Dialogpredigt zum Patrozinium Peter und Paul

mit Frau Kathrin Berger von der Feuerwehr der Gemeinde Rosengarten

Sonntag, 24. Juni 2012

Rosengarten-Westheim, St. Peter und Paul


Lesung:        2 Tim 4,6-8.17-18

Evangelium:    Mt 16,13-19


Rettungsbereitschaft

„Der Herr wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen!“, sagt der Apostel Paulus als schlüssige Konsequenz seiner Glaubensüberzeugung. Nichts anderes hat er den Völkern des Mittelmeerraumes verkündet. Schließlich war die Rettung jedes Menschen das Ziel seines immensen Glaubenseinsatzes.
Das ist die vorrangige Aufgabe der Kirche geblieben: uns Menschen in das Reich Gottes hineinzuretten.
Dazu hat der Herr selbst der Kirche eine felsenfeste Ausstattung mitgegeben: „Du bist Petrus – der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen!“

Wir können also mit großer Gewissheit „felsenfest“ glauben, dass jeder Mensch bzw. die ganze Menschheit gerettet ist durch den Christus, vielmehr gerettet wird durch den Rettungseinsatz der Christen. Jesus Christus gibt uns Anteil an seinem Lebenswerk, die Menschen den zerstörerischen Mächten zu entreißen. Im Einflussbereich Christi, also in seiner Nähe, gelingt es uns Christen, das Lebensbedrohliche abzuwählen und entschieden die Menschen aus den Gefahren zu retten, das sind theologisch gesehen, alle gefährlichen Umstände, die uns vom Weg Gottes abbringen wollen.
Dazu ist die „Rettungsbereitschaft“ aller Christen gefordert; der Retter der Welt beruft auch die Gemeinde St. Peter und Paul zur Teilnahme an seinem Lebenswerk.

Pfr. Enderle: Apropos: Frau Berger, Sie wurden nicht zufällig heute Nacht zum Einsatz gerufen?

Frau Berger: Nein, Gott sei Dank!

Pfr. Enderle: Wie sind Sie zur Feuerwehr gekommen?

Frau Berger: Mein Vater war bei der Feuerwehr, die Jugendfeuerwehr wurde in meiner Heimatgemeinde gegründet, als ich 14 Jahre alt war und zuerst hieß es, es dürften nur Jungen zur Feuerwehr. Als dann klar war, dass auch Mädchen mitmachen dürfen, bin ich zum Dienst gegangen. Mir hat es gut gefallen, gute Kameradschaft, tolle Aktionen und so bin ich dann dabei geblieben und mit 18 zur Aktiven Wehr übergetreten.

Pfr. Enderle: Also, Ihr Vater hat Ihnen die Begeisterung geschenkt für die Gemeinschaft und Sie angesteckt. Damit sind Sie beständig weiter hineingewachsen in den Aufgabenbereich und Sie haben sich nicht abschrecken lassen von Schwierigkeiten.
Welche Motivation prägt seither Ihren Einsatz?

Frau Berger: Stolz zu sein nach einem Einsatz, dass man das geschafft hat, auch mal über sich selber hinauszuwachsen und Sachen zu machen, welche man sich sonst nicht zu traut; anderen Mitmenschen zu helfen und auch in Extremsituationen beizustehen. Gute Kameradschaft und Aktionen auch außerhalb der Einsätze.

Pfr. Enderle: Was Sie gerade geschildert haben, gibt Ihnen stets neue Kraft für die vielen Mühseligkeiten, die Sie in Kauf nehmen müssen.
Was bedeutet „Bereitschaft“ für eine Feuerwehrfrau?

Frau Berger: Ich muss rund um die Uhr damit rechnen, dass ich über den Funkmelder alarmiert werde, dann sollte ich mich unverzüglich auf den Weg in die Feuerwache machen. Im Geschäft ist es einfach, da ich seit 1. April mein Büro in der Feuerwehr in Schwäbisch Hall habe, vorher musste man schauen, ob es vom Geschäft her möglich ist zu gehen. Zu Hause ist es inzwischen auch einfacher, da die Kinder größer sind und auch mal allein bleiben können. Vorher wurden die Kinder mitgenommen und in der Wache geschaut, ob jemand für die Kinder da ist und ich dann doch ausrücken kann. Manchmal müssen Familienpläne ausfallen oder verschoben werden, wenn ein Einsatz ist.

