Predigt zum 11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 17. Juni 2012


Lesung:        Ez 17,22-24
Evangelium:    Mk 4,26-34

Doppelter Einsatz


„Wie geht das?“ So können wir nur fragen, nachdem etwas schon gegangen ist.
Wie ist die Welt entstanden? Obwohl wir nicht wirklich wissen, wie, war sie zuerst da, und jetzt können wir danach fragen, wie sie entstanden ist.
Wir legen uns die Dinge zurecht, indem wir uns bekannte Größen kombinieren. Dabei kommt es auf die gedankliche Nachvollziehbarkeit an und den Erweis in der Praxis. Was gedanklich geht, sollte auch in der Praxis funktionieren. Was theoretisch einleuchtet, kommt auch praktisch ans Tageslicht. „Kopf“ und „Hand“ ergänzen einander. Der Mensch ist groß und kann viel.

Zudem kommt es darauf an, dass wir die Dinge zu unseren Gunsten beeinflussen möchten. Nehmen wir das tägliche Wetter – und schon erkennen wir unsere Ohnmacht. Es gibt zum Beispiel die „Hagelflieger“, die mit dem Ausstreuen von Silberjodid versuchen, die Gewitterwolken zu „entspannen“. Dabei müssen sie achtgeben, dass sie dem Thermik-Sog einer Gewitterfront nicht zu nahe kommen. Der Mensch ist klein, er ist ausgeliefert, angewiesen. Das Stichwort „Klima-Wandel“ tut ein Übriges.
Tatsächlich sind wir Menschen groß und klein zugleich, und das in schöner regelmäßiger Abwechslung.

Was ist nun das Beständige dabei? Gibt es eine wirksame und dauerhafte Kontinuität, die dem entgegenwirkt, dass alles in sich zusammenfällt? Gibt es ein bleibendes Ziel, auf das wir gemeinsam zusteuern?
Es ist uns in der Vision des Reiches Gottes gegeben! Jesus hat es uns im Evangelium vor Augen geführt – in zwei anschaulichen Bildern, die aus seiner Beobachtung der Natur hergeleitet sind. Diese Anschaulichkeit ist auch uns möglich. Schauen wir auf eine Naturwiese mit ihren vielfältigen Blüten und Gräsern. Da ist alles von selbst gewachsen, der „Gärtner“ Gott hat alles wunderbar gemacht. Dass es so schön gewachsen ist, verdanken wir der Kraft, mit der Gott alles ausgestattet hat.

Bei all dem, was auch technisch täglich „funktioniert“, wissen die wenigsten, wie das geht, aber „es geht“! Das Auto fährt, das Flugzeug fliegt, der Strom kommt aus der Steckdose, das Wasser aus der Zuleitung und – Hauptsache – die Live-Übertragung der Fußball-EM klappt. Die Kommentatoren erklären alles nachher den Fernseh-Jüngern „allein“ zu Hause, warum alles so gelaufen ist, wie es gelaufen ist, und warum eventuell einer vom Spielfeld „gegangen“ wurde.

Wenn wir als Jünger Christi jetzt sozusagen mit ihm allein sind, bleibt uns Jesus auch die Erklärung nicht schuldig. Die Vision vom Reich Gottes bedeutet zum Beispiel, dass es allen Menschen auf dem Erdkreis gut geht. Nehmen wir das Haller Tagblatt vom 14. Juni 2012: „Wie werden neun Milliarden Menschen satt?
Eine Universallösung gibt es nicht, doch der Druck zu handeln steigt.“
Die Vision vom Reich Gottes heißt dazu: Gott will, dass alle Menschen genug zu essen haben, dazu täglich frisches Wasser. „Der Wassermangel muss lokal gelöst werden“, sagt ein Haller Wasser-Experte und koordiniert ehrenamtlich Wasserprojekte in Afrika.
„Bis zu zwei Drittel der Ertragssteigerungen bei Pflanzen beruhen auf Züchtung“, sagt ein Haller Saatgut-Experte und weist darauf hin, dass die Agrarforschung ein sehr wichtiger Weg sei, die Welt satter zu machen.
Die Arbeit dieser zwei Experten, als Beispiel genommen, illustriert, dass die Arbeit fürs Reich Gottes ganz groß herauskommen kann. Das kleine Detail wird zu einer großen Sache zum Wohlergehen „der Vielen“.

Für uns selbst stellt sich also vielmehr die Frage: Wie geht das, dass wir zu Mitarbeitern am Reich Gottes werden? Indem wir uns immer wieder „mit Jesus allein“ treffen. Aus dem kleinen damaligen Treffen ist ein großes weltweites Netzwerk entstanden, die Kirche insgesamt, die aufgrund der Vision vom Reich Gottes noch viel mehr als bisher kooperieren sollte mit allen Menschen guten Willens, damit unsere kleinen Kinder große Zukunft haben auf dieser Erde und es schon jetzt spüren.

Jesus hat nicht zufällig angemahnt: „Wer euch auch nur ein Glas Wasser zu trinken gibt,… er wird nicht um seinen Lohn kommen“ (Mk 9,41). Oder noch deutlicher: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder (und Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Diese Verantwortung greift umso intensiver, je mehr wir über die Medien bis in den hintersten Winkel der Erde Einblick bekommen. Die Welt wächst auch immer mehr zusammen, wir sind gemeinsam unterwegs in eine Richtung: ins Reich Gottes.

Sorgen wir als Christen für bessere Lebensbedingungen aller 9 Milliarden, auch wenn wir nicht wissen, wie. Tun wir das uns Mögliche und fangen an.


Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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