Predigt am Gründonnerstag, Kirche Christus König

Schwäbisch Hall, 5. April 2012


Einführung

Der heutige Abend, heute ist Gründonnerstag bzw. „Hoher Donnerstag“, spannt den Bogen bis in die Osternacht. Heute beginnt das Neue, das sich in der Osternacht vollendet. Die Feier der drei heiligen Tage eröffnet uns das Geheimnis des Glaubens. Wir bekommen Zugang zum Werk der Erlösung durch Jesus Christus und haben im Glauben Anteil daran.


Erste Lesung:    Es 12,1-8.11-14
Zweite Lesung:    1 Kor 11,23-26
Evangelium:    Joh 13,1-15

Wirksame Übereinstimmung


Wie bei einem Baum die Wurzel der Krone entspricht und die Krone die Ausformung der Verwurzelung des Baumes darstellt, so gibt es eine Entsprechung des Fußes zum Kopf beim Menschen.
Wenn uns die Worte bei der Feier der Eucharistie einleuchten, dann bewegen wir unsere Füße zum Empfang der Kommunion.

Damit ist eine entscheidende Voraussetzung genannt: die mentale Übereinstimmung zum Geschehen. Das Hören von Gottes Wort macht uns aufmerksam auf die wirksame Gegenwart Gottes. Gott bewirkt seine Gegenwärtigkeit in der verbindlichen Versammlung der Gemeinde: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
Mit unseren Füßen bewegen wir uns zur Versammlung der Gemeinde vor Ort. Das ist ein ganz wichtiger Schritt.

Der nächste Schritt ist der des Hörens. Das Gehörte trägt Gottes Gegenwart in mich hinein. Das Angesprochene kann aber auch die Gegenwärtigkeit Gottes in mir provozieren, also herausfordern und herausrufen.
Gott und Mensch entsprechen sich in der Gegenwärtigkeit. Geistesgegenwärtig befinden wir uns vor Gottes Angesicht. Deswegen sind die ersten zwei Schritte unsererseits – die Versammlung vor Ort und das Hören von Gottes Wort – die zunehmende Zustimmung für die bleibende Übereinstimmung, dass Jesus Christus im Brot des Lebens bei der Feier der Eucharistie voll und ganz gegenwärtig wird.

Wenn also Jesus selbst die Wort bei der Wandlung spricht: „dies Brot – mein Leib!“, dann bewirken seine Worte eine vollgültige Übereinstimmung, ebenso bei seinem Wort: „dieser Wein – mein Blut!“ Jesu Wort hält das, was es verspricht!

Wenn wir zurückblenden und uns an das Buch Genesis erinnern, dann steht doch da, dass durch Gottes Wort alles ins Leben gerufen wurde. Jesus Christus ist das Wort, durch das alles geworden ist, wie es das Johannes-Evangelium bezeugt (vgl. Joh 1,3). In der Feier der Eucharistie spricht Jesus selbst das Wort, durch das alles neu wird. „Dies Brot – mein Leib!“, bedeutet also, dass Jesus seine Leibhaftigkeit vollgültig in dieses Brot legt. Wenn wir dieses Brot essen, dann nehmen wir Jesu Leibhaftigkeit in uns auf. Bei diesem dritten und endgültigen Schritt der Kommunion mit Gott entsteht eine vollständige Übereinstimmung. Der Geber, Jesus Christus selbst, schenkt sich selbst, das ist die Gabe der Eucharistie, dem gläubigen Christen.

Von unserer Seite ist also der entscheidende Beitrag, dass wir an die reale und wirkliche und vollständige Gegenwart Jesu Christi mit Leib und Blut glauben. Dann ist auch von unserer Seite die Übereinstimmung gegeben.

Um diese Bemühung geht es bei der Vorbereitung auf die Erstkommunion und bei jedem weiteren Kommunizieren. Der göttliche Geber und die göttliche Gabe und der im Glauben an diese Göttlichkeit empfangende Mensch können zur Übereinstimmung kommen: vollständige, real wirkliche und ganze göttliche Gegenwärtigkeit in der Heiligen Kommunion – für alle!

Arbeiten wir miteinander und lernen wir voneinander als christliche Gemeinde, damit wir in möglichst hohem Maße der Auffassung unseres Herrn Jesus Christus entsprechen.
Feiern wir zustimmend und übereinstimmend miteinander die Gegenwart der dienenden Liebe unseres Herrn!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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