Predigt am 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Schwäbisch Hall, 18. November 2012 (Vorabendmesse)


Erste Lesung: Dan 12,1-3

Zweite Lesung: Hebr 10,11-14.18

Evangelium: Mk 13,24-32


Gute Sternzeichen


Bald ist wieder Sternenzeit. Der Städtische Werkhof ist schon ausgerückt, um mit der Hebebühne die Sterne in Position zu bringen. Am Freitag stand es in der Zeitung: „Sterne leuchten den Advent herbei“.


Denken wir uns nun von dem großen Umtrieb der Innenstadt hinein in die Kleinheit eines Kinderzimmers. Da hängt ein Täfelchen, worauf steht: „Etwa vor 35 Jahren kam ein Baby angefahren – ohne Strümpf’ und ohne Schuh – liebe Mutter, ich glaube, das warst du!“ Der Vater hatte dem ältesten Geschwisterchen diesen Spruch zum Geburtstag der Mutter beigebracht und ihn aufschreiben lassen. Das jüngste der drei Kinder ist gerade mal drei Monate. Vater und Mutter investieren zurzeit viel Zuwendung in ihre Sprösslinge. Wenn sie später einmal in alle Welt hinaus starten, haben sie genug Liebe aufgetankt und wir können zuversichtlich sein, dass sie ihr Leben meistern.


Wie die Psychologen betonen, sind die ersten frühen Kinderjahre sehr prägend und wichtig für die „innere Ausstattung eines Menschenkindes“. Für ein jedes ist es doch das Ziel, zu verständnisvollen Erwachsenen heranzureifen. Denn: „Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer (und Frauen!), die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten.“ Unser Tun kann also einen Glanz bekommen, den wir vergleichen können mit dem Strahlen der Sterne.


Die stillen Stars gab und gibt es abseits der lärmenden Öffentlichkeit. Das sind für mich alle, die sich in welcher Form auch immer für Kinder einsetzen und sich beruflich oder privat um die Kleinsten unserer Gesellschaft kümmern. Stille Sterne, die leuchten, sind auch Alleinerziehende, die in sehr schwierigen Situationen durchhalten und ihren Kindern das Bestmögliche geben. Die Zuneigung, welche wir Kindern angedeihen lassen, ist nie umsonst.


Zurück in das besagte Kinderzimmer! Da hängt noch ein Täfelchen. In großen Lettern steht: Gut-Gemacht-Liste. Diese hat die Mutter angebracht für den 7-jährigen Jungen Kai. Wohlgemerkt, da stehen nur die Dinge, die er gut gemacht hat. Kai kann sich jedes Mal daran erinnern und sich darüber freuen, dass die Mutter sich darüber freut, wenn er etwas gut gemacht hat.


Liebe Mitchristen! Ist es nicht so, dass der allwissende Gott eine Gut-gemacht-Liste führt über einen jeden von uns? Das ist unser bestes Konto! Wohlgemerkt, unsere Gut-gemacht-Taten werden aufgelistet.

Was wir nicht so gut gemacht haben, ja, wo wir gesündigt haben, da schauen wir auf Christus. Er allein vermag unsere Sünden zu vergeben. Er ist der ewige Hohepriester zur Rechten des Vaters. Auch ist es menschlich gesehen so, dass eine schlechte Tat Lerneffekte für die gute Tat hervorbringen kann. Also haben wir genug Unterstützung, untereinander und „von oben“, uns für das Gute zu engagieren.


Das Strahlen wie ein Stern kommt also nicht von ungefähr. Das konkrete Tun des Guten macht es aus. Damit sitzen wir im richtigen Film, was die Vollendung der Welt betrifft. Weltuntergangsszenarien sind beliebte Kino-Schocker. Auch Jesus sagt: „Himmel und Erde werden vergehen“. Unsere Phantasie malt das aus, genauso wie ein mögliches Datum, das wir aber nach Auskunft des Evangeliums ganz sicher nicht wissen können.


Bei all dem könnte uns angst und bange werden. Das muss nicht sein. Es ist uns das Wort Christi gegeben, das in Ewigkeit bleibt, weil es unvergänglich ist.

Christi Worte sind Worte unverbrüchlicher Treue. Er gibt sie uns zur Orientierung, damit wir Halt haben in all den Turbulenzen, die uns beuteln. „Ich bin bei euch alle Tage“ (Mt 28,20). „Seid getrost, ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33)! Christi Worte ermutigen uns, unbeirrt das Gute zu tun und darin das Schlechte zu überleben. Christi Worte sind das Ziel über den Tag hinaus.


Das Licht der Sterne ist physikalisch vor unserer Erdenzeit entstanden, es ist ein Licht aus der Tiefe des Weltraumes, das wir jetzt sehen. Theologisch denken wir aber noch weiter zurück: „Durch das Wort ist alles geworden“ (Joh 1,3). Im Glauben an Christus „sehen“ wir zudem auch weit in die Zukunft. Der Herr spricht: „Siehe, neu mache ich alles“ (Offb 21,5).


Liebe Mitchristen, in dieser Erdenzeit, also zwischen Anfang und Ende, zwischen Alpha und Omega bewegen wir uns mit unseren guten Taten! Sie sind „das Licht im Handgepäck“. Wenn wir einmal einchecken zum endgültigen Abflug vom Raumschiff Erde, dann sollten wir den eventuell schweren Koffer unserer Nicht–so-gut-gemacht-Taten in die Vergebung Christi abgeben können. Das Handgepäck mit unseren Gut-gemacht-Taten gehört zu uns und wir dürfen es bei uns behalten. Denn unsere Gut-gemacht-Taten sind leichter und lichter und „befördern“ – zu Gott!


Schauen wir in den kommenden Winternächten öfters mal bewusst in die Sterne. Sie leuchten – wie wir leuchten sollen durch gute Taten, in Gedanken, Worten und Werken. Dann kann der Herr ganz unverhofft kommen – und unverhofft kommt oft!


Pfarrer Karl Enderle

 

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