Predigt am Heiligen Abend, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 24. Dezember 2012



Erste Lesung:

Zweite Lesung:

Evangelium: Lk 2,1-14



Über diesem Kind steigen die Engel Gottes auf und nieder. Zwischen Größe, Macht und Schönheit „oben“ und Kleinheit, Ohnmacht und Erbärmlichkeit „unten“ gibt es einen regen Austausch. Zwischen dem unendlichen, unsichtbaren Gott und der endliche, sichtbaren Erde gibt es seit dieser heiligen Nacht die „schnelle Verbindung“. Die Engel Gottes halten die Verbindung „dazwischen“.


Liebe Mitchristen, wir lieben doch die persönliche Auskunft am Telefon. Wenn ich mit jemand telefoniere, dann habe ich die Stimme direkt am Ohr; ich weiß aber nicht, wie weit weg zu mir der oder die Andere sich befindet. Das zeigt, wie relativ unsere Kommunikation funktioniert, sie ereignet sich beziehungsweise. Auf die Art und Weise einer Beziehung kommunizieren wir füreinander und nicht etwa „automatisch“. Ebenso „funkt“ und „funktioniert“ es zwischen Gott und Mensch nicht automatisch, sondern „beziehungsweise“!

Wir können ja miteinander reden. Was zwischen Mitmenschen eine sehr gute Basis, um miteinander auszukommen oder um miteinander etwas zu erreichen, das ist auch die „natürliche“ Grundlage der Gnade zwischen Mensch und Gott.


Wenn wir uns also ein gnadenreiches Weihnachtsfest wünsche, dann meinen wir den Beziehungsreichtum zwischen Gott und Mensch. Unzählbar beziehungsreich gestaltet sich unsere Gottesbeziehung.

Jeder Mann und jede Frau hier „unten“ besitzt eine Beziehung nach „oben“, sie ist individuell und einzigartig. So viele Personen wir sind, so viele Verbindungen nach „oben“ sind es auch.


Eröffnet wurde die Verbindung für uns alle durch das eine Kind von Betlehem, durch Jesus von Nazaret, wo er aufgewachsen war. Das große Wunder der Heiligen Nacht ist es, dass es uns alle zu diesem Kind hinzieht. Komm mit, wir gehen zur Krippe! Und am Geburtsort Jesu begegnen wir den Engeln Gottes – damals wie heute. „Himmlische Heere jauchzen dir Ehre!“ Angesichts der rettenden und erlösenden Tat unseres Gottes kommen Menschen und Engel zum gemeinsamen Lobpreis.


Dementsprechend ist unsere Kirche Christus König ausgeschmückt durch verschiedene Engeldarstellungen. So wie sie Engel sehen, empfinden und „glauben“, so haben die Künstlerinnen und Künstler den Beziehungsreichtum der himmlischen Wesen zum Ausdruck gebracht. Die jeweilige Vorstellung über Engel tritt in Erscheinung durch die unterschiedlichen Werkstoffe. Das Material, auf dem wir sie betrachten, hält die Engel gleichsam eine Zeitlang fest, an dieser Krippe hier, bis sie wieder verschwinden, aber dann ihre Botschaft zurückgelassen haben: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“

Die Engel Gottes werden wieder in Erscheinung treten, so wie Gott es will. Sie sind gleichsam „die Folie“ zwischen sichtbar und unsichtbar, zwischen geheimnisvoller Verborgenheit Gottes und deutender Offenbarkeit Gottes. Sie stehen vor Gott und damit zwischen ihm und den Menschen; sie entziehen sich unseren Augen, treten dann aber doch wieder hervor nach Gottes Willen mit einer klaren Botschaft.


Eine davon steht in Patchwork-Manier auf dem Taufstein: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt“ (Ps 91,11-12). Dieser beliebte Taufspruch besitzt eine ganz klare Botschaft: „Sei behütet auf all deinen Wegen!“ Das Geschenk des göttlichen Kindes sind die Engel für deinen Weg beziehungsweise für meinen Weg beziehungsweise für unseren Weg als Gemeinde, Diözese, Kirche und Welt. Wir stehen in einem großen Zusammenhang verschiedener Wege.


Mitten auf der Kreuzung all der verschiedenen Wege finden wir immer wieder das Kind, umgeben von Maria und Josef, den Hirten, den Tieren und den heiligen Engeln. Diesen Beziehungsreichtum lassen wir uns schenken zur Weihnacht, diesen Beziehungsreichtum, beim göttlichen Kind angekommen zu sein, schenken wir weiter. Wir können damit selbst zu Engeln ohne Flügel werden. Es ist möglich geworden, den Beziehungsreichtum des Glaubens an Gott zu vermitteln. Unsere Kleinheit, unsere Ohnmacht und unsere Erbärmlichkeit ist eingeholt, wir wurden darin abgeholt. Die heiligen Engel Gottes geben uns „Auftrieb“, sie verleihen uns neuen Schwung. Das göttliche Kind mit seinen Engeln macht, dass wir uns aufschwingen zur Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, wie im Himmel so auf Erden.



Pfarrer Karl Enderle

 

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