Predigt am 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Schwäbisch Hall, 6. November 2011


Erste Lesung:    Weish 6,12-16
Zweite Lesung:    1 Thess 4,13-18
Evangelium:    Mt 25,1-13

Gib „Obacht“!

Einführung:
Duden: Obacht, die, Obacht geben. „Gib Obacht!“
Acht, die, (veraltet für Aufmerksamkeit; Fürsorge) auf jemanden, etwas achtgeben; gib acht! Sehr gut, genau achtgeben; gib gut acht!; große, allergrößte Acht geben; auf etwas achthaben; habt acht! Habt gut acht! Sich in Acht nehmen; etwas ganz außer Acht lassen; etwas außer aller Acht lassen; das Außerachtlassen.
Nicht weit von hier befindet sich der Kindergarten. Dort haben sie lebensgroße Kinderattrappen aufgestellt, schön bunt bemalt, mit dem Hinweis: „Obacht Kinder“.
Diese Vorsicht sei uns willkommen im Hinblick auf die Wiederkunft unseres Herrn.

Predigt

Liebe Mitchristen!

Natürlich möchte jeder von uns auf der Seite der klugen Jungfrauen stehen, obwohl das nicht selbstverständlich ist. Wir haben es gehört: Klugheit ist gefordert. Darauf kommt es an.
Dreh- und Angelpunkt der klugen Jungfrauen ist das Öl: „Die Klugen nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.“ Damit sind sie, als es darauf ankommt, aus dem Schneider, sie sind dabei – dabei sein ist alles!

Das Schicksal der Törichten mag uns schockieren, aber dieser Schock ist sogar sehr heilsam. Wir sind doch schon sehr abgestumpft gegenüber vielen Zeitereignissen. Wir reagieren eigentlich erst bei direkter persönlicher Betroffenheit, sozusagen wenn uns selber das Wasser bis zum Hals steht.
Dementsprechend möchte uns das Evangelium betroffen machen, damit wir reagieren und Antwort geben. Wenn wir uns rechtzeitig und richtig auf etwas einstellen, können wir es am besten bewältigen. Also: Wir sollen be-wältigen, damit nicht uns etwas über-wältigt.

Aus dem normalen Leben kennen wir die Erfahrung, dass Großereignisse nicht verschoben werden können, sei es die Olympiade oder auch nur Silvester. Zu viel hängt damit zusammen.

Es braucht nicht viel Phantasie, sich auszumalen, wie es denn mit dem Himmelreich sein wird. In der Mitte der Nacht kommt der Bräutigam, obwohl jeder weiß, dass er kommen wird, ist es dann doch überraschend. Schlussendlich geht alles ganz schnell. Das macht dem nichts, der vorgesorgt hat.

Liebe Mitchristen! Die entsprechende Vorsorge beginnt jetzt. Vor allem in der Hinsicht, dass wir überhaupt mit der Wiederkunft Christi rechnen. Dann wird abschließend geschehen, worum wir ständig beten: Dein Reich komme!

Klugheit bedeutet dann, sich danach auszurichten, was in das Reich Gottes mitgenommen werden kann. Vielfach hören wir: Keiner kann etwas mitnehmen! Das ist richtig, denn es betrifft die Dinge, die wir gelassen links liegen lassen können.
Aber mitnehmen können wir durchaus Gerechtigkeit, Liebe und Frieden, persönlich möchte ich Demut und Bescheidenheit hinzufügen.
Wenn diese Haltungen unser Leben geprägt haben, dann sind wir mit dieser Prägung vor Gott. Wenn wir danach streben, dann kommt uns Gott zu Hilfe mit den Gaben der Weisheit.

Die Weisheit, die von Gott kommt, füllt unsere Lampen mit Öl. Füllen wir also unsere Lampen mit Öl, indem wir die Weisheit lieben, sie suchen, nach ihr verlangen, über sie nachsinnen, ihretwegen wachen!
Denn sie ist nahe und lebenspraktisch leicht zu finden: „Sie sitzt vor der Tür!“
Das ist ein Bild! Vor der Tür ist ein wichtiger Ort. Mit dem ersten Schritt aus dem Haus beginnt die Weisheit oder sie beginnt noch lange nicht. Eigentlich stehen wir immer nur vor der Tür des nächsten Schrittes „aus unserem Haus“. Mit welcher Einstellung gehe ich aus dem Haus? Dass Gott meinen Tag mitgestalten will? Bin ich empfänglich genug für seine leisen Töne? Bin ich mir bewusst, dass der heutige Tag mein Leben schient, praktisch eine Weiche stellt?
Wenn der Zug über die Weiche fährt, lässt sie sich nicht mehr verstellen. Gib also acht auf den heutigen Tag! Lebe deinen Tag mit großer Achtsamkeit! Die Weisheit Gottes möchte aus dir einen achtsamen Menschen machen, der in der Vorfreude lebt auf die Begegnung mit dem Bräutigam.

Außerdem hat Jesus einmal ganz konkret gesagt im Hinblick auf die Schwächsten in der Gesellschaft: „Wer ein Kind aufnimmt, der nimmt mich auf“ (Mk 9,37). Damit sind die Kinder Botschafter für das Reich Gottes und wer den Botschafter schon im Haus hat des Königs, der da kommen wird, braucht sich keine Sorgen zu machen. Die Fürsorge für Kinder und das Dasein für sie liegt spirituell in der Nähe der Wachsamkeit, die notwendig ist, die Ankunft des Herrn zu erkennen.

Gib Obacht! Der Herr kommt! „Amen. Komm, Herr Jesus! Maranatha!“ (Offb 22,20).


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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