Predigt am 4. Adventssonntag, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 23. Dezember 2012


Erste Lesung: Mi 5,1-4a

Zweite Lesung: Hebr 10,5-10

Evangelium: Lk 1,39-45


Vorfreude ist die schönste Freude!“ Dieses Sprichwort bringt zum Ausdruck, dass wir gern in der Erwartung leben, dass noch etwas Schönes auf uns zukommt. Diese Vorfreude können Kinder am besten zum Ausdruck bringen.

Manche Erwachsene bemerken allzu schnell: Ach ja, das geht auch vorbei!


Aber Maria ist an Elisabet auch nicht „vorbeigegangen“. Aus dem Evangelium haben wir eine Begebenheit geschildert bekommen, die nur Frauen als Frauen möglich ist.

Aber diese Sicht wäre verengt, wenn wir nicht unser Gesichtsfeld auf die Männer erweitern würden. Hinter Maria steht Josef, der durch den Engel des Herrn im Traum seine Braut zu sich nahm. Hinter Elisabet steht Zacharias, der durch den Engel des Herrn beim Opferdienst im Tempel unterrichtet wurde. Erst durch den Rückhalt und die Bestätigung durch ihre Männer wurde die Begegnung ihrer beiden schwangeren Frauen voll und ganz eine Begegnung in großer Vorfreude.


Dass ein Kind im Mutterleib dies mitbekommt, ist inzwischen naturwissenschaftlich bewiesen. Das Gehör wird beim Kind vorgeburtlich mit zuerst ausgebildet; zuerst hört und horcht es ganz viel, bevor es die Augen aufmacht.

Deswegen sind die vorgeburtlichen Kinder im Mutterleib die „Horchposten“ des lieben Gottes auf der Erde: Bin ich willkommen?


Die „vollwertige“ Begegnung zwischen „Himmel“ und „Erde“ kommt nun dadurch zustande, dass das Willkommen-geheißen-werden-Wollen des Kindes übereinstimmt mit der Vorfreude der Eltern auf die Geburt des Kindes. Diese Übereinstimmung war bei Maria und Josef und Elisabet und Zacharias gegeben, vor allem durch den Nachhilfe-Unterricht durch den Engel des Herrn im Traum bzw. bei Tag, d.h. durch Gott selbst.


Als Elisabet den Gruß Marias hörte, „hüpfte“ das Kind in ihrem Leib. Das Kind erwacht in dieser Begegnung zu seiner Berufung. Es zeigt sich dabei, was Gott mit ihm vorhat. Das nimmt seine Mutter ganz schön mit und prompt wird auch sie mit Heiligem Geist erfüllt. Sie „erwacht“ für die Ankunft ihres Herrn: Die Mutter meines Herrn kommt mich besuchen! Und sie stellt die entscheidende Frage: Wer bin ich?


Liebe Mitchristen! Wer sind wir, dass die Mutter unseres Herrn schon längst „zu uns gekommen“ ist? In jeder (katholischen) Kirche befindet sich ein Denkmal: Denk-mal daran, dass die Mutter deines Herrn zu dir gekommen ist!

Unser Kind-Gottes-Sein mag hüpfen aufgrund dieser Erkenntnis. Wir sind nicht verloren, sondern heimgesucht. Die Mutter des Herrn bleibt bei uns!

Gegrüßet seist du, Maria, (voll der Gnade,) der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen!“, beten wir. Nur noch wenige Stunden, und wir schauen die Frucht ihres Leibes in der Krippe.


Und dieses Kind wird unsere Vorfreude noch übertreffen, vorausgesetzt wir gehen an der eigentlichen Botschaft des Weihnachtsfestes nicht vorbei. Selig sind, die sich von der Nachricht über die (bevorstehende) Menschwerdung Gottes aufhalten und bewegen lassen. „Machen wir das Kind nicht weg“, sondern machen wir uns für die Kinder weltweit auf den Weg! Gott will in den Kindern ankommen. Horch nur!



Pfarrer Karl Enderle

 

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