Predigt am Hochfest der Geburt des Herrn, Weihnachten

Michelfeld, 25. Dezember 2011


Begrüßung

Weihnachten hat mit den Worten zu tun, die wir uns gegenseitig schenken.
Aus dem Alltag kennen wir die Erfahrung:
bestimmte Worte provozieren und verursachen Streit und Unfrieden
bestimmte Worte stiften Frieden und Versöhnung.
Unsere Wort-Wahl bestimmt das Weihnachtsfest.
Worte sind sehr wichtige Geschenke; sie sind wie Licht in der Nacht.
Deshalb sind wir zu diesem Gottesdienst zusammengekommen, um füreinander gute Weihnachtsworte zu entdecken.
Denn das eigentliche Weihnachtswort ist das Wort Gottes selbst, das Mensch geworden ist.


Gebet

Gott,
dein Wort bringt Licht und Freude in die Welt.
Es macht das Leben reich,
es stiftet Frieden und Versöhnung.
Gib, dass wir es nicht achtlos überhören.
Mach uns aufnahmebereit.
Du kommst zu uns mit deinem Wort –
deinem offenen und guten,
deinem fordernden und heilenden Wort.
Gib, dass wir dir heute nicht ausweichen,
dass wir uns öffnen
und dein Wort annehmen:
Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.


Ansprache


Manchmal hören wir die Bemerkung: „Alles hat ein Ende.“ Logisch richtig hat damit auch alles einen Anfang. Es gibt erste und letzte Worte. Bei Gott fallen das erste und das letzte Wort in eins. Es ist die Einheit zur „Aufmachung“ der Welt. Aufgemacht und erschaffen hat Gott die Welt durch den Christus, sein Wort überhaupt – von allem Anfang an. Bis zu seiner Wiederkunft haben wir die Wort-Wahl. Aus vielen Wörtern das eine gute Wort zu finden: das gute Wort der Rettung, das gute Wort der Erlösung, das gute Wort der Heilung.

Je nach Situation ist es gar nicht so leicht, füreinander solcherlei Worte zu finden. Deshalb ist uns das Weihnachtsevangelium geschenkt mit dem wunderbaren Ausblick der „Gnade über Gnade“. Dies bedeutet ganz praktisch: „Geschenk über Geschenk“. Gnadenvoll wird das Fest durch gnädige Worte von Jesus her, dem Geschenk Gottes überhaupt.

Weihnachten bedeutet: Gott selbst hat sich uns geschenkt in den Worten Jesu von Nazaret, geboren zu Betlehem. Hören wir auf ihn, gehören wir ihm. Er ist das gute Wort Gottes überhaupt und von allem Anfang an.
Diesen „Ursprung jeder Wortwahl“ bekennen wir als Retter.
Diesen „Ursprung jeder Wortwahl“ bekennen wir als Erlöser.
Diesen „Ursprung jeder Wortwahl“ bekennen wir als Heiland.

Zum ersten: Peinliche Situationen kennt doch jeder, oder? Haben wir aber einen Menschen zur Hand, der zum Beispiel durch guten Humor eine Situation zu entschärfen vermag, dann schätzen wir dieses Vermögen. Woher hat er denn plötzlich diese Worte gefunden, welche die Situation für mich gerettet haben? Ist es Gnade?
Zum zweiten: Manchmal brauchen wir des Rätsels Lösung. Haben wir aber einen Menschen zur Hand, der zum Beispiel ein helfendes oder klärendes Wort sagt, dann schätzen wir dies. Woher hat er dieses Wort? Ist es Gnade?
Drittens: Wer ist nicht schon durch Worte verletzt worden? Haben wir aber einen Menschen zur Hand, der tröstende und weiterführende Worte geben kann, dann schätzen wir ihn. Ein tröstendes gutes Wort ist wie ein Pflaster, das hilft, Wunden zu heilen. Ist es Gnade?

Von nichts kommt nichts, also dürfen wir religiös gesehen Gottes Gnade vermuten. Der lebendige Gott hat sich in Jesus Christus für uns Menschen ausgesprochen. Seine Befürwortung des Menschen erkennen wir in seinem Sohn als Retter, Erlöser und Heiland. Wenn wir also die Wahl der Worte haben, können wir uns doch besinnen und von diesem Ursprung jeder Wort-Wahl her – Worte suchen! Von seinem Wort beschenkt, können wir füreinander rettende, lösende und heilsame Worte finden.
Das ist die so genannte Macht der Kinder Gottes. Wir können beim Weihnachtsfest füreinander phantasievolle Gäste sein mit rettenden, lösenden und heilsamen Worten. Das sind Weihnachtsgeschenke, die so schnell nicht vergessen werden.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall


Fürbitten zum Weihnachtsgottesdienst

25. Dezember 2011

Kirche St. Maria, Michelfeld


Pfarrer Enderle
Gott, guter Vater im Himmel, du hast deinen geliebten Sohn gesandt, damit wir mit dir verbunden leben können. Wir bitten dich:


Lektor/in
„Im Anfang war das Wort“: Am Anfang jeder guten Beziehung steht ein gutes Wort. Hilf uns in der kommenden Weihnachtszeit, einander gute Worte zu schenken.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

„Das Licht leuchtet in der Finsternis“: Schenke den Menschen Licht in dunkle Gedanken und erleuchte durch dein Licht die Dunkelheit in den Herzen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

„Die Welt erkannte ihn nicht“: Gib, dass wir trotz der Ablenkungen der Geschäftemacherei das eigentliche Geschenk erkennen, dass du selbst Mensch geworden bist.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

„Die Seinen nahmen ihn nicht auf“: Gib, dass wir andere Menschen annehmen und aufnehmen, weil du selbst in den Fremden unser Bruder geworden bist.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

„Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“: Schenke uns allen das Selbstbewusstsein, dass wir als Kinder Gottes dazu berufen sind, gut zueinander zu sein und liebevoll miteinander umzugehen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“: Schenke uns die Einsicht, dass unser Leib zur Wohnung Gottes geworden ist.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

„Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade“: Mach uns nicht nur an Weihnachten, sondern für unser ganzes Leben empfänglich für die vielen Geschenke, die wir von anderen Menschen und von dir empfangen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Pfarrer Enderle
Gott, guter Vater im Himmel, wir danken dir für das Geschenk der Heiligen Weihnacht, die wir weltweit feiern. Wir danken dir für die Geburt deines Sohnes durch Maria, heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

 

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