Predigt zur Osternacht, Kirche Christus König

Schwäbisch Hall,7. April 2012


Wenn etwas schnell beseitigt werden soll, wird es verbrannt. Irgendwelche Beweismittel verschwinden durchs Verbrennen relativ rasch.
Das Feuer verzehrt und verglüht – letztlich alles. Das Feuer ist wie ein Zeitraffer für schnelle Umwandlung und sprechendes Symbol für die Vergänglichkeit alles Irdischen.
Eine Spurensuche „mitten im Feuer“ ist nicht möglich; eine nachträgliche Spurensuche in der Asche des Vergangenen bleibt übrig und ist letztlich auch nicht mehr möglich.

Ähnlich ist es beim Urelement Wasser.
Es kann alles zum Verschwinden bringen, so dass nichts mehr übrig bleibt.
Gott aber ist der Herr über alles: über Feuer und Wasser! Alles hat er erschaffen, alles ist ihm dienstbar. Deshalb reflektiert der Psalm 77 die Rettung Israels auf folgende Weise:
„Gott, dein Weg ist heilig.
Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott?
Du allein bist der Gott, der Wunder tut,
du hast deine Macht den Völkern kundgetan.
Durch das Meer ging dein Weg,
dein Pfad durch gewaltige Wasser,
doch niemand sah deine Spuren.
Du führtest dein Volk wie eine Herde
durch die Hand von Mose und Aaron“ (PS 77,14-15.20-21).

Deswegen haben wir im Exsultet gesungen: „Dies ist die Nacht, die unsere Väter, die Söhne Israels, aus Ägypten befreit und auf trockenem Pfad durch die Fluten des Roten Meeres geführt hat.“

Dreimal setzt das Exsultet an: „Dies ist die Nacht …“ – und erzählt jeweils, welche Bedeutung diese Nacht hat. Beim vierten Mal heißt es dann: „Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg.“
Mehr noch als bei Feuer und Wasser hat Christus die gewaltigen Elemente der Todesverfallenheit beseitigt und den Weg zu Gott freigemacht.

Christus! Durch das Meer der Tränen ging dein Weg, dein Pfad durch gewaltige Todesverfallenheit, doch niemand sah deine Spuren in der Nacht der Auferstehung.

Das Volk des ersten Bundes wurde geführt durch Mose und Aaron; noch heute gibt es das Volk Gottes des ersten Bundes: die Juden. Um auf dem heiligen Weg Gottes zu bleiben, werden sie ermahnt durch das Buch Baruch: „Kehr um, Jakob, ergreife die Weisheit. Geh deinen Weg im Glanz ihres Lichtes!“ (vgl. Bar 4,2 – Sechste Lesung der Osternacht).

Das Volk des neuen und ewigen Bundes wird angeführt durch den Christus. Die Christenheit gibt es 2012 Jahre nach Christus. Wir Christen werden durch das heilige Osterfest ermahnt, Christus, die Weisheit Gottes, zu ergreifen, Christus, der von den Toten erstand, der den Menschen erstahlt im österlichen Licht.

Dieses Licht schenkt das eigentliche Sehen. Die Spuren Gottes werden durch den Auferstandenen für uns erkennbar. Denn sie zeichnen sich im Menschen ab, der durch die Taufe in inniger Verbindung mit ihm lebt.
Was Jesus in dieser Nacht bewirkt hat, hat eine kosmische Bedeutung: „O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet“ (aus dem Exsultet).
Der auf diese Weise versöhnte und mit Gott durch Christus verbundene Mensch kann nicht mehr untergehen.

Auch wenn man alle Beweismittel und Spuren vernichtet, so bleibt der mit Gott verbundene Mensch durch Feuer und Wasser hindurch am Leben, weil er mit der Weisheit Gottes selbst eins und einig geworden ist. Das ist Christus, der Auferstandene, der Anfang und das Ende, der strahlende Morgenstern!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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