Predigt am 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

40 Jahre Kirche St. Elisabeth

Schwäbisch Hall-Gottwollshausen, 18. November 2012


Einleitung

Bald schreiben wir das Jahr 2013. Gräfin Elisabeth wurde nicht einmal 2 x 13 Jahre alt, sondern nur 2 x 12 Jahre alt. Aber ihre leise Stimme hören wir bis heute. Sie hat einfach getan, was Jesus empfiehlt: Liebe Gott und den Nächsten wie dich selbst.

Wenn wir diese Reihenfolge beachten, dann wird deutlich, woher die Kraft kommt, uns so zu verhalten, wie wir heute im Evangelium hören werden. Die gute Tat überlebt die Zeiten, diese Beobachtung machen wir bei allen Heiligen der Nächstenliebe. Wie kommt das?


Es ist Jesus selbst, der uns in den Armen und Hilfsbedürftigen begegnet, modern gesagt: Der Sohn Gottes begegnet uns in den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft spürbarer als in den anderen. Auf dieser Einsicht beruht die christliche Handlungsmaxime. Der eigentliche Tempel Gottes ist der Mensch. Gott selbst baut sich sein Haus aus „lebendigen Steinen“. Auf dieses Grundanliegen macht unsere kleinste Filiale aufmerksam, damit hat die(se) Kirche Zukunft.


Kyrie

Herr Jesus Christus, du menschgewordene Liebe Gottes.

Kyrie eleison.


Herr Jesus Christus, du menschgewordenes Licht der Welt.

Christe eleison.


Herr Jesus Christus, du menschgewordene Barmherzigkeit Gottes.

Kyrie eleison.


Lesung: 1 Kor 3,9c-11.16-17

Evangelium: Lk 6,27-38


Predigt


Als ich zum ersten Mal die Tür dieser Kirche hier aufmachte, habe ich mich verwundert gefragt: Wo bin ich? Und sofort wurde mir klar, es ist die gleiche Kirche wie in Reute bei Biberach. Hier ist es wie zu Hause. Das war für mich ein ganz positives Vorzeichen.

In der Tat besteht die Kirche in Reute, in der ich schon Ministrant war, aus den gleichen Fertigbauelementen dieser Baureihe. Nur ein Jahr später gebaut, hat sie ein zusätzliches Bauelement, hier sind es drei, in Reute sind es vier mit einer kleinen Empore. Der Gemeindesaal befindet sich statt hier rechts in Reute auf der linken Seite. Hier steht also die Kirche St. Elisabeth, gebaut vor 40 Jahren und geweiht am 5. November 1972 durch Weihbischof Anton Herre. Ich kann sagen: Ich bin in dieser Kirche sofort nach Hause gekommen durch meine Erinnerung.

Wenig später habe ich festgestellt, dass das Altarkreuz und der Tabernakel von Goldschmied Berthold Herzer aus Schwäbisch Gmünd entworfen und ausgeführt worden sind. Derselbe Künstler hat meinen Primizkelch und die dazu passende Hostienschale angefertigt. Auf dem Kelchfuß befinden sich drei Amethyste – so wie hier auf dem Altarkreuz die sieben Amethyste die sieben Sakramente darstellen.

Ich habe mich sehr gefreut über diese Entdeckungen, weil sie den gemeinsamen Glaubensgrund deutlich machen.


Dieses Glaubenszeugnis des Goldschmieds gibt mir etwas und so kann auch ich etwas geben. Es ist ein persönliches Beispiel für einen wichtigen Satz aus unserem Evangelium: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden.“ Ich kann mir gut vorstellen, dass die Landgräfin Elisabeth in ihrer Gebefreudigkeit noch viel mehr selbst empfangen hat, als das, was sie gegeben hat an materiellen Gütern.

Die Dankbarkeit der Menschen, die sie beschenkt und denen sie geholfen hat, hat sie noch mehr angespornt zur weiteren Nächstenliebe.


Der Grund lag auch in ihrer Herkunft, sie hatte ungarisches Temperament im Blut. So überraschte sie ihren Gatten Ludwig durch ihre ungestüme Zärtlichkeit in aller Öffentlichkeit. Ihre Dienerinnen behandelte sie zum Erstaunen aller wie Schwestern und Freundinnen. Sie machte auch keinen großen Unterschied in ihrer direkten Lebensfreude und Lebensmitteilung in ihrem Verhalten gegenüber dem höfischen Adel und den Armen und Kranken. Schmerzlich vermisste sie diese Lebensqualität, die sie selbst genießen konnte, in vielen Begegnungen bei den Leuten auf der Straße, den Benachteiligten, Kranken und Armen. Außerdem war sie eine gute Reiterin und liebte Pferde. Sie war eine vitale, starke Frau mit großem Organisationstalent. Als erste Frau gründete und leitete sie ein Krankenhaus, wobei sie oft selbst die schwierigsten Kranken pflegte.


