Predigt am 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Hochfest des hl. Martinus (Diözesanpatron)

Schwäbisch Hall, 13. November 2011


Evangelium:    Mt 25,31-40

Das eigentliche Leben ist geteiltes Leben

Einführung

Liebe Mitchristen!
Das Leben ist doch rund und schön, dagegen hat niemand etwas.
Ach, möge das leben doch eine runde und schöne Sache sein für uns alle!
Aber wieso nur ist das nicht so?
Ich versuche eine Antwort:
Weil wir – viele von uns oder jeder von uns – immer wieder ein bisschen über die Dinge lachen, die wir nicht sehen, die wir zu wenig sehen oder die wir nicht sehen wollen.
Die eine Hälfte der Wirklichkeit ist die mit den leiblichen Augen sichtbare;
die andere Hälfte der Wirklichkeit ist die mit den Augen des Glaubens sichtbare.
Nur beide Sichtweisen vermögen uns in der ganzen Wirklichkeit zu verankern.
Das Hochfest des hl. Martinus möchte uns ermahnen, unsere Welt und unsere Umgebung mit drei Augen zu sehen: mit den leiblichen und mit dem Auge des Herzens.


Ansprache


Nun wurde am Freitagabend wieder überall die Szene der Mantelteilung gespielt. Wer kennt sie also nicht?
Bloß – wer handelt danach? Diese berühmte Szene ist entscheidend fürs ewige Leben! Wer jetzt so handelt, befindet sich bald auf der Seite des bleibenden Lebens, eigentlich jetzt schon.
Wir hungern doch alle nach eigener Gotteserfahrung. Wie geht das?
So wie beim hl. Martinus.
Er hat die Hälfte seines Mantels geteilt – aus Liebe.
Liebe ist Lebensmitteilung.
Das eigentliche Leben ist geteiltes Leben, mitgeteiltes Leben in jeder Form.
Die Mantelteilung ist ein Bild.
Wer die Hälfte seines Vermögens teilt, wer die Hälfte von dem, was er besitzt, teilt, für den wird die andere Hälfte der Wirklichkeit sichtbar, die göttliche, bessere zweite Hälfte der Wirklichkeit, die in Christus aufscheint.
Deswegen bekommt der Soldat Martin einen Traum, in dem Christus spricht: „Was du dem Bettler getan hast, das hast du mir getan!“
Das ist die gleiche Aussage wir im Evangelium heute, deswegen ist dieser Traum „wahr“!

Rund und schön wird unser Leben also doch, wenn wir nicht über das Unsichtbare lachen, sondern lebensernst nehmen, was wir mit drei Augen zu sehen beginnen.
Christus im Bruder, Christus in der Schwester.
Denn dann beginnen wir zu teilen, und je mehr wir uns selbst mitteilen, desto vollständiger , runder und ganz wird unser Leben erst..
Paradox: Erst durchs Teilen bekommen wir alles, Welt, Leben, Zukunft, weil wir im Teilen Christus „ernten“.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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