Hochfest Christi Himmelfahrt, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 17. Mai 2012


Kyrie-Rufe
Herr Jesus Christus, aufgenommen in den Himmel und für uns da.
Herr Jesus Christus, sitzend zur Rechten Gottes und für uns da.
Herr Jesus Christus, verkündet in der Kirche und für uns da.


Lesung:
        Apg 1,1-11
Evangelium:    Mk 16,15-20

Erinnerung auf Zukunft hin


Jesus Christus wurde weggenommen und aufgenommen, um wiederzukommen. Das ist das Geheimnis des Glaubens, das wir heute feiern.

Liebe Mitchristen!

Normalerweise stehen wir gern auf festem Boden. Wir lieben den eigenen Standpunkt und brauchen ihn auch für die je eigene persönliche Perspektive, zum Beispiel, wenn ich sage: Ich sehe die Dinge so und so! Wie sehen Sie das? Diese Worte haben umso mehr Gewicht, wenn ich mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen stehe und am besten zugleich „mitten im Leben“!

Physikalisch gesehen ist die Voraussetzung für das Stehen auf der Erde die Erdanziehungskraft, sonst wären wir heute Nacht alle davongeschwebt. „Plötzlich standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen.“ Damit sind die Engel gemeint, die das Geschehen bei der „Himmelfahrt Jesu“ vermitteln und deuten. Die Engel Gottes, die nicht an die Erdenschwere gebunden sind, „stehen“ den Jüngern bei, damit deren Standpunkt gefestigt wird. Dadurch sollen sie und wir mit großem Vertrauen dem glauben, was ihnen verkündet wird. Es ist vermutlich ganz wichtig, dass die Engel „dazwischentreten“ und „einschreiten“. Dadurch können sie sich erinnern auf Zukunft hin.

Jesus Christus selbst ist die Erdenschwere los und „wird zum Vater heimgegangen“. In diese „Lücke“ treten nun vorübergehend die beiden „Engelmänner“. Sie vermitteln den Jüngern eine neue Perspektive, damit sie nicht nur nach oben schauen, sondern voller Zuversicht vorausschauen und glauben: „Er wird ebenso einst wiederkommen!“

Jetzt erst, nachdem er ihnen weggenommen ist, werden die Jünger sich umso mehr an seine Worte erinnern, die er zu ihnen gesagt hatte, und diese seine Worte werden sie weitersagen und verkünden gemäß dem Evangelium: „Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“
In seinen Worten ist nunmehr der Auferstandene präsent und er will dies in der Zwischenzeit zwischen „Weggang“ und „Wiederkunft“ auch ganz und gar sein. Jesus Christus wird voll und ganz gegenwärtig in seinem Wort.
Dieser Macht sollen die Apostel und Jünger vertrauen. Die Präsenz Christi in seinem Wort „macht“ die Welt evangeliumsgemäß oder wenn Sie so wollen: evangelisch.

Das Wort Christi ist nunmehr Dreh- und Angelpunkt für diese Zwischenzeit geworden – bis der Herr „ebenso“ wiederkommt. „Ebenso“ meint in diesem Zusammenhang, dass wir die bisherige Erfahrung mit Jesus als Anknüpfungspunkte nehmen dürfen, um unsere Sehnsucht nach seiner Wiederkunft daran festzumachen. Das meint, alle Voraussetzungen sind gegeben, um ihn wieder zu erwarten. Dass die Wiederkunft Christi alle unsere Erwartungen bei weitem übertreffen wird, liegt in der Natur der Sache.

Damit die Worte Christi in uns bleiben und Wurzeln schlagen und bleiben, bedarf es allerdings noch der Tränkung durch den Heiligen Geist. Er wird uns an alles erinnern, was Jesus gesagt und gemeint hat. Der Heilige Geist wird uns in der Untrüglichkeit der Wahrheit der Worte Christi bewahren. Das meinst dieselbe „Infallibilis“, mit der der Papst in Rom ausgestattet ist, wenn es um das Bleiben in der Wahrheit über Jesus, den Christus, geht.
Da der Heilige Geist nun gleichsam „von oben“ kommt und vom Vater und vom Sohne ausgeht, ist uns als Pendant zur „Erdanziehungskraft“ auch die „Anziehungskraft des Himmels“ gegeben. Das ist die attraktive Existenz, Christ zu sein.

Liebe Mitchristen! Unsere je persönlichen Erfahrungen mit Jesus Christus und unseren persönlichen Schatz des Glaubens können wir frohen Herzens verbinden mit den vorausschauenden Erwartungen, wie Gott der Vater durch seinen geliebten Sohn die Zukunft herbeiführen wird. Für diese frohe Erwartung können wir eintreten und einschreiten und einander beistehen – als Engel mit ohne Flügel.


Pfarrer Karl Enderle

 

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