Predigt am Dreifaltigkeitssonntag, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 3. Juni 2012


Lesung:        Röm 8,14-17
Evangelium:    Mt 28,16-20


„Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder.“
Liebe Mitchristen! Wenn wir uns das so vorstellen, dann haben die Jünger dabei mit ihren Handflächen die Erde berührt. Bei einer richtigen Niederwerfung berührt dann aber auch die Stirn den Boden.
Es leuchtet ein, dass diese Geste der Ehrfurcht allein Gott zukommt. Gegenüber der Größe Gottes ist das die allein angemessene Haltung.

In der Mitte von Kopf und Hand befindet sich das Herz. Dieses ist dadurch, durch Kopf und Hand, ganz in Anspruch genommen. Denn diese Geste der Niederwerfung ist ein sehr eindringlicher Ausdruck. Sie ist der Ausdruck eines Eindrucks durch Aufdruck mit Nachdruck. Von Jesus beeindruckt, bekommen die Jünger ein neues Verhältnis zu der ihnen anvertrauten Erde, die sie berühren.

Ich denke mir, diejenigen, die gezweifelt haben, sind nicht zu Boden gefallen.
Deswegen geht Jesus auf sie zu und wendet sich an sie, gleichsam als Grundsatzrede: „Alle Macht im Himmel und auf der Erde ist mir gegeben! Darum geht zu allen Völkern!“ Ihm, dem vormals Gekreuzigten, ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Demjenigen, der am Kreuz die Erlösungstat vollbrachte für das Heil der ganzen Welt und zur Erlösung eines jeden Menschen, ihm ist göttliche Machtfülle gegeben. Im Schauen auf Jesus können wir erkennen, dass die Allmächtigkeit Gottes gepaart ist mit vollkommener Erlöserliebe.

Sehr sinnfällig kommt diese ins Bild bei der Fußwaschung vor dem Letzten Abendmahl. Der Evangelist Johannes macht aber davor eine Anmerkung: „Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte“ (Joh 13,3). Jesus war also nicht bewusstlos, sondern er hat bewusst gehandelt und das Erlösungswerk vollbracht.

Das Bewusstsein Jesu ist hier das Bindeglied zum Vater. Alles geschah in dieser Übereinstimmung. Der geliebte Sohn vollzieht den Willen des geliebten Vaters. Vater und Sohn sind in Liebe verbunden. Diese Liebe ist zur Brücke in unsre Welt geworden. Die Liebe als überfließende Lebensmitteilung Gottes kam an Pfingsten auf die Menschen verschiedener Nationen überreich herab, nachdem der Herr Jesus in den Himmel zur rechten Seite Gottes erhoben worden war.
Die Verbindung ist geblieben. Es ist nunmehr der Heilige Geist, der in unser Herz ausgegossen wurde, der Geist, in dem auch wir rufen: „Abba, Vater!“ (Röm 8,15).
Vom Herzen aus dringt die Kraft der Erkenntnis in die Hände und steigt in den Kopf. Als die Jünger sich wieder aufgerichtet hatten, war ihnen der Glaube ins Gesicht geschrieben. Die Erkenntnis Jesu Christi, unseres Herrn, übertrifft alles, formuliert der Apostel Paulus (vgl. Phil 3,8).
Darum können sie gehen und die Menschen zu seinen Jüngern machen. Kein Problem, denn der Herr ist bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt! Haben wir noch Zweifel?

Gott hat im Sohn mit den Fußsohlen die Erde berührt und die Erlösung der Menschheit in die Hand genommen. Unsere Erlösung trägt die Handschrift Jesu Christi. Die Frohe Botschaft hat er in die Hände seiner Jünger gelegt. Wovon das Herz voll ist, davon schreibt die Hand. Durch die Handschrift der Jünger hat auch uns die Mission erreicht. Jede Messfeier ist eine kleine Aussendungsfeier. Kopf, Herz und Hand gehen beim Geschriebenen in eins. Dieses Eine ist der Eindruck von Jesus Christus. Mit unserer Handschrift, liebe Mitchristen, bringen wir zum Ausdruck, was uns bewegt. Es ist der Herr! Er soll die Gemeinde prägen, wie ein Siegel auf Kopf, Herz und Hände. Die Salbung von oben soll die Gemeinde stärken auf ihrem Weg auch durch Leid und auf Durststrecken hin zur Herrlichkeit, die den Kindern Gottes verheißen ist.
Der Eindruck von Jesus und unser handgreiflicher Ausdruck macht uns Christen zur lebendigen Handschrift Gottes.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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