Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 24. Juli 2011


Zweite Lesung: Röm 8,28-30

Evangelium: Mt 13,44-52

Aussortieren um des Himmelreiches willen


Liebe Mitchristen!

Viele von uns sind froh, wenn sie jetzt in der Urlaubszeit dem Schreibtisch den Rücken kehren können. Kommen sie dann zurück, ist er neu beladen. Der Erholungswert wird nur dann dadurch nicht geschmälert, wenn man schnell und effektiv auszusortieren versteht. Ich habe jemand sagen hören: „Mein Schreibtisch ist wie ein Grab; ich finde nichts wieder.“

Das klingt fast wie eine Kapitulation und manche geben auf. Für sie ist alles gleich wichtig und sie können sich dann von nichts mehr trennen.

Für eine effektive Trennung im Haushalt meiner Dinge und Papiere braucht es sinnvolle Unterscheidungsmerkmale.

Wenn es um die Sache des Himmelreiches geht, müssen wir genauso unterscheiden lernen, z.B. gute und schlechte Fische. Die schlichte Übertragung auf das Weltende ist schon wieder eine pauschale Interpretation.

Das Himmelreich verwirklicht sich für einen jeden von uns Tag für Tag oder eben nicht bzw. zu wenig. Es braucht dafür jeden Tag ein übergeordnetes Ziel. Nach Auskunft der Lesung besteht dies darin, an Wesen und Gestalt Christi teilzuhaben, denn er ist der Erstgeborene von vielen Brüdern und Schwestern. Die Entdeckung Christi im Alltag ist ja die Frohbotschaft, die Entdeckung Christi „zu Hause“, also im eigenen Lebenshaus, ist der entscheidende Fund im Acker bzw. stellt die eine kostbare Perle dar, welcher bzw. welche alles andere relativ macht.

Wenn man dermaßen ein Ziel hat, für das es sich zu leben lohnt, ist man in diesem Ziel gleichsam auch aufgehoben. Das Aufgehobensein der Dinge deines Lebens in diesem Ziel ist sehr entlastend. Alle Angelegenheiten des Lebens und jedes Detail ist bei Gott „hinterlegt“, geht also auch nicht verloren, sondern wird gewandelt.

Alles vor Gott Unbeständige können wir getrost loslassen; und was wir losgelassen haben, belastet auch nicht mehr und wir sind erleichtert. Was aber vor Gott Bestand hat, das können wir umso mehr vermehren; dazu gehört nach Auskunft des Evangeliums Altes und Neues. Vor einem gemeinsamen Ziel, vor dem Himmelreich, kommt das Alte und Neue unseres Lebens zusammen, und es bekommt die gleichen Kriterien, damit das Ganze unseres Lebens die Ausrichtung auf das Himmelreich erhält. Dann führt Gott alles zum Guten, weil wir ihn lieben.

Wie geht das, Gott zu lieben?

Zum Beispiel kann ich an jedem Wochenende dem Herrgott 1 ½ Stunden schenken durch den Besuch des Gottesdienstes. Er steht doch auch nach dem jüdischen Hauptgebot an erster Stelle.

Gott liebt mich durch die Mitmenschen, also erwidere ich Gott meine Liebe durch Nächstenliebe.

Gott hat mich aus Liebe ins Leben gerufen; also ertrage ich mich in Treue zum Schöpfer.

Und dann kommt noch „die bessere Hälfte“. Wir sind in unserem „Haushalt der Liebe“ erst bis zur Hälfte gekommen. Diese von mir jetzt so genannte bessere Hälfte ist die Natur und Umwelt.

In der Urlaubszeit entdecken wir die Liebe Gottes neu durch die Schönheit und durch den Erholungswert in Wald, Wiese und Wasser. Also kann ich Gott lieben, wenn ich den Schöpfer im Geschöpfe ehre.

Umweltgerechtes Verhalten und ökologische Weiterbildung sind eine Form der Nächstenliebe, die zunehmend wichtiger wird. Schulen wir unser Verhalten in diesem Sinn, denn die Liebe zu Gott hat in allem Vorrang. Das ist der Acker und das ist die Perle. Dann sorgt Gott in seiner Allmacht – aus unserer Sicht – „wieder neu“ für das Lebenshaus Erde und wir sind dem Reich Gottes nicht mehr fern.



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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