Predigt am 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 15. Juli 2012

Familiengottesdienst in St. Markus, Schwäbisch Hall


Lesung:        Ez 17,22-24

Evangelium:    Mk 6,30-34


Liebe Kinder,

Ihr habt damals in Eurem Gottesdienst Weizenkörner in die Erde gesteckt.
Mittlerweile haben sie gekeimt und sind gewachsen, schön grün im Sonnenlicht.
Ihr habt sie gegossen und die Wärme des Sommers hat ein Übriges getan.

Auch ich habe vor drei Monaten so etwas Ähnliches getan… Ich habe Zweiglein von einer Weide abgeschnitten und in die Erde gesteckt. Mittlerweile haben sie schön ausgetrieben: Wurzeln nach unten und neue Zweiglein nach oben.

Eine Försterin sagte mir: „Bäume sind für mich wie Blumen, nur dass ich sie nicht pflücken kann.“

Liebe Mitchristen, in der Lesung haben wir gehört, dass Gott das sehr wohl kann. Aber Gott „gebärdet sich“ sehr menschlich. Er nimmt ein kleines, schwaches Zweiglein, wie wir es auch tun können, von den untersten Ästen, und pflanzt es in die Erde, damit daraus ein starker, kraftvoller Baum wird, der vielen Vögeln als Nistplatz diente und ihnen Nahrung bietet.

Liebe Mitchristen, schon ein paar Mal haben Vögel (Hausrotschwanz) versucht, hier in der Kirche ein Nest zu bauen, vielleicht als Zeichen dafür: „Ich bin getauft und Gott geweiht“ (GL 635). Pflanzen (und Tiere!) sollen sich Gott weihen! Ist nicht auch unsere Gemeinde für unsere Kinder ein wunderbarer Nistplatz?

Liebe Kinder, Ihr habt die Pflanzen regelmäßig gegossen. Wir können gießen – Gott lässt wachsen. Gott will, dass wir gießen, er lässt wachsen. Tun wir es! Das Wasser des Glaubens empfangen wir in der regelmäßigen Versammlung der Gemeinde in Jesu Namen.

Liebe Gemeinde, damit Menschen „wachsen“ können, brauchen auch sie „Wärme“. Das ist das vertraute Angenommensein. „Gemeinde, das sind Leute, die ich kenne!“, sagte jemand. Nur in einer vertrauten Umgebung vermag sich das Schwache zu kräftigen. Glaube ist wie ein kleines Pflänzlein, schwach und stark zugleich. Kinder brauchen, um stark zu werden im Glauben, wie auch im menschlichen Bereich, die wiederholbare Vertrautheit.

Jetzt fehlt noch das Licht. Heute Morgen ging die Sommer-Sonne wunderbar auf. „Gottes Liebe ist wie die Sonne…“

Bei den Pflanzen und Bäumen spielt das Licht für die Blätter eine wichtige Rolle, von morgens bis abends an jedem Tag.

So ist es auch bei uns. Wir brauchen täglich das Licht von Gottes Wort, damit es in uns wirkt wie das Sonnenlicht im Blatt.
Nur ein gotteswortgefüllter Tag bewirkt auch ein gotteswortgefülltes Leben!

Wasser, Wärme und Licht lassen Pflanzen gedeihen; Jesus will, dass Menschen sich Gott weihen.
Wohlan denn, wir können es wagen! Jesus, der gute Hirte, hat Mitleid mit uns, er ist bei uns. Er lehrt uns, aber er lädt uns auch ein, auszuruhen. Ich glaube auch, er kennt für uns den gesunden und wohltuenden Wechsel von Aufmerksamkeit und Ruhe. So lasst uns auch mit Jesus in die Ferien gehen!


Pfarrer Karl Enderle

 

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