Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 3. Januar 2010

 

Lesung: Eph 1,3-6.15-18

Evangelium: Joh 1,1-5.9-14

 

Zurzeit haben die Kinder ja schöne Weihnachtsferien und entsprechend hat der liebe Gott schönen weißen Schnee beschert, damit die lieben Kinder nachher in der Schule wieder schön lieb und artig lernen.

 

Liebe Mitchristen, so hat man das vielleicht früher gesagt. Aber offen gesagt: Schön lieb’ Kind zu sein ist ganz schön anstrengend – und zwar für Klein und Groß!

Geliebt zu sein, ist dagegen etwas ganz anderes, zudem wenn man sich dessen bewusst wird. Das eröffnet einen ganz neuen „Spielraum“. Kinder brauchen genug Spielraum, das meint im weiten Sinn nicht nur Spielplätze, sondern auch auf Erwachsene ausgedehnt, meint es den Bewegungsraum des ganzen Lebens.

 

Bewegung ist das halbe Leben!

Das ganze Leben besteht darin, dass man aus Liebe bewegt ist. Schon im Mutterleib spürt ein Kind, dass es geliebt ist. So bewegt es sich umso mehr – bis es dann zum ersten Mal auf zwei Beinen steht und selbstständig die ersten Schritte macht, wenn es gleichsam zum ersten Mal unterwegs ist. Dann macht das Menschenkind seinen Weg, und mit jedem Kind gibt es einen neuen Weg. Seit der Menschwerdung Gottes ist das ein Weg des Geliebt-Seins!

 

An diesem Wochenende gibt es in den Gottesdiensten die Aussendung unserer Sternsinger. Dabei versammeln sie sich an der Krippe. Damit wird deutlich, dass sie sich vom Jesuskind aussenden lassen. Das Kind zu Betlehem schickt sie auf den Weg.

Mit ihren Sternen und Kronen und Gewändern, mit ihren Texten und Liedern werden sie zum Zeichen auf unseren Wohnstraßen, dass der Weg von uns Menschen immer ein Jesus-Weg ist. Wir sind seit Weihnachten nie ohne Jesus unterwegs. Der geliebte Sohn des Vaters begleitet uns. Er ist unser Geleit.

 

An den Autostraßen gibt es die Leitplanken. An unseren persönlichen Straßen brauchen wir genauso Leitlinien. Wenn wir sie beachten, werden sie zu Geleitlinien„damit wir heilig und untadelig leben vor Gott“ (Eph 1,4).

Wem das zu hoch gegriffen erscheint, der lasse sich in Erinnerung rufen, dass der Weg Jesu „heilig und untadelig“ war.

Durch den Empfang der Sakramente werden wir ihm ähnlich, ja wir werden mit ihm vermählt im höchsten Sakrament: der Eucharistie.

Das Geleit Jesu macht etwas mit uns; es ist die Macht der Liebe, die so viel Spielraum eröffnet, dass wir durch ihn zu ihm gelangen; er garantiert unsere Vollendung bei Gott.

 

Im Blick auf das Projektland „Senegal“ in Afrika lautet das diesjährige Motto der Sternsinger: „Kinder finden neue Wege.“

Es stimmt: Kinder sind erfinderisch, neue Wege zu finden.

 

Dazu schreibt uns Dr. Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück. Er ist Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

„„Neue Wege finden“ kann vieles bedeuten: einen neuen Wanderweg erschließen, eine neue Klettertour anlegen, eine neue Schule besuchen, fremde Menschen kennen lernen, einen Streit schlichten. „Neue Wege finden“ heißt aber vor allem, sich auf ein Abenteuer einlassen mit ungewissem Ausgang, auf einen Weg mit unbekanntem Ziel. Dazu braucht es Mut und Vertrauen.

 

So wie bei Josef. Gott trägt ihm durch einen Engel auf, in ein anderes Land zu ziehen. Er soll mit Maria und dem Kind nach Ägypten fliehen und so das Neugeborene vor Herodes schützen. Und Josef geht – voll Vertrauen. Gott greift ein und bewahrt seinen Sohn vor dem Tod. Er hilft in dieser schwierigen Lage, zeigt einen neuen Weg und lässt die junge Familie nicht allein.

 

Gott ruft uns Menschen immer wieder auf neue Wege. Viele hören ihn, andere verschließen die Ohren. Diese Wege sind vielleicht nicht immer leicht. Sie stellen uns vor Herausforderungen oder scheinen zuweilen gar unmöglich. Doch Gott fordert uns auf hinzuhören, aufzubrechen, nicht wegzuschauen und mitzubauen an seinem Werk.

 

So wie es die Kinder im Senegal tun. Sie geben trotz aller Schwierigkeiten nicht auf. Sie bleiben auch nicht im Alten stecken. Sie gehen das Wagnis der neuen Wege ein, damit sie im Leben weiterkommen, etwas lernen, Perspektiven gewinnen. Diese Kinder finden neue Wege, auch wenn das zuweilen bedeutet, dass sie sich von Liebgewonnenem trennen müssen, manchmal sogar für eine längere Zeit von der Familie und den Freunden.

 

Diese jungen Menschen brauchen Hilfe. Darum brechen hierzulande Jahr für Jahr viele tausend Jungen und Mädchen als Sternsinger auf. Sie ziehen von Haus zu Haus als Wegbereiter für ihre Altersgenossen in fernen Ländern, damit die neue Wege finden und gehen können. Das ist ein wertvoller und froh machender Dienst, das ist eine anspruchsvolle Antwort auf den Ruf Jesu in seine Nachfolge.“

 

 

Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

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