Predigt am Hochfest der Erscheinung des Herrn, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 6. Januar 2012


Erste Lesung:    Jes 60,1-6
Zweite Lesung:    Eph 3,2-3a.5-6
Evangelium:    Mt 2,1-12


„Es ist nicht alles Gold, was glänzt!“ Aber den schönsten Glanz hat das Gold noch immer. Einer Schatztruhe ohne Gold fehlt etwas Entscheidendes. Schon der Prophet Jesaja kann sich die Schätze der Völker ohne das Gold nicht vorstellen. Gold und Weihrauch gehören für ihn zusammen.
Zur Ausstattung des Tempels in Jerusalem gehörte das Gold und seine gottesdienstlichen Geräte aus purem Gold. Aber auch die Inkas in Peru in Südamerika verwendeten für ihre Darstellungen Gold über Gold. Die Spanier hatten nach der Eroberung Südamerikas diese Schätze für die Ausstattung der Kirchen in Europa genommen. Vielleicht ist dieses Edelmetall neben den Diamanten das Ökumenischste aller Metalle. Es wird von allen Menschen als wertvoll betrachtet und auch die Finanzleute schätzen es als „stille Reserve“. Und nicht zu vergessen: Ein Goldkind müsste man sein.

Heute schauen wir in die Krippe auf das Kind mit ganz und gar ohne Gold. Der Evangelist Matthäus lässt die drei Sterndeuter aus dem Osten, alias die Heiligen Drei Könige, ihr Gold vor diesem Kind niederlegen. Was empfangen sie dafür?
Nehmen wir einmal an, was sie an Wertvollem an der Krippe niederlegen, bekommen sie mit einem überaus großen Gegenwert zurück. So heißt es in einem alten Sternsingerlied:

„Wir fielen in Andacht zur Erde und lobten das Kindlein gar hold,
und jeder von uns der bescherte ihm Weihrauch und Myrrhen und Gold.
Wir wollten es mehr noch belohnen und gaben ihm all unser Glück,
- da schrieb es ein Kreuz in die Kronen und gab sie uns lächelnd zurück.

Und nach diesen seligen Tagen, da zogen wir froh in die Welt,
den Menschen das Wunder zu sagen, das jetzt unsre Erde erhellt:
Der Heiland ist allen geboren und brachte uns ewiges Heil;
wer immer verirrt und verloren, dem wird seine Liebe zuteil.“

Liebe Mitchristen, der Dreikönigstag stellt uns vor die Wahl: Gold oder Liebe.
Wodurch werden wir im Leben wirklich glücklich? Was ist überhaupt Glück?
Glücklicherweise wurde Gott Mensch, damit wir einen neuen Mittelpunkt haben. Die Erde als Mittelpunkt des Kosmos ist astronomisch gesehen schon längst überholt. Ausgelacht wird jeder, der dies immer noch behauptet. Aber mit dem Kind in der Krippe auf der Erde hat das Universum seinen neuen Mittelpunkt bekommen.

Wenn man vom Urknall redet, dann geht die Physik auch von einem Ausgangspunkt aus, aus dem heraus sich alles ausgedehnt hat. Das heißt, wir brauchen einen gedanklichen Ausgangspunkt für die Entstehung des Kosmos. Die Perspektive des Glaubens nimmt für den eigenen Kosmos und die eigene Existenz dieses Kind als Ausgangspunkt für Geben und Nehmen. Es leuchtet ein, wer da gibt und nimmt, wer da mehr gibt und wer da mehr nimmt. Und so haben wir den Reichtum des Glaubenshorizontes, der wertvoller ist als Gold.

Der eigentliche Glanz, der bleibt, liegt in dieser Perspektive und damit auf den Augen des Glaubens, durch die wir dieses Kind erkennen als den Herrn der Welt. Gesättigt durch diese Erkenntnis, konnten die Sterndeuter, die Weisen aus dem Morgenland, wieder heimkehren – und zwar so, wie ihnen im Traum geboten wurde, für uns zum Zeugnis.

Unsere persönliche Zukunft geht von diesem Kind aus, in die Krone des Lebens ist das Kreuz eingeschrieben. Wenn wir uns von Kindern anschauen lassen, dann lassen sich viele Kreuze leichter tragen. Dass die Kinder Zukunft haben, dafür lässt Gott die Zeit nicht stehen, die Zeit mit ihren vielen Durchkreuzungen. Kommt uns auch vieles kreuz und quer, eines bleibt gewiss: Das göttliche Kind lächelt uns an und wird später sagen: „Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen“ (Lk 6,21b). Das Lachen eines Kindes ist die Krone der Schöpfung. Jeder, der dafür mitsorgt, bekommt Anteil an der Zukunft von Christus König.

Ein Kind kann nur lachen, mit frischem Wasser, sauberer Luft, genügend Nahrung, einem Dach über dem Kopf, ausreichend Bildungsmöglichkeiten und liebevoller Zuwendung. Ein Kind wird nur lachen können, wenn es eine Erde erleben kann mit Pflanzen und Tieren, die nicht täglich weniger werden. Zum Lebensprogramm der Kinder auf Zukunft hin, gehört die standortgerechte Artenvielfalt an Flora und Fauna.
Die Mitsorge für die uns anvertraute Schöpfung schimmert symbolisch auf in den Goldfäden zwischen den Haselnusszweigen unserer Krippe. Sie bedeuten: Ochs und Esel, Kamele und Dromedare, Schafe, Hunde und andere Tiere sind nicht umsonst auch an der Krippe.
Vom göttlichen Kind aus alles in den Blick zu nehmen, macht das Gold des Glaubens und den unverlierbaren Glanz des heutigen Festtages aus. Ich denke, wir haben gewählt: das Gold der Liebe des göttlichen Kindes.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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