Es stellt sich natürlich die Frage, weshalb hat der liebe Gott ihren Gatten, den sie mit aller Glut ihres Herzens liebte, so früh zu sich geholt. Ihr drittes Kind kam erst nach seinem Tod auf die Welt.


In der Liebe, die Elisabeth von Kindheit an mit Christus verband, fand sie die Kraft, diese schwere Zeit durchzustehen. Ihr Leben wandelte sich durch diese Erfahrung. Die Liebe Christi zu ihr, die sie ganz intensiv spürte, drängte sie, sich voll und ganz denen zuzuwenden, die unter Lieblosigkeit und Krankheit litten. Entkräftet starb sie in der Nacht vom 16. auf den 17. November im Jahre 1231.


Ihre Biographie wurde zu einem „open end“, das heißt, die Geschichte der heiligen Elisabeth ist noch nicht fertig geschrieben. Das hat auch Pfarrer Paul Menzel so gesehen. Er schreibt in seinem Vorwort in der Festschrift zur Weihe der Kirche:

Die Kirche wird auf den Namen der heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht. Mitbestimmend war dafür der Wunsch der Gläubigen von Gottwollshausen, aber auch der Gedanke, dass man an ihrem Leben erkennen kann, was die Aufgabe des Christen ist: Dienst für Gott und Dienst für den Menschen. Es bleibt zu hoffen, dass beides nun noch mehr geschieht und sich damit der eigentliche Kirchbau vollzieht, der Bau der lebendigen Gemeinde: Menschen, die sich um den Altar versammeln, Gott verherrlichen, aus der Kraft des Evangeliums ihren Dienst an der Gemeinde und an der Welt tun und hoffend der künftigen Welt entgegengehn.“


So ist es, Kirchen werden gebaut, damit sich der eigentliche Kirchenbau aus lebendigen Steinen vollzieht. In dieser Kirche – wie in anderen – kommen wir nach Hause und entdecken eine wunderbare Gemeinsamkeit mit vielen anderen Mitglaubenden. Durch das konkrete Tun der Nächstenliebe, die das Evangelium empfiehlt, entdecken wir entdecken einen großen Schatz, der nicht mehr weggenommen werden kann, da er aufgehoben ist in den Herzen der Menschen vor und nach uns. Und in der Zugehörigkeit zur Gemeinde Gottes werden wir angesteckt von der glühenden Liebe – menschlich und christlich.

Wie die Erfahrung lehrt, Glut kann sich ganz schnell entfachen zu einem großen Feuer.



Pfarrer Karl Enderle

Fürbitten

Wir beten zu Jesus Christus, der sich erniedrigte und zum Diener aller machte:


  • Für alle, die in den Einrichtungen der Caritas mitarbeiten: dass sie sich von deinem Geist leiten lassen.

Christus, höre uns. A. Christus, erhöre uns.


  • Für die Wohlhabenden, dass sie ihr Herz gegenüber den Armen nicht verschließen.

Christus, höre uns. A. Christus, erhöre uns.


  • Für die Kranken und Notleidenden: dass wir in ihnen dich selbst erkennen.

Christus, höre uns. A. Christus, erhöre uns.


  • Für die Kirche St. Elisabeth: dass sie Bestand hat und für Gottwollshausen und alle Menschen ein wichtiges Denkmal christlicher Nächstenliebe werde.

Christus, höre uns. A. Christus, erhöre uns.


  • Für die Nationen und Mitmenschen weltweit: dass sie lernen auf diplomatische Lösungen zu setzen und in Feindesliebe zu investieren.

Christus, höre uns. A. Christus, erhöre uns.


  • Für den Erbauer dieser Kirche, Pfarrer Paul Menzel, und alle Mitchristen, die ihre Talente und Zeit und Geld eingebracht haben im Laufe von 40 Jahren: dass sie deine Herrlichkeit schauen dürfen.

Christus, höre uns. A. Christus, erhöre uns.


Herr Jesus Christus, einst wirst du uns nach unserer Liebe fragen. Schenke uns dein Erbarmen, dass wir vor dir bestehen können, der du lebst und herrschest in alle Ewigkeit. Amen.



Kommunionmeditation „Wie ein Schilf“

Wir sind wie ein Schilf, das am Flussufer wächst.

Schwillt der Fluss, so beugt sich das Schilf;

sinkt das Wasser, so richtet es sich wieder empor

und wächst in seiner Kraft fröhlich und erquickt weiter.

So müssen auch wir uns bisweilen beugen und demütigen,

um uns dann froh und erquickt wieder aufzurichten.“

Elisabeth von Thüringen

 

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