Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 22. Januar 2006


Evangelium:    Mk 1,14-20

Spontan bereit zur Wandlung


„Das war schon immer so, das war noch nie anders, da könnt ja jeder kommen!“
Dieser Spruch belegt nicht nur die Trägheit der Masse, sondern den Umstand, wie sehr der Mensch in eingefahrenen Gleisen denkt und gerne „darauf abfährt“, dass er sich nicht umstellen muss. Wir stellen nicht gern die Weichen für grundsätzlich Neues, schon gar nicht für uns selbst, wenn es darum geht, uns selbst um 180° zu drehen.

Ein zweiter Spruch gesellt sich dazu: Menschen und Tiere haben vieles gemeinsam (positiv!); gleichzeitig soll der Mensch ja nicht zum Tier werden (negativ!).
Wieso heißt es dann: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier?! Das meint eingefahrene Verhaltensmuster, auf die der Mensch immer wieder „reinfällt“.

Diese Zustände nun müssen wir ebenso damals voraussetzen, als Jesus auftrat mit der Botschaft vom Reich Gottes.
Haben die Menschen - wie ein trockener Schwamm das Wasser – diese Botschaft aufgesogen?! Wir vermuten eher das Gegenteil, denn: Umdenken – das ist mit das Schwierigste von allem!
Wer sich jedoch um 180° gedreht hat, der erscheint wie verwandelt. Dies deutet sich an bei Simon und Andreas auf dem See und bei Jakobus und Johannes im Boot. Auf einmal ist ihnen nichts wichtiger als Jesus. Aber genau dies ist die Voraussetzung für die Nachfolge Jesu.

Ausgehend von diesem Ereignis, der Berufung der ersten Jünger, dürfen wir uns eine Kettenreaktion vorstellen. Das Wort Jesu ergreift die Angesprochenen: „Kommt her, folgt mir nach!“ Jesus hat mit diesen Menschen etwas vor! „Ich werde euch zu Menschenfischern machen!“ Wer also den Schritt zur Nachfolge Jesu wagt, der ist ein „gemachter Mann“, ein von Jesus „zum Reich Gottes gemachter Mann“. Denn durch die Jünger soll ja die Sache des Reiches Gottes weitergehen.
Je mehr sie sich an Jesus orientieren, desto mehr können sie für das Reich Gottes bewirken. Desto mehr sind sie selbst Gewandelte und bewirken durch ihren Einsatz die Wandlung für das Reich Gottes.

Apropos „Kettenreaktion“: Sie kennen sicher den „Domino-Day“. Wenn alle Steine richtig umfallen und alle vorgesehenen Effekte erzielen, ist der Rekord erreicht. Es ist ein großartiges Gemeinschaftswerk. Es kommt auf jeden Einzelnen an, dass er mit größter Sorgfalt seine Domino-Steine aufgestellt hat.

Es ist nun ein Kinderspiel, sich vorzustellen, den Film rückwärts laufen zu lassen. Dann haben wir ein Bild für die Auswirkung von Jesu Wort, von seinem Ruf in die Nachfolge. Der Stein fällt nicht um, sondern steht auf. Und einer bewirkt das beim anderen – durch das Wort Jesu! Der verschlafen liegende, umgefallene Mensch „wird vom Wort Jesu aufgestanden“ für das Reich Gottes. Und jeder fürs Reich Gottes aufgestandene Mensch ergänzt je für sich und für die anderen das Gemeinschaftsprojekt „Reich Gottes“.

Weil Gott vollkommene Gemeinschaft ist, möchte er am Schluss durch dich, durch einen jeden von uns ein vollkommenes Werk dastehen haben: Das Reich Gottes breitet sich unaufhörlich aus und niemand vermag es aufzuhalten! Und ich bin dabei, mit meinem Talent, mit meinen Fähigkeiten, mit meiner unverwechselbaren Berufung, mit meinem Aufstand fürs Reich Gottes.

Dabei sein und mitmachen, das ist die Einladung Jesu. Nur kommt jetzt noch etwas Schwieriges hinzu; das ist, wie gesagt, der eigentliche Schwierigkeitsgrad: die Verwandlung, die Drehung um 180°!
Die Fischer verließen ihre Netze und was lassen Sie los? Sie müssen ihre Hände aufmachen, das Bisherige und vielleicht Liebgewonnene loslassen, damit sie grundsätzlich Neues empfangen können!
Es lohnt sich! Soll Jesus ankommen, brauchen wir unsere Hände und unseren Kopf für ihn.
Schließlich hat Jesus etwas mit Ihnen, mit uns vor! Er will uns zu Menschenfischern machen – jeden auf die bestmögliche Weise!

Deswegen muss sich auch jeder fragen, was es genau ist, was Jesus von dir will. Das muss jeder persönlich herausfinden. Ein Tipp: Fragen Sie Jesus. Er gibt Antwort. Das war noch nie so möglich wie jetzt!
Bringen Sie Jesus Ihre Bereitschaft, sich verwandeln zu lassen. Seien Sie offen für Ihn, den Sohn Gottes, dann wird er Ihre Empfänglichkeit ausstatten mit seinem Auftrag für ihn, seiner Sendung für ihn und mit einem unvergänglichen Platz im Reich Gottes, des Vaters.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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