Predigt am 16. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A


Schwäbisch Hall, 20. Juli 2008

Evangelium: Mt 13,25 – 30


Einführung


Die Kinder und Jugendlichen bekommen in diesen Tagen bescheinigt, ob sie ihr Ziel erreicht haben. „Sie haben ihr Ziel erreicht!“, liebe Mitchristen, das gilt auch für uns Erwachsene. Von Zeit zu Zeit sollten wir das überprüfen, damit wir auf dem Weg bleiben, der uns zum Ziel führt. Worin besteht dieses Ziel und was müssen wir beachten, es mit der Note gut zu erreichen?!

Auf den Feldern der Umgebung hat bereits die Ernte begonnen und über die letzten Tage hat es von oben her ganz schön „gegossen“.

Machen wir uns bewusst, dass der Herrgott auf seinen „Gottesacker“ schaut!

Kyrie


Herr Jesus Christus, du bist der Sämann, der den guten Samen sät.

Herr Jesus Christus, du lässt Unkraut und Weizen wachsen bis zur Ernte.

Herr Jesus Christus, du trennst die Spreu vom Weizen.

Predigt


Liebe Mitchristen!

Die zweite Hälfte des heutigen Evangeliums ist schon eine Erklärung der vorangestellten Gleichnisse vom Himmelreich. Also schon im Evangelium selbst folgt die Deutung auf den Fuß der Verkündigung.

Diese Gleichnisse übers Wachsen sind Jesu ureigene Verkündigung; er holte sich dafür seine „Arbeitsbilder“ aus der Anschaulichkeit der damaligen Landwirtschaft: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte!“, lautet seine zentrale Botschaft.

Zeit und Geduld sollen die Menschen aufbringen, wenn es um die Sache Gottes geht. Beides haben wir – – nicht!

Stattdessen richten wir uns so ein, dass viele Dinge des täglichen Lebens schnell und automatisch funktionieren.

Und wie wär’s mit einem Turbo-Kindergarten, einer Turbo-Grundschule, einem Turbo-Abi?

Wenn wir die Gesetze des Wachstums und der zeitgemäßen Entfaltung nicht beachten, wird’s unmenschlich.

Was Gott als Schöpfer mit innerer Kraft ausgestattet hat, wächst von selbst, also „automatisch“, wie es im griechischen Urtext dasteht (vgl. Mk 4,28).

Eine Pflanze wächst nicht schneller, wenn man an ihr zieht. Auch Düngung ist im Vergleich dazu nur ein kleiner Trick.

Jesus öffnet mit seinen Gleichnissen unseren Blick für das Ganze! Er eröffnet unserem Schauen einen großen und weiten Zusammenhang, darin bekommen unsere Fehler und Unvollkommenheiten ihren Platz; darin bekommt sogar das Böse vorübergehend seinen Platz, bis es mit der Zeit überwunden ist. Erst zur rechten Zeit, wenn die Ernte da ist, wenn das Ziel erreicht ist, sorgt wiederum Gott selbst für die entsprechende Trennung. So lange müssen wir eben „das Unkraut“ sehen können. Wir können aushalten im Blick auf das Senfkorn, das zunächst ganz klein ist und dann zum überaus großen Baum ausgewachsen ist.

Wir können uns daranmachen und sind ermutigt, mit unseren Schwächen zu haushalten und mit unseren Stärken zu arbeiten – und wer weiß, eventuell entwickelt sich unsere größte Schwäche zu unserer größten Stärke!

Nicht nur am Ende eines Schuljahres, sondern am Ende eines jeden Lernprozesses entlastet uns Jesus mit seinen Gleichnissen: Wir sollen aufgrund vorschnell oder übereifrig, sondern aufgrund „reiflicher Überlegung“ handeln und das Unsere tun mit bestem Wissen und Gewissen.

Das Eigentliche aber bewirkt Gott, der Vater aller Menschenkinder. Er schenkt uns dazu seinen Heiligen Geist, der uns zur Unterscheidung befähigt.

Zum Beispiel gibt es das Unkraut im moralischen Sinn, das sind eben verschiedene negative Verhaltensweisen, die man sich abgewöhnen sollte.

Im botanischen und ökologischen Sinn gibt es gar kein Unkraut, sondern es wächst überall, damit auch jede Ödfläche besiedelt ist.

Fazit für beide Bedeutungen: Eine an sich richtige Handlung, nämlich Unkraut zu jäten ist zur falschen Zeit auch negativ.

Bitten wir also immer wieder neu Gott, den Herrn der Welt, um die Weisheit, das Unsrige zu tun zur rechten Zeit.

Im Übrigen lohnt sich in der Urlaubszeit der Blick in den blauen Horizont: Alles ist umfangen von einer Liebe, die alles durchträgt. Diese Einsicht zu unser aller Entlastung wünsche ich Ihnen!



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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