Predigt am 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 8. Juli 2012


Lesung:        2 Kor 12,7-10

Ansprache

Liebe Mitchristen,

für gewöhnlich möchten wir doch stark sein und mit unseren Stärken angeben. Wer angibt, hat schließlich mehr vom Leben.
Wer allerdings ständig auf Stärken baut, überfordert sich natürlich.
Vom Herrgott her ist das gar nicht so vorgesehen. Denn da er den Menschen erschaffen hat, hat er wohl das „Betriebsrisiko“ mitbedacht, also vorgesehen, dass das „Menschlein“ Fehler macht.
Wer arbeitet, macht Fehler.
Wer viel arbeitet, macht viele Fehler.
Wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler.
Wer nichts arbeitet, macht keine Fehler.

Wir können es uns aber gar nicht leisten, keine Fehler zu machen, denn wir müssen arbeiten. Das gilt auch für den sogenannten privaten Bereich. Wer keine Fehler machen will, traut sich selbst und anderen nichts zu; der wagt und riskiert nichts, um ja keine Fehler zu machen. Und das ist vermutlich der größte Fehler.

Wir besitzen eben Stärken und Schwächen, und unsere Schwächen machen uns auch sympathisch; wir können also durchaus zu unseren Schwächen stehen und Fehler eingestehen, denn es gibt das Wort „Entschuldigung“ und die Ausrede „Das nächste Mal wird’s besser!“

Der Apostel Paulus geht ähnlich vor, ja er rühmt sich sogar seiner Schwachheit. Natürlich besaß er auch berühmte Stärken, sonst wäre es nicht der Völkermissionar geworden und ihm würde nicht 2000 Jahre später ein ganzes Jahr gewidmet werden.

Er spricht zwar von „einzigartigen Offenbarungen“ und diese dienten ihm als spirituelle Basis, auf die er sich berufen konnte, aber die Offenbarungen würden ihm nichts nützen, wenn er sich nichts trauen würde. So kommt er zum Schluss, dass er sich ganz und gar wagen und riskieren kann, auch in und mit aller Schwachheit, denn für die Sache des Reiches Gottes kann sogar eine große Schwachheit überaus fruchtbar werden. Denn wenn wir uns z.B. mit einer Stärke produzieren, bei welcher Gelegenheit auch immer, neigen wir oft zu der Annahme, die Kraft zur Stärke läge in uns selbst. Stattdessen ist es vielmehr so, dass es bei einer Eigenschaft der Stärke auch „nur“ das Vertrauen in die Kraft ist, die uns gegeben ist! Also liegt unser Augenmerk darauf, mit unseren Stärken zu arbeiten und mit unseren Schwächen zu haushalten, denn in beiden kommt die Kraft nicht aus uns selbst.

Der Apostel Paulus will uns ermutigen, in allem auf die Kraft Christi zu setzen, und in allem darauf zu vertrauen. Frohgemut können wir also unsere Eigenschaften und Fähigkeiten in seinen Dienst stellen.

Auf dreifache Weise dient die heutige Lesung als Frohbotschaft.
Unsere Schwächen können auf Christus hin transparent werden.
Vielleicht ist eine Schwäche gottgewollt, damit der Kontrast zur Kraft Christi umso deutlicher wird.
Gott, dem alles möglich ist, kann aus Schwächen eine Stärke machen; ja Gottes wandelnde Kraft vermag sogar aus unserer größten Schwäche unsere größte Stärke zu machen.
Vor diesem Hintergrund sind wir eingeladen zur Nachfolge. Wenn wir dabei alle unsere Fähigkeiten in den Dienst Christi gestellt haben, dann werden wir über die Grenze geführt, was wir vorher uns nicht zugetraut hätten. Im Dienst für das Reich Gottes werden wir erst recht provoziert und herausgerufen, das „Mehr“ zu entdecken: meine Stärke und mehr; meine Schwäche und mehr!

Die Kraft Christi ist dieses Mehr, damit dürfen wir ruhig angeben, damit durch uns die Mitmenschen auf Christus aufmerksam werden. Das ist jetzt vom Herrgott so vorgesehen.


Pfarrer Karl Enderle

 

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