Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 5. August 2012



Brot von und zu den Himmeln


Evangelium: Joh 6,24-35



Kyrie-Rufe

Jesus Christus, du Brot der Ruhe.


Jesus Christus, du Brot der Liebe und des Friedens.


Jesus Christus, du Brot des Himmels.



Ansprache


Jesus hat die Leute zwar satt gemacht, diese aber haben es nicht begriffen. Deswegen gibt er eine Erklärung ab: „Müht euch ab für die Speise, die für das ewige Leben bleibt!“


Im Grunde fragen die Leute zurück: Wie geht das? Der Evangelist Johannes formuliert es so: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“

Hintergrund ist das Anliegen, es Gott recht machen zu wollen. Dieses Motiv bringt uns schon in die Spur der Seligkeit: Es Gott recht machen wollen heißt auch, mit Gott rechnen, auf Gott vertrauen und auf Gott sein Leben ausrichten.

Damit verbinden wir aber gleich die Frage: Was müssen wir dafür tun, um Gott zu gefallen, um in Gottes Wohlgefallen zu stehen?

Jetzt könnten wir schnell in einen religiösen Leistungsstress geraten, denn damit würden wir im Grunde nie fertig, aus eigener Kraft in Gottes Wohlgefallen zu stehen.


Des Rätsels Lösung ist unsere Vergewisserung: Es ist dafür bereits genug getan in Kreuz und Auferstehung Jesu:

Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30).

Gott hat das Werk getan (vgl. Ps 22,32). Dieser Glaube entlastet.


Was aber haben wir von diesem Glauben an Jesus Christus, wenn nicht eine Gabe Gottes, die uns als „Nahrung“ Anteil gibt am göttlichen Geber?

Brauchen wir Menschen nicht eine Sättigung, welche nur Gott selbst bewirken kann? Haben wir nicht einen unermesslichen Hunger nach Liebe und Anerkennung, nach Leben und Schönheit, nach Erbarmung und Zuwendung?


Die Dinge dieser Welt stillen uns nicht wirklich, sondern machen wieder hungrig. Es gibt viele Zeichen dieses Hungers. Von diesem Hunger sind viele Menschen umgetrieben trotz überquellender Regale in den Supermärkten. Und die Verpackung vergrößert diesen Hunger: nach reiner Sauberkeit, reiner Hygiene, reiner Bio-Nahrung, 100 % Verbraucherfreundlichkeit.

Mit dem Effekt: Wir kaufen immer mehr ein, als wir wirklich brauchen, und das immer wieder.

Gibt es nicht eine Pille gegen den Einkaufsrausch? Der Arzt kann keine Arznei dagegen verschreiben, dass der Geldbeutel nicht mehr weh tut. Auch ist unser Konsum dessen, was wir nicht brauchen, auch nur ein Zeichen dafür, dass wir diesen Hunger bzw. Durst haben, den die Dinge dieser Welt nicht zu stillen vermögen.

Also – was tun? Die Antwort heißt konkret: zu Jesus kommen und ihn als das Brot des Lebens empfangen!


Vom gewöhnlichen Brot wissen wir, dass es einen langen Weg der Erzeugung und Zubereitung zurückgelegt hat, bis es verzehrt werden kann.

Wer das Brot des Lebens isst, erinnert sich an den langen Weg Jesu, sozusagen vom Himmel herab, 33 Jahre auf der Erde, gekreuzigt, gestorben und begraben, am dritten Tag auferstanden von den Toten und aufgefahren in den Himmel.

Also steckt in dem Brot des Lebens, das bei der Feier der Eucharistie ausgeteilt wird, die Erinnerung an den gesamten Weg Jesu Christi.


Jesus sagt: „Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.“ Der Weg des Brotes, „das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.“ Dieses Leben führt dorthin, woher es kam: vom Vater zum Vater.


Die eucharistische Hängematte – nehmen wir in der Urlaubszeit doch einfach mal dieses Bild! – ist an zwei Stellen im Himmel verankert. Sie ist ein Bild für den ganzen Weg Jesu, der uns aufgrund seines ganzen Lebens zur Speise geworden ist. Von Jesus können wir leben! Er ist adelige Speise von den Himmeln!

Ein Brot ist die Zusammenfassung vieler Körner. Das Brot des Himmels, das Gott gibt, ist die Zusammenfassung der vielen Gesichtspunkte des Gottessohnes, durch die sich Jesus gezeigt und geoffenbart hat.


Wenn wir bei der Messfeier das aus der Erde gewachsene Brot gleichsam in die eucharistische Hängematte heben, dann ist es emporgehoben in den Machtbereich des Himmels. Durch die Worte der Wandlung macht Jesus in seinem Wort das irdische Brot zum himmlischen Brot. Auf diese Weise wird die heilige Kommunion zur konkreten Wegbegleitung des Gottesvolkes. Jesus begleitet uns auf unserem Lebensweg und sein Wort an uns wird zum Brot für uns. Wie die beiden Emmaus-Jünger dürfen auch wir das erfahren – im Unterwegssein als Volk Gottes! In Jesus bleibt Gott auf ewig für uns da. Er ist die unerschöpfliche Gabe Gottes, die für immer satt macht.


Liebe Mitchristen! Es Gott recht machen wollen und in Gottes Wohlgefallen stehen, heißt als Aufgabe für uns, aufgrund unseres Glaubens an Jesus Christus uns in seinem Namen versammeln, uns selbst beizutragen zur Versammlung der Gemeinde Gottes. Denn Jesus will hier und jetzt sich selbst als das Brot des Lebens austeilen.


Kommunion-Meditation


Gott, zum Tisch des Wortes

und zum Tisch von Brot und Wein sind wir gekommen.

Gott, bleibe uns nah in deinem Wort.

Gott, bleibe uns nah in Christi Leib und Blut.

Gott, schenke uns deine Gegenwart in Jesus Christus für immer,

auf dass wir gestärkt und darin bestärkt

Zeugnis geben von dir in dieser Welt

und bis in den Himmel hinauf.


Pfarrer Karl Enderle

 

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