Predigt am Dritten Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B, mit Erstkommunion

Schwäbisch Hall, 22. April 2012


Lesung:        Apg 2,42-47
Evangelium:    Lk 24,13-35
 

Liebe Eltern,

wie weit ist es bis nach Emmaus?
Das Lukas-Evangelium gibt als Entfernung 60 Stadien an. Umgerechnet auf das heutige Wegmaß sind dies umgerechnet etwa 11 km. Als Fußweg ist das heutzutage relativ weit, mit dem Auto fahren wir die Strecke ungefähr in 10 Minuten. Aber es kommt eigentlich darauf an, ob wir uns auf dem Weg über Jesus unterhalten.

Wer sich mit Jesus von Nazaret beschäftigt und über ihn redet, der gelangt irgendwann bis zu der Frage: Wer ist dieser Jesus von Nazaret wirklich? Ist er der Gesalbte Gottes, der geliebte Sohn des ewigen Vaters, der gekommen ist, um die Liebe und das Leben Gottes persönlich mitzuteilen und zu offenbaren – auch durch schweres Leid hindurch, wie es Jesus widerfahren ist?

Liebe Kinder, liebe Eltern, liebe Mitchristen, von der Wahrheit über Jesus kann sich jeder von uns überzeugen, wenn wir nur miteinander auf dem Weg bleiben und das Gespräch über das, was sich damals in Jerusalem ereignet hat, nicht abreißen lassen.
Ich bin sicher, unsere Kirche Christus König wird dann zu unserem „Emmaus“.

Liebe Kinder, viele eure Eltern nehmen euch im Auto mit, egal, ob zum Einkaufen, in den Urlaub oder in eine fremde Stadt. Die meisten von euch machen in 10 Jahren selbst den Führerschein.
Viele Autofahrer haben inzwischen ein „Navi“ einbauen lassen. Es ist doch faszinierend, wie dieses kleine Ding „den Weg weiß“. Die Eltern haben das Ziel eingegeben. Unterwegs schauen wir auf den Monitor und hören die Stimme. Eine bestimmte Straße und eine bestimmte Hausnummer bestimmen den Zielort. Diese konkreten Angaben braucht das Navi, damit wir dort ankommen können, wo wir wollen.


Liebe Mitchristen, unsere Kommunionkinder sind nicht zufällig hier. Sie wurden geführt durch die konkrete Ortsgemeinde Christus König. „Navis“ waren die Kommunionmütter und –väter und die in der Pastoral Verantwortlichen. Wir können füreinander die Stimme und das Vorbild sein für den Weg zu Jesus. Kinder müssen an uns sehen und hören können, wie man an Jesus glauben kann. Dann wird auch das „innere Navi“ bei den Kindern bestätigt. Denn es gibt in jedem Menschen eine Stimme von Gott her und auf Gott hin. Diese gilt es, hörbar zu machen. Das ist gleichsam das innere Navigationsgerät, die Gewissheit der Begleitung durch Jesus.

Das Motto unserer Erstkommunion lautet: „Mit Jesus auf dem Weg“. Wie spüren unsere Kommunionkinder den göttlichen Weggefährten?
Es gilt, das Verborgene hörbar zu machen. Wir wissen, Kinder brauchen Ansprache, Nachfragen und Aussprache. Das direkte Ansprechen baut auf und bringt Klärung. Jesus macht das auch bei den Emmaus-Jüngern so. Er lockt die Worte zur Klärung durch Nachfragen aus ihnen heraus. Das ist auch Ihre Aufgabe als Eltern. Wenn Kinder selbst in die Aussprache bringen können, was sie religiös erlebt haben, dann können wir gemeinsam an der „Gemeinschaft festhalten, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (vgl. Lesung). Im gemeinsamen Erzählen über das, was wir von Jesus begriffen haben, ergänzen wir uns und kommen wir miteinander weiter – in der Familie, in der Gemeinde und in der Weltkirche. So erreichen wir im großen Miteinander die Einladung zur Kommunion, zur Gemeinschaft mit Jesus. Er hat uns eingeladen, denn er will sich uns zeigen beim Brechen des Brotes, bei der Feier der Eucharistie, beim Empfang der Heiligen Kommunion. Jesus wünscht sich von uns, dass wir seiner Einladung folgen.

Liebe Eltern, Sie sind eingeladen, der „kleine Navigator“ zu sein für den „großen Navigator“. Der Evangelist Lukas berichtet: „Jesus tat, als wolle er weitergehen.“ Damit will er sagen, dass es auch uns über die Lippen kommen soll: „Herr, bleibe bei uns!“ Nur dann kehrt Jesus bei uns ein und gibt sich zu erkennen. Mit dieser Bitte an den Herrn haben Sie Ihren Kindern das Geschenk gemacht, Jesus zu erkennen im Brechen des Brotes.

Heute, liebe Kommunionkinder, seid ihr dieser Einladung gefolgt und zum ersten Mal am Tisch Gottes versammelt. Ihr bekommt den heiligen Leib Jesu Christi gereicht, das Sakrament des ewigen Lebens. Im Hochgebet der heiligen Messe spricht Jesus selbst sein erhabenes Wort und „macht“ aus dem Brot der Erde das Brot des Himmels.

Liebe Kommunionkinder, nach dem heutigen Festgottesdienst seid ihr immer wieder eingeladen, die heilige Kommunion zu empfangen. Wenn wir „Emmaus“ dauerhaft einprogrammieren auf unserem inneren Navi, dann kann jeder selbst den zunächst unbekannten Weggefährten als Herrn des Lebens erkennen und sich selbst überzeugen, dass Jesus der Christus ist.


Pfarrer Karl Enderle

 

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