Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis B

Schwäbisch Hall, 16. September 2012



Evangelium: Mk 8,27-35



Ganz schön heftig, wie Jesus mit Petrus umgeht!

„Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!“

Doch Jesus liefert direkt danach die Begründung. „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen!“

In diesem Fall sagt Jesus zu Petrus, er soll weggehen.

An anderer Stelle – nach dem reichen Fischfang – sagt Petrus zu Jesus, er soll weggehen! Und auch Petrus liefert sofort die Begründung: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder“ (Lk 5,8).

Der Grund für das Auseinandergehen von Petrus und Jesus ist die Sünde.

Die Sünde bewirkt diesen Abstand; Jesus benutzt hier dafür summarisch das Wort „Satan“.


Doch was ist die Sünde vor diesem Hintergrund?

Das Ganze ist an Petrus illustriert.

Grundsätzlich gilt dieser Aufweis der Sünde uns allen.

Bist Du, bin ich ein Sünder? Wir können dies nicht verneinen, wir müssen es bejahen. Wir müssen zugeben und – wenn wir uns kennen und offen sind – Ja sagen!

Ja, ich bin ein Sünder! Das meint, wir suchen noch nicht genug konsequent die Gemeinschaft mit Gott, denn: Wir „gehen oft weg“. Wir sondern uns ab und setzen auf eigenwillige Besonderheiten statt auf die Besonderheit Gottes, die darin besteht, dass Jesus Christus zu uns gesandt ist, der allein das Verbindliche und Verbindende zwischen Gott und Mensch und der Menschen untereinander bewirken kann. Der besondere Weg, den Gott von sich aus für uns vorgegeben hat, ist die Person Jesus Christus.


Es steht doch alles in einem großen Zusammenhang – und Gott hat mit der Welt etwas vor. Er will sie zum Heil führen in, durch und mit Jesus Christus.

Wer sich Jesus anschließt und ihm nachfolgt, ist mit dabei und gehört dazu und bleibt im „Haushalt Gottes“.

Das Kriterium dabei ist, das im Sinn zu haben, was Gott will. Darum geht es Jesus immer.

Jesus geht es aber auch darum, wie Gott will. Jetzt gehen die Dinge eher auseinander – bei Petrus und bei uns: Gott hat für den Messias die Kreuzigung vorgesehen.

Jesus redet ganz offen darüber, wie Gott will: Er spricht über die Auslieferung des Menschensohnes und meint damit sich selbst.

Das gefällt Petrus nicht und er kann und will sich das auch nicht vorstellen. Deshalb macht er Jesus Vorwürfe.

Doch Jesus sieht seine Jünger an, bevor er seine Antwort gibt. Das heißt: Auch alle anderen Jünger sind gemeint mit der Antwort, die Jesus Petrus direkt gibt. Durch das Evangelium sind auch wir als seine Jünger heute gemeint.


Wir sind oft nicht damit einverstanden und können uns nicht vorstellen, wie Gott will. Können wir den so ohne Weiteres dem Herrgott die Regie über unser Leben zu hundert Prozent überlassen? Stattdessen würden wir ihm lieber öfters vorschreiben, wie Gott denn tun könnte.

Im Nicht-einverstanden-sein, im Nicht-annehmen-wollen, im Nicht-wahrhaben wollen, wie und was Gott will, liegt der Ansatz zur Sünde, die ihre Eigendynamik zugelassenerweise darin besitzt, einen Graben, einen Abstand zwischen Mensch und Gott aufzureißen.

Sünde ist also in ihrer Folge dieser Abstand zwischen Gott und Mensch.


Damit wir Menschen aber nicht in dieser abständigen Verlorenheit verbleiben, hat Gott gehandelt, denn diesen Abstand kann allein Gott selbst überbrücken. Die Brücke über diesen Graben ist der nach Gottes Willen auf das Kreuz gelegte Christus. In ihm ist Gott der auf uns Menschen Zugehende und uns in allem zuvorkommende Vater!


Es gilt also für uns, das Kreuz Christi anzunehmen, so wie es Jesus von Nazaret von Gott, seinem Vater, angenommen hat. „Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst, (soll geschehen)“ (Mk 14,36). Dieser Gehorsam Jesu endet mit seinem Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30). Jesus hat alles gegeben; Jesus hat alles getan, um die Erlösung der Menschheit zu vollbringen.


Dem entspricht die Tat Gottes, des Vaters, durch die Auferweckung seines Sohnes aus dem Tod. Hundertprozentiges ergänzt Hundertprozentiges; Vollkommenes entspricht Vollkommenem. Jesu Christi Kreuz, Tod und Auferweckung bilden die vollkommene und zu hundert Prozent stabile Brücke über den Graben der Sünde. Die Gnade der Überbrückung hat Gott uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.

Diese Erkenntnis lässt aufjauchzen und singen. Durch Jesu „Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph 1,7).

Unser Reichtum besteht nun darin, auf gleicher Linie wie Jesus nach dem Willen Gottes zu fragen und damit Gott näher zu kommen. Unsere religiöse Praxis besteht aus Annäherungsversuchen zu Gott, da er in Jesus uns näher gekommen ist, als wir uns selbst nahe sind. Und – liebe Leute! – unsere Annäherungsversuche zu Gott sind nicht umsonst, sie gelingen!


Gehen wir auf Jesus zu; er ist auch die Brücke zueinander.

In der Nachfolge zu ihm entdecken und finden wir die großen Verbindlichkeiten zwischen Gott und Mensch und der Menschen untereinander. Zwischen oben und unten, zwischen Erde und Himmel, zwischen Ost und West und zwischen Nord und Süd ist Jesus die einigende Kraft. Das zu glauben, ist ganz schön heftig! Aber – wie bekennt Petrus? „Du bist der Messias!“



Pfarrer Karl Enderle

 

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