Fest des Heiligen Stephanus

Schwäbisch Hall, 26. Dezember 2012


Liebe Mitchristen!

Ein faszinierender weihnachtlicher Grundgedanke kommt für mich im Schlusssegen des Hochfestes zum Tragen: In Christus hat Gott Himmel und Erde verbunden. Da Gott Mensch wurde, sind diese zwei Be-reiche nicht mehr getrennt.

Es wird klar, dass der "Himmel" den eigentlichen Lebensbereich von uns Menschen darstellt; da ist unsere eigentliche Heimat und Zukunft.

Wenn wir also das Licht dieser Welt erblicken, dann ist uns schon eine wunderbare weihnachtliche Perspektive mitgegeben: Das bringt das Schlussgebet am Weihnachtstag zum Ausdruck: In dieser heiligen Feier hast du uns deinen Sohn geschenkt, der heute als Heiland der Welt geboren wurde. Durch ihn sind wir wiedergeboren zum göttlichen Leben, führe uns auch zur ewigen Herrlichkeit durch ihn!

Damit ist durch das Weihnachtsfest die Wiedergeburt des Menschen grundgelegt.

Die Ankunft Jesu Christi in unserer Welt, konkret auf dieser Erde, sein Leben, Leiden, sein Sterben und Auferstehen haben uns diese Perspektive "vom Himmel her" gegeben. Die konkrete Wiedergeburt aus Wasser und heiligem Geist in der Taufe hat in uns die himmlische Wirklichkeit eingestiftet.

Der Himmel ist also nicht nur dort und jenseits, sondern hier und diesseits! Deswegen ist jeder und jede, die bzw. der die Weihnachtsbotschaft vernommen und aufgenommen hat, ein Botschafter der Menschwerdung Gottes, also ein Engel, allerdings zunächst mal ohne Flügel!

Denn für uns führt der Weg in den Himmel über die Erde. Das heißt, unser Leben als Christsein "bewahrheitet" den Himmel. Christen sind zu "Gucklöchern" des Himmels geworden. Wir müssen uns "löchern" lassen, wenn jemand nach dem Grund unserer Hoffnung fragt.

Beim heiligen Stephanus wurde dies offensichtlich. Sein öffentliches Bekenntnis lautet: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

Dieser Einblick wurde zur Zielgerade seines christlichen Lebens. Diese Einsicht trug ihn zum Ziel! Mit diesem Ziel vor Augen konnte er sogar seinen Peinigern vergeben. Sein Blut wurde zum leuchtenden Bekenntnis.

Deshalb sind wir heute hier versammelt. Das Lebenszeugnis des Erzmärtyrers Stephanus wurde zum Bindeglied zwischen Erde und Himmel. Genau das ist unsere Berufung als Christen: transparent zu werden auf Christus hin, dem wir nachfolgen!

Während Christus durch seine Menschwerdung und seine Erlösungstat Himmel und Erde verbunden hat, dürfen und können und sollen wir durch die konsequente Nachfolge Christi unter allen Umständen zum Bindeglied werden zwischen Erde und Himmel!

Auf diese Weise wird deutlich: Wir können füreinander im Leben und im Sterben und "danach" den Himmel offen halten!



Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall 2005

 

Kommunion-Meditation


geboren um zu leben

leben um zu gebären


gezeugt um zu leben

leben um Zeugnis zu geben


Pfarrer Karl Enderle

 

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