Pfr. Enderle: Die Feuerwehr rückt als Mannschaft aus und soll effektiv und schnell sein. Wie ernst ist der „Gehorsam“ bei der Feuerwehr?

Frau Berger: Gehorsam ist in der Feuerwehr sehr wichtig, da das eigene Leben und auch das Leben anderer davon abhängen kann. Der Einsatzleiter bzw. Gruppenführer gibt den Einsatzbefehl und dann weiß jeder, was zu tun ist. Allerdings muss man auch auf sich selbst hören und dem Gruppenführer sagen, wenn aufgrund körperlicher oder sonstiger Einschränkungen ein Einsatzbefehl nicht ausgeführt werden kann. Es hilft keinem, wenn man sich selbst überschätzt.

Pfr. Enderle: Das finde ich sehr zutreffend, wie Sie’s gesagt haben: situationsgerecht und augenblicklich handeln und abwägen zwischen Befehl „von außen“ und sozusagen „Befehl von innen“.

Sie haben jetzt eine besondere Kleidung an, wie vergleichsweise ich mit dem Messgewand auch. Der Anzug gibt Signale.
Welche Bedeutung hat für Sie die Uniform?

Frau Berger: Die Ausgehuniform zeigt die Dazugehörigkeit. Man ist stolz bei der Feuerwehr dabei zu sein und diese repräsentieren zu dürfen. Die Einsatzuniform ist ein Schutz, dass man sich selbst im Einsatz nicht verletzt.

Pfr. Enderle: Wenn ein Mensch mit oder ohne Verletzung gerettet wird und seinen Angehörigen zurückgegeben werden kann, ist das doch der größte Lohn. Und Sie spüren auch, dass Gott Ihnen geholfen hat. Das ist immer der Fall, d.h. das spüren wir dann besonders, wenn wir uns für Mitmenschen einsetzen.

Also, das gefällt mir sehr gut, was Sie über die Feuerwehr gesagt haben; ich schlage nur vor, dass alle, die ihr Christsein erneuern möchten, ein zweimonatiges Praktikum bei der Feuerwehr absolvieren, denn vieles gilt im übertragenen Sinn für die Gemeinde und Kirche. Nach dem Credo-Lied werden wir das in den Fürbitten ansprechen.



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

Fürbitten


Pfr. Enderle: Gott, unser Vater, du hast uns diesen schönen Festtag geschenkt. Wir sind gekommen, um miteinander zu feiern. Du bist mitten unter uns gegenwärtig und schenkst uns deine menschgewordene Liebe in Jesus Christus. Durch ihn bitten wir dich:

Lektor/in: Der Apostel Petrus hat den Schlüssel in die Hand bekommen. Gib, dass wir als Kirche und Gemeinde füreinander die Gegenwart deines Reiches verkünden und erschließen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Lektor/in: Der Apostel Paulus hat das Schwert in der Hand. Gib, dass wir als Kirche und Gemeinde allezeit richtig zu unterscheiden vermögen, was uns fördert und fordert im Glauben, so dass wir über uns selbst hinauswachsen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Lektor/in: Die Feuerwehrleute haben das Funkgerät in der Hand. Gib, dass wir auch als Christen stets in großer Wachsamkeit und in großer Rettungsbereitschaft auf deinen oft überraschenden Anruf hören und uns sofort auf den Weg machen, um das zu tun, was wir als deinen Willen erkannt haben.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Lektor/in: Die Feuerwehrleute haben den Spreizer, die Rettungsschere, in der Hand, um eingeklemmte Menschen zu befreien. Gib, dass wir allezeit in dienender Liebe füreinander da sind, um Menschen aus Sackgassen zu befreien.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Lektor/in:
Die Feuerwehrleute haben eine Uniform an. Gib, dass auch wir als Christen erkennbar sind.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Lektor/in: Die Feuerwehrleute haben den Schlauch und das Strahlrohr in der Hand, um Brände zu löschen. Gib, dass auch wir durch unser Verhalten erhitzte Gemüter beruhigen und Streit zu schlichten vermögen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Lektor/in: Feuerwehrleute und Christen sind mit deinen wunderbaren Gaben ausgestattet. Gib, dass wir unsere Begabungen für Kirche und Gemeinde erkennen und so den Menschen auf dem Weg ins Reich Gottes vorangehen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Pfr. Enderle: Gott, unser Vater, du bist groß, gut und gerecht. Deine Liebe ist unermesslich. Gib, dass die Wasser des Lebens allezeit für uns reichlich fließen und uns Rettung bringen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

zurück