Hochfest der Gottesmutter Maria – Neujahr, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 1. Januar 2013


 

Erste Lesung: Num 6,22-27

Zweite Lesung: Gal 4,4-7

Evangelium: Lk 2,16-21
 

Über welche Brücke gingen wir in der vergangenen Nacht ins neue Jahr? Vermutlich über unzählbar viele. Vor allem ist über die Brücke der Gemeinschaft. Wer traute sich denn schon zu, allein ein neues Jahr zu betreten?

Mittlerweile sind wir ja eine große Menschheitsfamilie geworden. Gemeinsam sind wir stark, auch wenn unser eigener Anteil sehr gering ist: weniger als Pro-Mille!


Liebe Mitchristen, es ist eben alles relativ. Es kommt darauf an, worauf wir Bezug nehmen. So ist es auch mit dem Datum: 2013 nach Christus!

Die Menschheit definiert sich: „nach Christus“!

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau“, so hörten wir es im Brief an die Galater. Das ist der fixe Bezugspunkt. Gott wurde Mensch, 100-prozentig einer von uns. Zu 1000 Pro-Mille schlüpfte der unendliche Gott in unsere endliche Haut, und er ist nicht mehr „aus der Haut gefahren“, sondern Gott ist Mensch geblieben. Das ist die Botschaft der Weihnacht: Gott ist im Kind da geblieben. Dieses Ereignis hat die Welt verändert. Seitdem dreht sich die Zeit um diese Sternstunde der Menschheit, 2000 Jahre schon. Selig der Mensch, selig sind wir, wenn wir nicht nur das Datum um Jesus drehen. Das allein wäre hohler. Selig sind wir, wenn sich unser ganzes Leben um Jesus dreht, wenn alle unsere Lebensbereiche Bezug haben zum einen und einigenden göttlichen Kind: Jesus von Nazareth! Denn: Sein ist die Zeit, sein ist der Friede, sein ist das Licht! Sein ist alles, was Gott gibt!


Jesus kam auf diese Erde, um unseren Egoismus zu lösen und uns davon zu erlösen! Egoisten sind Menschen, die nur sich selbst sehen, die meinen, alles drehe sich nur um sie selbst. Diese Verstrickung des Menschen in die Ich-Bezogenheit hat der Erlöser wunderbar aufgehoben. Praktisch stellt sich dann die neue Frage: Was würde Jesus dazu sagen? Wie kann ich in der Gegenwart Gottes leben?

 

Dadurch, dass Gott einer von uns wurde, hat sich unsere Perspektive geändert: Wir sind seit Weihnachten geöffnet auf das Du hin. Das zeigt sich in großen Augen und geöffneten Armen – eben so, wie uns das Christkind anschaut.


Gott ist eingetreten in Zeit und Raum, Gott hat seinen sicheren Platz in der Geschichte eingenommen. Gottes Werk ist es: Er hat den Menschen neu eingestellt und uns auf ihn hin ausgerichtet.


Wenn wir in dieser Ausrichtung leben, liebe Gemeinde, dann haben wir am Beginn des neuen Jahres das eine Notwendige: Gott-Vertrauen!

Denn beim Herrn sind 1000 Jahre wie ein Tag“ (vgl. Ps 90,4). Was weiß ich schon? Gott aber weiß es, was das neue Jahr bringen wird – aber nicht ohne unser Zutun und unsere Mitarbeit! Wir sind nun einmal die Menschen, die Gott liebt. Soviel ist sicher, das ist auch unwiderruflich so, davon spricht die ganze Bibel.


Deswegen blicken wir heute besonders auf die Gottesmutter Maria. Nachdem sie die Erwählung Gottes begriffen hatte, drehte sich für sie alles um Jesus. Und weil Jesus von Nazaret Gottes Sohn ist, ja Gott selbst, bekam sie von ihm auch alles geschenkt: unvergängliche Ehre auf Erden und ewige Glückseligkeit im Himmel.

Und jeden und jede, der oder die auf sie schaut und sie verehrt, führt sie hin zur Mitte, zu Jesus, dem Dreh- und Angelpunkt zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch. Maria führt zu Jesus, dem absoluten Bezugspunkt.


Liebe Mitchristen! Jeder von uns, der auch wie Maria andere zu Jesus führt, leistet diesen Vermittlerdienst. Gott nimmt uns in Anspruch, anderen das weiterzuschenken, was wir selbst empfangen haben: den geöffneten Blick für das Wohl des Nächsten. Das ist seit der Menschwerdung Gottes unsere bleibende Verpflichtung. Besser als der Wechsel von 2012 auf 2013 sind 2013 gute Taten im Laufe dieses Jahres.

Dein Glück sei auch mein Glück.

Deine Unversehrtheit, leiblich, seelisch und geistig, sei meine Pflicht und Aufgabe. Dein Friede sei mein Weg.

Deine Liebe sei meine Aufgabe!

Deine Freude sei mein Ansporn!


Weihnachten heißt nicht „Ich wünsche mir“, sondern „Ich wünsche dir!“

Auf diese Weise wird die Welt, wie Gott sie will.

Das wünsche ich uns, liebe Gemeinde, zu Beginn dieses neuen Jahres: eine Welt, wie Gott sie will!

Über diese Brücke bleibender Glaubensgemeinschaft möchte ich immer wieder voll Vertrauen gehen können!

Oder: Gehen wir miteinander über diese Brücke bleibender Glaubensgemeinschaft – mindestens 2013-mal in diesem Jahr?


 

Pfarrer Karl Enderle 2000 mit Änderungen 2013

 

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