34. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Christkönigssonntag

50-jähriges Jubiläum der Kirche Christus König

Schwäbisch Hall, 20. November 2011


Hinführung


Anlass für unsere festliche Versammlung ist eine runde Zahl: die 50! Kirche und Gemeinde sind runde 50 Jahre alt. Der heutige zweite Jubiläumstag beschließt das Jahr 2011. Und es ist ein besonderes Datum: 2011 – 2011. Wir schreiben heute als Datum zweimal die Jahrtausendzahl hintereinander. Es kommt aber auf den Punkt an, wo man ihn zwischen den Zahlen setzt. So kommt es zwischen den Zeiten, im Fluss der Zeit, zwischen Alpha und Omega, darauf an, dass wir unsere Beziehung zu Gott auf den Punkt bringen – in der konkreten Ortsgemeinde innerhalb der Kirche und durch die gelebte Glaubenspraxis, die unser Leben maßgeblich bestimmt. Unsere Gottesbeziehung ist also konkret oder sie ist nicht. Aber dass unsere Beziehung zu Gott uns zu Gott zieht, dafür gibt Er uns einen Zacken aus seiner Krone.


Kyrie-Rufe


Herr Jesus Christus, du König der Könige, deine Herrschaft besteht im Dienst der Liebe.
    Kyrie eleison.

Herr Jesus Christus, du König der Gerechtigkeit, wen du richtest, den richtest du auf.
    Christe eleison.

Herr Jesus Christus, du König der ganzen Schöpfung, du führst alles zur Vollendung.
    Kyrie eleison.


Lesung:        Röm 14,7-9.12
Evangelium:    Mt 6,19-24

Ansprache

„Hallo, Schatz, bleib doch da!“ Ich kann mir vorstellen, dass der Herr, der König, Jesus Christus, jede Frau, jeden Mann, jeden Jugendlichen und jedes Kind von uns damit meint. Ein König besitzt doch für gewöhnlich einen Schatz. Wo befindet sich dieser Schatz – wenn nicht im Haus des Königs, hier in der Kirche „Christus König“?!

Liebe Mitchristen, als Christen, als Angehörige Christi, bilden wir gemeinsam und je einzeln einen großen Schatz.
Wenn wir uns versammelt haben in seinem Namen, dann hat er, der König, uns doch gesammelt. Nehmen wir ihn beim Wort, wie wir von ihm gehört haben: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Wir vermögen die herzliche Liebe unseres Königs hier auf Erden zu spüren, vor allem im Gottesdienst seiner Gefolgschaft:
„O Herz des Königs aller Welt, des Herrschers in dem Himmelszelt, dich grüßt mein Herz in Freuden“ (GL 549,1). Diese herzliche Verbindung ist nicht zu unterschätzen; ja, diese „Rückbindung“ der Königskinder an ihren König ist unser größter „Reichtum“.

Eigentlich reich sind wir durch das Licht des Glaubens. Es öffnet unser Herz-Auge füreinander, so dass wir in die Lage versetzt werden, für den König zu sammeln. Das heißt, der König bezieht uns mit ein in seine Sammlung. Er sammelt mit uns und durch uns. Auf diese Art will der König seinen Schatz vergrößern.
Christen sollen „Licht“ und „Salz“ sein. Über die Bedeutung des Salzes brauche ich in der Salz-Siederstadt kein weiteres Wort zu verlieren, sie ist allen bekannt. Wie früher das „Weiße Gold“ den Reichtum der Stadt ausmachte, so können wir als Christen zur Würze und zur Helligkeit des Lebens beitragen, so können wir aus dem Gemeindeleben und aus der persönlichen Glaubenspraxis die Kraft schöpfen, die uns zum weißen Gold unseres Königs formt.

Das Christus-König-Mosaik leuchtet je nach Lichteinfall schön auf in Gold und Weiß der Mosaiksteinchen. Das ist ein Symbol: Jede und jeder von uns ist ein solcher Mosaikstein, unverwechselbar an seinem Platz, jede und jeder reflektiert das Licht, das sie und er empfängt.

Was uns die ästhetische Bildersprache nahelegt, wird entscheidend sein beim Kommen des Königs. Die beiden Alternativen sind uns deutlich vor Augen gestellt: „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ Wir müssen uns wirklich entscheiden zwischen den Dingen dieser Welt, die Motte und Wurm zerstören können bzw. die Diebstahl oder Raub ausgeliefert sein können und dem Schatz im Himmel.

Fast täglich dringen die Nachrichten auf uns ein: Der Euro ist zerbrechlich, Dürre und Flut und Erdbeben suchen ganze Länder heim. Andrängender Grund genug, uns für den König zu entscheiden, dem von Gott „alle Macht gegeben ist“ (vgl. Mt 28,18).

Das Kirchenschiff geht nicht unter, es wird nur geschüttelt, sozusagen wachgerüttelt. Aber wenn wir dann „aufgewacht“ sind, dann können wir uns neu konzentrieren auf den Herrn in unserer Mitte. Seit 50 Jahren steht diese Kirche als Symbol für den königlich gegenwärtigen Christus.

Seit dem Bau der Kirche hat der König hier seine Schätze gesammelt; viele von ihnen sind schon „oben“, also im Himmel. Durch diese Mitmenschen, mit denen wir unser Leben geteilt haben, sind auch wir in gewisser Weise „oben“ angekommen. Denn in deren Rechenschaft vor Gott ist unsere Biographie „dabei“, weil die Gemeinschaft des Glaubens unvergängliche Beziehungen schafft.

Im Hinblick auf diesen König sind wir zur Unvergänglichkeit erschaffen. Die Werbung für ihn, das Hören auf sein Wort und das Tun seines Willens ist nie umsonst, sondern für immer gültig.
Königliches Handeln besteht für uns Christen darin, dass wir mitsorgen, dass es allen Menschen gut geht. Das beginnt beim Nachbarn und endet beim letzten Menschen in Australien oder anderswo, im letzten Winkel dieser Erde. Schließlich haben wir erst neulich dort Urlaub gemacht.
Wenn wir dafür sorgen, dass dieser König in den Blick kommt, verlieren wir auch einander nicht aus den Augen. Wir werden nicht wie in einer Firma aussortiert und vergessen, sondern haben als Angehörige Christi Zukunft in ihm.

Als Königskinder haben wir auch ein sehendes Auge bekommen für die Not der ganzen Schöpfung, dass auch sie dazu berufen ist, die Würde der Gotteskindschaft zu erlangen. Der königliche Mensch wendet von Christus her sein Gesicht jedem Lebewesen zu, das da kreucht und fleucht, denn auch die Tiere und die Pflanzen sind die Gaben des einen Herrn.

„Hallo, Schatz, bleib doch da!“ bedeutet, dass wir im großen Miteinander das Evangelium Jesu Christi neu schätzen lernen und der Gemeinde vor Ort die Treue halten. Royalität und Loyalität gehören zusammen.

Oft können wir die Bemerkung hören: „Auch dieses Fest geht vorbei!“ Das ist schon richtig, zeitlich gesehen. Doch was ist „Zeit“? Bringen wir unsere Zeitlichkeit vor den Herrn, den König der Zeit, so sind wir gut „aufgehoben“ – heute, morgen, in weiteren 50 oder 100 und mehr Jahren bis hinein in das ewige Königreich Jesu Christi.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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