Predigt am 2. Adventssonntag, Lesejahr C (Vorabend)

Hochfest der Erwählung Mariens

Schwäbisch Hall, 8. Dezember 2012


Lesung: Eph 1,3-6.11-12

Evangelium: Lk 1,26-38


Maria antwortete: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Damit gibt Maria dem Engel einen Blankoscheck. Sie ist zu der Einsicht gekommen, dass für Gott nichts unmöglich ist. Also müsste man sich dem Willen Gottes eigentlich unbedingt, ohne Bedingungen, bedingungslos unterwerfen.


Aber schon hier bei dieser Verheißung von Gottes Sohn wird der Dialogcharakter des Christentums deutlich. Was die Menschwerdung Gottes betrifft, hat Gott seinen Engel Gabriel vorausgeschickt. Das gab der ahnungslosen jungen Frau, die sich zuerst schreckhaft zeigte, die Möglichkeit nachzufragen. „Sie überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe“. Dieses Überlegen hat in der griechischen Sprache, in der das Neue Testament geschrieben wurde, die Bedeutung eines Dialogs, eines Dialogs mit sich selbst, zwischen Herz und Verstand. Sie erwog die Anrede des Engels in ihrem Herzen und schaltete auch ihren Verstand ein. Sie ist doch die Erstbetroffene, wenn sie ein Kind empfangen soll, von dem zunächst nicht einmal ihr Verlobter weiß. „Du wirst ein Kind empfangen.“ Maria hat nachgefragt: „Wie (bitte,) soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Nachdem sie die Antwort des Engels hörte und an ein Beispiel aus ihrer Verwandtschaft erinnert wurde, mit der Begründung, dass für Gott alles möglich ist, konnte sie zustimmen.


Wir können festhalten, der lebendige Gott lässt mit sich sprechen und spricht durch seinen Engel Gabriel die betreffende Frau an als Erstbetroffene. Das ist nicht nur gleichsam höflich, sondern auch fair, vorbildlich und sinnvoll, wenn wir es auf menschliche Verhaltensweisen bertragen.


Adolph Kolping hat dieses Evangelium als Priester immer wieder gehört, vorgetragen und darüber gepredigt. So war er von seiner Natur und Spiritualität her sicher immer ein dialogischer Mensch, der mit den betroffenen Menschen immer zuerst geredet hat. Dadurch kam er sicher immer wieder zu einer untrüglichen Beurteilung, was diesen Menschen wirklich weiterhilft.

Diese Übereinstimmung der Menschen untereinander ist zum einen Gotteswerk, zum anderen aber Beitrag der Menschen. Gemeinsam finden wir die bessere Lösung im Miteinander und Füreinander. Das gilt für die großen sozialen Fragen, die er zu seiner Zeit gelöst hat; seine Vorgaben sind bis jetzt maßgeblich im Kolpingwerk.


Selig also, wer mit den betroffenen Menschen zuerst spricht!

Von dieser Verhaltensregel, die uns in die Nähe des Reiches Gottes bringt, können viele Chefs und Firmenbosse oder andere Direktoren lernen. Das Gegenteil ist doch, gegen betroffene Menschen oder Mitarbeiter zu handeln und sie auseinander zu dividieren. Es gibt ein verwandtes Wort im Altgriechischen, es fängt auch mit „dia“ an und geht mit „ballo“ weiter. Das meint, ich werfe etwas dazwischen, was die Sache oder die Menschen auseinanderbringt. Das ist teuflisch. Deswegen wird im Neuen Testament der Teufel mit Diabolos bezeichnet, in der Bedeutung von „der auseinanderbringt, der Feind, der Verleumder, der Verführer, der Widersacher“. Manchmal spüren wir diese Kraft, die alles durcheinanderzubringen versucht.


Stärker als die Kraft, die Gott und Menschen auseinanderbringen will, ist die Kraft Christi. Christus ist der Bringer der Gottesherrschaft, die der Herrschaft des Teufels ein Ende macht. Der Heiland heilt und überbrückt die Gegensätze unter den Menschen, denn sein Licht und seine Liebe und sein Erbarmen verbindet die Menschen untereinander für Gott.


In den Kolpingfamilien ist beispielhaft spürbar, dass die Menschen zusammengehören und solidarisch werden für die Anliegen, die Adolpholping ein Herzensanliegen waren. Ich möchte es so sagen: Es soll jedem Menschen in jedem Beruf wirklich gut gehen. Wer seine berufliche Arbeit gern ausübt, leistet um ein Drittel mehr und bleibt gesund. In dieser Verantwortung stehen die Chefs; sie erreichen es am besten durch den Dialog, immer zuerst mit den Betroffenen. Dieser Grundsatz gilt sicher auch für große Bauvorhaben oder neue Wohngebiete. Manche Probleme würden im Vorfeld gar nicht entstehen, wenn Menschen zuerst mit Menschen reden würden.

Im Dialog kommt das Neue zur Welt – und wenn alle daran beteiligt sind, wird es auch von allen getragen. Wir sollen und dürfen also mit Herz und Verstand unser Christsein in die Angelegenheiten unserer Welt einbringen und im Dialog mit Christus selbst entsteht unter den Menschen das Gottgewollte.

Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall


Fürbitten


Guter Gott, ewiger Vater, am heutigen Festtag gedenken wir der seligen Jungfrau Maria, die du erwählt hast, Mutter deines Sohnes zu werden. Wir bitten dich:


  • Lass alle Menschen das Geheimnis des heutigen Festtages begreifen und verstehen lernen – mit Herz und Verstand.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Lass uns als Kirche ständig miteinander im Dialog sein, damit wir in der Kraft deines Heiligen Geistes gemeinsam gute Lösungen finden für die Gemeinden und die Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Bekehre alle, die Verantwortung tragen für Betriebe und Firmen, dass sie nach dem Vorbild des seligen Adolph Kolping immer zuerst mit den betroffenen Menschen reden.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Lass das neue Kirchenjahr eine neue Chance werden, den Frieden zu suchen unter den Völkern und Nationen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Schenke den Menschen Einsicht und Verständnis, die Schöpfung nicht mehr auszubeuten, sondern alle Mitgeschöpfe als anvertrautes Gut zu betrachten.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Gib unserem Kolping-Bruder Klaus Hofer die Gnade, dass er zu deinem heiligen Willen Ja sagen kann und schenke seiner Frau und den Kindern die Kraft und den Beistand deines heiligen Geistes.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Schenke allen, die an diesem Wochenende auf den Straßen unterwegs sind, deinen Schutz und Segen und lass sie gut ankommen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


  • Schenke allen Verstorbenen das ewige Leben in der Gemeinschaft der Seligen und Heiligen; wir denken besonders an Adolf Müller und Konrad Ehmann.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.


Gott, du bist der Allgütige, du bist der Allbarmherzige, du bist der Allmächtige. ir vertrauen wir in Zeit und Ewigkeit durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 

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