Predigt am 34. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Christkönigssonntag

Schwäbisch Hall, 25. November 2012


Erste Lesung: Dan 7,2a.13b-14

Zweite Lesung: Offb 1,5b-8

Evangelium: Joh 18,33b-37


Es gibt ein altgriechisches Wort, das in unserer modernen Welt eine große Rolle spielt: ό κόσμος. Der „Kosmos“ bedeutet ursprünglich: Ordnung, Schmuck, und daraus wurde abgewandelt z.B. die Kosmetik.

Wenn der Mensch sich schmücken will, verwendet er kosmetische Mittel, er oder sie. Also warum nicht: Wir schmücken uns füreinander, damit wir in Gottes schöne Welt hineinpassen. Allerdings muss dieser äußere Schmuck immer wieder erneuert und neu aufgetragen werden. Gibt es denn auch einen Schmuck, der bleibt?


Der Schmuck dieser Welt als Krone der Schöpfung ist der Mensch. Dieser Aussage wird inzwischen sofort heftig widersprochen, denn wir Menschen haben doch auch ganz viel Fürchterliches angerichtet, z. B. „Kreuzigungen“.


Jesus steht vor Pilatus und muss Fragen beantworten: „Bist du der König der Juden?“ Das Nachfragen des Pilatus gipfelt in der Aussage Jesu: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ Als solcher König, dessen Königtum nicht von dieser Welt ist, lässt Jesus geschehen, was geschehen soll, was geschehen muss, was geschehen wird. Er begibt sich in die Gewalt des Pilatus, gerade weil sein Königtum nicht von dieser Welt ist. Er hätte Pilatus auch sagen können: Meine Welt ist nicht deine Welt!

Jesu Königtum ist geblieben – aller Welt zum Zeugnis, und das des Pilatus?


Damit seine Welt grundsätzlich für alle Menschen geöffnet wird, damit der Kosmos seines Königtums grundsätzlich für alle aufgeht, damit die Menschen durch seinen Erlösertod freigesprochen werden können, lässt Jesus sich zum Tod am Kreuz verurteilen. Manche Menschen tragen ein Kreuz als Schmuckstück um den Hals, andere haben das „Kreuz Jesu“ zu ihrer Haltung gemacht. Das sind die so genannten „stillen Stars“. Als der Nachrichtensprecher über die Verleihung des Bambi-Medienpreises berichtete, sagte er: „Im Publikum wurde es auf einmal nachdenklich und still.“ Auch die hiesige Tageszeitung schrieb gestern über den Bambi-Marathon: „Die größten Stars des Abends aber waren die stillen Helden, es wurde sehr nachdenklich. Dr. Ruth Pfau, die seit 50 Jahren in Pakistan Lepra-Kranke heilt, und als „Stille Heldin“ geehrt wurde, hielt dem stehend Ovationen spendenden Glamour-Publikum im Saal den Spiegel vor. Die bescheidene 83-Jährige freute sich, dankte auch, sagte aber: „Ihre Welt ist nicht meine Welt.“ Denn während des Galaabends würden „58 % der Menschen in Pakistan hungrig ins Bett“ gehen. Die Feier erinnerte auch an Gewalt-Opfer: Bewegend war der Auftritt der Schwester des jüngst auf dem Alexanderplatz in Berlin tot geprügelten Jonny K., die einen Verein gegründet hat und mit dem „Mut-Bambi“ in der Hand forderte: „Liebt euch!“ In der Kategorie „Integration“ bekam der Rabbiner Daniel Alter ein Bambi; er war Ende August von muslimischen Migranten brutal verprügelt worden“ (Haller Tagblatt vom 24. November 2012, S. 7).


Liebe Mitchristen, diese Beispiele machen deutlich, dass das Königtum Jesu Christi in unserer Welt angekommen ist. Nicht von dieser Welt will es in unserer Welt wirksam sein. Jesus Christus gibt uns Anteil an seinem Königtum. Dadurch wird die Erde bleibend ausgeschmückt durch Menschen, die seine Liebe leben und vorleben. Er ist gekommen, wie er sagt, „damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Dazu will er uns in Anspruch nehmen und die Liebe ausbreiten, die allen Menschen Leben schenkt – in der Sorge für das, was wir wirklich brauchen. Im Hören auf Jesu Stimme liegt unser eigentliches Vermögen.


Jesus will in Wahrheit, dass es der ganzen Schöpfung gut geht. Darin sieht er den Willen des Vaters im Himmel. Die ganze Schöpfung ist der Palast unseres Königs Jesus Christus. Der Schmuck dieser Erde, die er aus Liebe erlöst hat, besteht auch aus den Pflanzen und Tieren, aus allem, was lebt und atmet. Die Vielfalt der Lebewesen ist uns anvertraut, die Tiere sind unsere Mitgeschöpfe. Als königliche Sachwalter sollen wir handeln, als Christen von Christus her. In der Taufe wurden wir mit dem Chrisam-Öl gesalbt und mit der Königswürde Jesu Christi ausgestattet. Die Krone seines Königtums wird sichtbar durch unsere innere Haltung und kommt zum Ausdruck in konkreten Taten der Liebe. Wir sind befähigt, stille Helden zu werden, die voller Überzeugung das Gute tun. Ruth Pfau hätte auch sagen können: Meine Welt ist die Welt Jesu Christi.


Wenn wir die Liebe Christi persönlich nehmen, können auch wir sagen: „Meine Welt ist die Welt Jesu Christi.“ Auch wir sind eingeladen, jeder auf seine Weise, diese Welt so zu ordnen, dass seine Liebe die entscheidende Rolle spielt. Auf diese Weise kommen unsere Verhältnisse „in Ordnung“ und wir werden zum bleibenden Schmuck aus seiner Welt in unserer Welt. Je mehr unsere Erde ausgeschmückt wird nach Jesu Willen, bekommt sie auch immer mehr den Glanz seiner Krone. Dann kann der König kommen, wann er will, die Welt ist bereitet und er kann sie am Ende der Zeit Gott, seinem Vater, übergeben.


Pfarrer Karl Enderle

 

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