Predigt am Siebenten Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 20. Mai 2012

Kommunikation in Liebe, Freude und Heiligkeit

bewirkt das entscheidende Plus.


Der neu gewählte und wiedergewählte Bundespräsident Horst Köhler wird in seinem verantwortungsvollen Amt versuchen, den Menschen auf bestmögliche Weise gerecht zu werden. Gerechtigkeit macht das Leben in unserer Gesellschaft lebenswert. Notfalls dienen Gesetze diesem hohen Gut.

Was man aber nicht gesetzlich verordnen kann, sind Liebe, Freude und Heiligkeit. Sie stammen aus einer anderen Quelle „auf einer anderen Ebene“.

Was ist Liebe?
Liebe ist Lebensmitteilung. Gott hat aus Liebe die Welt erschaffen in ihrer ganzen Wunderbarkeit.
Das Wunderbarste auf der ganzen Welt ist der Mensch, ausgestattet mit Liebe, Freude und Heiligkeit.
Diese drei Werte bieten und enthalten das Optimum an Lebensqualität. Der Mensch kann sie verwirklichen und vermehren, allerdings nur in Verbundenheit mit dem unerschöpflichen Quell, das ist Christus, der Gesalbte Gottes, denn „in ihm wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes“ (Kol 2,9) und er ist gekommen, damit wir „das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10).

Beginnen wir mit der Liebe.
Manche meinen, Liebe mache blind, oder Liebe sei die höchste Verschmelzung usw.
Definieren wir doch die „Grammatik der Liebe“!
Der Liebende liebt die Geliebte. Oder: Die Liebende liebt den Geliebten.
Die Liebe selbst ist unsichtbar, sie verbindet aber beide – zur höchsten Form an Kommunikation, beide bleiben allerdings je verschieden. In der Ehe bleibt der Mann Mann und die Frau Frau, aber sie erfahren sich durch den Austausch der Liebe in gesteigerter Identität.
Der Liebende wird durch die Liebe umso mehr ein Liebender und die Geliebte wird durch die Liebe umso mehr eine Geliebte.
Die Liebende wird durch die Liebe umso mehr eine Liebende und der Geliebte wird durch die Liebe umso mehr ein Geliebter.

Genauso ist es mit der Freude.
So wie Jesus sie meint, denke ich, ist es die Freude, dass das Leben gesiegt hat. Die Freude ist unvergänglich und gründet letztlich auch im Staunen an der Vielfalt des Lebens. Es gibt so viele Menschen und jedes Menschkind hat ein eigenes unverwechselbares Gesicht.
Jesus schenkt uns seine Freude. Diese Freude soll in uns sein.
Die Kommunikation der Freude zwischen Jesus und uns steigert sich ins Bleibende des ewigen Lebens.

Was ist Heiligkeit?
Schauen wir auf die Heiligen. Die Heiligen hätten abgrundtief böse sein können, aber sie waren es nicht. Heiligkeit ist eine bewusste Wendung zum Guten. Heiligmäßiges Leben bedeutet, Gutes zu tun, ohne zu zählen oder zu rechnen. Jesus will, dass wir an der Heiligkeit Gottes teilhaben, an seinem überreichen Gutsein.

Nach dem erwähnten Modell von Liebe und Freude ist vermutlich die Heiligkeit die höchste Form, unsere Identität als Geschöpf vor Gott zu steigern.

Die Kommunikation in Heiligkeit erhebt den Menschen in eine gesteigerte Gottesbeziehung, ohne dass er sein Wesen als Geschöpf verliert. Und Gott will sich dadurch umso mehr als Gott erweisen.

Diese drei Werte machen deutlich, dass wir in der Gottesbeziehung eine sinnvolle Distanz zur Welt bekommen, welche den Unterschied macht, der den Unterschied macht.

Wenn weltliche Gesetze der Rechnung und den Zahlen nach Gerechtigkeit herstellen wollen, so sind doch Liebe, Freude und Heiligkeit das entscheidende Plus im Miteinander der Menschen. Jeder Christ ist dafür Werbeträger.

Wenn wir bisher im Minus gelebt oder also rote Zahlen geschrieben haben, sind wir herzlich eingeladen, in das bleibende Plus zu kommen.
Gott plus Mensch; Mensch plus Gott.
Dafür gibt es nur einen Namen: Jesus!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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