Predigt am Hochfest der Geburt des Herrn, Weihnachten 2009

Schwäbisch Hall, 25. Dezember 2009

 

Lesung: Jes 62,11-12

Evangelium: Lk 2,1-20

 

Erwählen – erleben – erzählen

Was wünscht sich die Bundesregierung zu Weihnachten? „Natürlich“ Frieden, innen und außen, und ein Ansteigen der Konjunktur – ein Wirtschaftswachstum. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet coniungere „in Verbindung sein“, in diesem Sinn über die Geschäftsbeziehungen, also über den Kreislauf des Geldes.

Auch die Engel haben an Weihnachten Hochkonjunktur. Die Vorbereitungen aufs Weihnachtsfest liefen auf Hochtouren – über die Engel.

 

Schauen wir zuerst auf die Erwählte: Maria, die Mutter des Herrn. Der Engel brachte ihr die Botschaft „bei Tag“, denn sie war hellwach. Sie hörte mit dem Herzen, erwog alles in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

Auch Josef, ihr Bräutigam dachte nach, aber über etwas anderes: Er beabsichtigte, sie heimlich zu entlassen wegen ungewollter Schwangerschaft. Deswegen schickte Gott ihm den Engel in der Nacht, wenn der Verstand vom Denken ausruht und das Herz hören kann: „Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist!“ (Mt 1,20).

Der Engel des Herrn brachte Josef die Botschaft, und damit waren die Eltern Jesu verbunden durch den Engel des Herrn und die Botschaft des Höchsten.

 

An diesem Weihnachtsmorgen haben wir gehört: Die Engel des Herrn brachten den Hirten die Botschaft. Jetzt ist der Auftrag der Engel ausgeweitet auf alle Menschen: Friede auf Erden bei den Menschen seiner Gnade! Damit ist das Erdenrund freigegeben für die gute Nachricht des Evangeliums.

Durch die Sendung der Engel sind jetzt auch die Hirten erwählt, auf ihre Weise Frohbotschafter zu sein. Der lebendige Gott hat die Hirten durch die Ansprache der Engel in Anspruch genommen, Mitarbeiter an seinem Reich zu werden.

 

Schon vom Alten Testament her kennen wir die Art und Weise der Engel, die Menschen im Auftrag Gottes für seine Botschaft „anzutippen“. Es wäre verhängnisvoll, das Antippen durch einen Engel „wegzuklicken“. Es hätte kein Weihnachten gegeben.

 

Aber – Gott sei Dank – haben die Erwählten gehört: viele vorher, dann Maria, dann Josef und schließlich die Hirten. Sie konnten sich an der Krippe überzeugen, was geschehen war: Maria und Josef und das Kind sind da – für uns heute und immer!

Die Hirten durften erleben: Gott macht die Verheißungen wahr, die er durch die Engel ausrichten ließ.

Die Hirten kehrten nach Hause zurück und erzählten weiter, was sie gehört und gesehen und erlebt hatten.

 

Liebe Mitchristen! Auch für uns stehen die Engel des Herrn bereit und es ist tatsächlich wieder Weihnachten geworden. Als Adressaten der Weihnachtsbotschaft stehen wir auf der gleichen Ebene wie die Hirten. Mit dem Schauen auf das Kind in der Krippe sind auch wir erwählt, die Menschwerdung Gottes zu begreifen, indem wir den Weihnachtsfestkreis mitfeiern.

Ich wünsche Ihnen, das Angetippt-Sein durch einen Engel zu spüren und zu erleben; manchmal sind es sogar Engel ohne Flügel, die ans Menschsein erinnern und auf Gott aufmerksam machen.

Als weihnachtlich Angehauchte, Berührte und Betroffene dürfen wir dann unsererseits auch nicht schweigen von der Botschaft, dass es attraktiv ist, Mensch zu sein, da Gott selbst es vorgezogen hat, selbst Mensch zu werden, um die Menschheit heimzusuchen, heimfinden zu lassen und am letzten Tag heimzuholen. Das Kind in der Krippe übernimmt die Bürgschaft für die Erlösung der Menschheit.

 

Notwendig ist, dass auch wir dazu beitragen und davon erzählen. Selbst wenn wir bei auftretenden Schwierigkeiten den Einwand hören sollten: „Wo ist er nun, dein Engel?“

Weihnachten könnte es eigentlich das ganze Jahr werden, wenn wir für die ungewollt Schwangeren sorgen, dass sie alles erhalten, um ihr Kind auf die Welt zu bringen. Von Gott her sind alle Kinder geliebt. Schwangerschaft ist deshalb immer ein Zeichen Gottes, dass er das Kind ins Leben gerufen hat. Für diese Überzeugung braucht es das „Antippen“ durch einen Engel, ob am Tag oder in der Nacht – und dann bitte nicht wegklicken. Sondern: Wollen Sie das Kind annehmen, dann klicken Sie bitte hier! Dann geht’s weiter bei den Links zu den Hilfen der Menschwerdung. Grundlage unserer Hilfe ist die Botschaft: Gott hilft, Gott rettet, Gott erlöst. Der Name Jesu ist für uns Programm!

 

Das Weihnachtsfest ist für jeden von uns neu die Entscheidung dafür, uns neu verbinden zu lassen über die Nachricht der Engel – von ganz oben – und über das Schreien der Säuglinge – von ganz unten.

Liebe Mitchristen! Das ist die eigentliche weihnachtliche Verbindung, unsere „Konjunktur“ durch große Engel und kleine Kinder.

 

Und die Hirten? Ach ja, sitzen sie nicht hier in der Kirche? Oder sind es zur Hälfte Engel in den Bänken hier? Erwählt sein, erlebt haben und erzählen können, das macht Weihnachten.

Ich wünsche mir viele Engel und Kinder Gottes!

 

 

Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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