die gemeinsame Farbe ist das Rot. Gottes Geist, Blut und Liebe bewirken die Treue. Die Treue Gottes zu seinem Volk ist für immer im Geist, im Blut und in der Liebe gestiftet.


Als Blutreiter beim Blutritt in Weingarten geben wir davon Zeugnis, die Blutreitergruppe Waltershofen jetzt schon volle hundert Jahre. Das ist ein beachtliches Zeugnis, das bestehen bleibt bis zur Wiederkunft des Herrn.


Als Christen, als Mitchristen und als Gemeinde St. Petrus und Magnus in Waltershofen sind wir im Verbund mit der ganzen Kirche der lebendige Corpus Christi durch die Zeit.


Heute aber am Jubiläum der Blutreitergruppe Waltershofen gilt vor allem: Das sind Männer und Frauen mit Herz in herzlicher Verbundenheit mit dem Herrn und untereinander. Die Kraft der göttlichen Liebe Christi schenkt „100 plus“!



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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Fürbitten


Allgütiger Gott, du hast deinen Sohn gesandt. Er hat unsere menschliche Natur mit Fleisch und Blut angenommen, um uns zu erlösen. Wir bitten dich:


  • Versammle die Menschen immer wieder neu zur Wallfahrt in Weingarten und lass sie auf die Erlöserliebe Christi Antwort geben.


  • Beschütze und segne die Blutreitergruppe Waltershofen mit ihren Familien und sei du selbst ihnen der reiche Lohn für all ihre Bemühungen um den Blutritt.


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    • Bleibe bei der Blutreitergruppe Waltershofen, bewahre sie vor Schaden und schenke ihnen Glück und gutes Gelingen in Beruf und Familie.


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    • Segne das Mitgeschöpf Pferd und lass die Anvertrauung der Haus- und Wildtiere an die Hand des Menschen in ökologischer Verantwortung gedeihen.


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    • Schenke allen Menschen Liebe zur Natur und Umwelt. Lass sie in der Schöpfung dich erkennen als den Geber alles Guten.


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    • Lass uns als deine geliebten Kinder stets neu vertrauen, dass du dich um uns sorgst und lass uns deshalb einander helfen, wo es nötig ist.


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    • Schenke allen verstorbenen Angehörigen, besonders den verstorbenen Blutreitern und ihren Angehörigen, deine himmlische Herrlichkeit, stellvertretend für alle seien genannt: Pfarrer Paul Kling, Frau Stefanie Neher und Herr Xaver Baumann.



Ewiger Vater, wir danken dir für das kostbare Blut Jesu Christi. Es tilgt unsere Sünden, bringt den Verstorbenen ewige Erlösung und erhält deine Kirche auf Erden in Liebe und Einheit bis zur Wiederkunft deines Sohnes, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

 

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