Hochfest Weihnachten, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 25. Dezember 2012


Manche von uns hören ja noch Radio - nämlich in der Zeit, wo man nicht Fernsehgucken kann ...

Wenn man so dem Hörfunk lauscht, kann es sein, dass da eine längere Pause kommt und man wundert sich mit dem Ergebnis, dass ich viel aufmerksamer werde und genauer hinhöre. Es ist ein Beispiel, dass das gesprochene Wort vom Schweigen „umrandet“ ist. Oder spazieren wir durch den stillen Winterwald, so offenbart er sein Geheimnis durch seine Stille, und seine Geräusche und Laute erzählen unserer Seele, dass ursprünglich alles sehr gut war.


Nur eines fehlte noch: „Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab als harter Krieger mitten in das dem Verderben geweihte Land" (Weish 18,14).

An dieser Stelle im Buch der Weisheit erkennen wir ein allumfassendes Schweigen als Voraussetzung für die Ankunft von Gottes Wort. Nach langem Schweigen hat Gott sein Schweigen gebrochen und sein Wort unwiderruflich „geäußert“! Gott ist so gesehen kein Schweiger geblieben. Er hat sich endgültig – ein für alle Mal ausgesprochen. In seinem Wort hat er sich festgelegt. Gott hat sich uns Menschen versprochen, uns Menschen zugesagt, wir haben sein Wort!


Diese Zusage hat er realisiert in göttlichem Ernst: Wort Gottes wurde Wirklichkeit in einem Kind. Das Wort des lebendigen Gottes wurde Mensch in vornehmer Zurückhaltung, was die Umstände betrifft: Stall, Krippe, Stroh!

Auch Jesus selbst hielt sich zurück – sehr lange sogar – bis zu seinem 30. Lebensjahr. In gewissem Sinn ebenfalls ein Schweigen bis zu seinem öffentlichen Auftreten.

Das Wort Gottes selbst kam zu Wort!

Das ist der Gipfel.


Aber Jesus hat nicht nur geredet. Er hat auch geschwiegen. Reden und Schweigen bedingen sich ja gegenseitig im Sinne einer dynamischen Kommunikation. Niemand kann immer nur reden, und niemand kann immer nur schweigen. Was aber Jesus gesagt hat, dies galt es festzuhalten! Deshalb begann nach Jesu Auferstehung erneut eine Verschriftlichung dessen, wie sich Gott in Jesus von Nazaret geoffenbart hat. Das Neue Testament entstand.


Jesu Wort ist wirkmächtig geworden. Als zunächst geschriebenes und später gedrucktes Wort übt sich das Neue Testament in vornehmer Zurückhaltung – bis jemand kommt, es aufgreift und liest. Aber bitte vorsichtig, denn die Worte Jesu neigen dazu, in Fleisch und Blut überzugehen. Die Worte Jesu kribbeln im Magen, sie steigen in den Kopf und verursachen „Ablagerungen“ im Herzen. Sie gehen durch Mark und Bein. Die Worte Jesu sickern durch.

Nicht zufällig lautet das Motto der Adveniat-Aktion 2012: „Mitten unter euch!“ Das, was wir von Gott gehört, gesehen und begriffen haben, können wir einander weitergeben und weiterschenken.


Auch wenn wir meinen, Gott schweige dazu, kann es sein, dass er gerade nach einer längeren Pause umso deutlicher etwas sagt: persönlich und global.

Es kann sein, liebe Mitchristen, dass in den persönlichen Umständen des je persönlichen Lebens Gott sich in vornehmer Zurückhaltung übt.

Und wie viele vielleicht schwierige Lebensumstände muss ich durchmachen bis Gottes Wort ganz deutlich wird – in mir oder für mich?!

Jetzt hab' ich's kapiert, jetzt hab' ich's g'fresse. Jetzt hat's mich berührt, jetzt bin ich ein anderer geworden.


Die weihnachtliche Verwandlung wünsche ich uns. An Weihnachten ist das Schweigen Gottes zur Mitte gekommen.

Schenken Sie ein gutes Wort von Gott!

Sie selbst sind die Verpackung.

Mehr als Worte sagt ein Lied.

Singen Sie von Gott.

Sie selbst sind das Instrument.

Beten Sie zu Gott, als dem Vater.

Wir selber sind Kinder Gottes geworden.



Pfarrer Karl Enderle 2002 mit Änderungen 2012



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