Predigt zum 10. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 10. Juni 2012


Erste Lesung:    Gen 3,9-15
Zweite Lesung:    2 Kor 4,13 – 5,1
Evangelium:    Mk 3,20-25


Liebe Familie!

Wenn es im Sommer Gewitter gibt, dann erhalten wir Blitz und Donner gratis dazu. Deswegen haben wir auf unsere Gebäude Blitzableiter installiert.
Interessant ist, wie die erste Lesung aus dem Buch Genesis ebenfalls einen „Blitzableiter“ herausstellt.

Adam muss Gott gegenüber Rede und Antwort stehen. Adam sagt: Eva war’s!
Eva antwortet: Die Schlange war’s!
In dieser Linie bekommt die Schlange das Fett ab und dient als „Blitzableiter“: „Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens.“ Der „Blitz Gottes“ trifft die Schlange, sie dient als „Erdung“.

Doch die Sache hat einen Haken. Ausgeglichen ist das Konto damit noch lange nicht. Jetzt ist erst recht die Spannung aufgebaut: Die Schlange trifft den Menschen an der Ferse; sein Standpunkt und seine Schritte sind gefährdet. Wir schützen uns davor und gehen nicht barfuß. Trotzdem wird es auch den Menschen immer wieder gelingen, die Schlange abzuwehren und sie am Kopf zu treffen. Aus diesem Dilemma konnte nur ein neuer Mensch heraushelfen, der ganz und gar von Gott stammt.

Damit sind wir beim neuen Adam, sprich bei Jesus Christus. Von ihm hörten wir in der zweiten Lesung, dass er nach seinem Tod am Kreuz von den Toten auferweckt wurde.
Deshalb haben sich die Verhältnisse geändert und er konnte die Schlange rehabilitieren. Im Matthäus-Evangelium hören wir von ihm: „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ (Mt 10,16). Diesen Rat gab er den Jüngern mit auf den Weg. Dieser Hinweis ist darin begründet, dass Jesus selbst zum „Blitzableiter Gottes“ geworden ist. Der Apostel Paulus will nichts wissen „außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten“ (1 Kor 2,2). Und er nennt die Konsequenzen für uns: „Von ihm her seid ihr in Jesus Christus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung“ (1 Kor 1,30). Es ist also nicht mehr notwenig, irgendwelche Sündenböcke zu erfinden oder zu gebrauchen, denn der Blick auf den Gekreuzigten „entspannt“ die Situation.

Familiäre Spannungsfelder können gelöst werden, wenn nur der gekreuzigte Heiland in die Mitte gerückt wird. Dann stellt sich die Frage, wie sie Jesus im Evangelium formuliert: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.“

Das Pfingstfest ist ja gekommen, und deshalb gibt es keine Fußangel mehr, Jesus nachzufolgen. „Der Geist ist es, der lebendig macht“ (Joh 6,63) und „die vielen Sprachen im Bekenntnis des einen Glaubens eint“ (vgl. Präfation von Pfingsten).
Kennzeichen und Frucht des Heiligen Geistes ist die Einigkeit. Wo Menschen sich einig werden, da ist Gottes Geist am Werk. Gott lässt nicht zu, dass sein Haus geplündert wird. Der Satan, das Böse ist gefesselt, denn Gott ist der Allmächtige! Wer etwas anderes behauptet, befindet sich außerhalb von Haus und Reich Gottes. Denn der Sohn Gottes ist gekommen, um uns von der Macht des Bösen zu befreien, und uns in das wunderbare Reich seines Lichtes zu versetzen (vgl. 1 Petr 2,9; Präfation für die Sonntage im Jahreskreis I). Damit eröffnet sich auch die Vision aus der zweiten Lesung: Gott wird uns von allem befreit, als Auferweckte zusammen mit Jesus vor sein Angesicht stellen.

Nunmehr können alle, die zu Jesus gehören und die um ihn herum bleiben, den Willen Gottes „aus der Mitte des Herzens und getrieben durch Gottes Geist“1 tun. Der Antrieb für unser Tun und Lassen kommt aus einem christushörenden Herzen. Die durch ihn überreich gewordene Gnade überwindet die Macht der Sünde. Die Gnade ist größer als die Macht der Sünde. Wir können also auf die Gnade setzen. Wir können ein gnadenreiches Leben führen, die Nähe zu Jesus ist dafür entscheidend. Je mehr das gegeben ist, desto weniger werden andere „Blitzableiter“ gesucht. Deshalb sollten wir wieder neu Jesus in die Mitte rücken, ihn als „Blitzableiter“ erkennen und „verrückt“ sein!


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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