Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis C

Schwäbisch Hall, 27. Januar 2013


Lesung: 1 Kor 12,12-31a

Evangelium: Lk 1,1-4;4,14-21


Die Ausrufung eines Gnadenjahres hat sich durch Jesus erfüllt – in die Ohren hinein der Ohrenzeugen seiner Rede. Mit der Zusage dieser Wirklichkeit eröffnet Jesus von Nazaret in der Synagoge seiner Heimat sein erstes öffentliches Auftreten. Diese Eröffnung hat die Tür geöffnet in das Heute Gottes, das meint in die Gegenwärtigkeit des lebendigen Gottes, der sich uns zuneigt – durch Jesus von Nazaret – in Gnade.


Wir haben uns doch ein gnadenvolles Weihnachtsfest gewünscht. Was ist davon geblieben? Was bedeutet eigentlich „Gnade“?

Man kann davon sprechen – im juristischen Bereich -, dass Gnade vor Recht erging. Dadurch wird den Umständen des Menschseins Rechnung getragen. Der Mensch hat Vorrang, und zwar in der Weise, dass er sich diesen Vorrang nicht hat verdienen können.


Wer von uns könnte sich die Gemeinschaft mit Gott verdienen? Gute Nachricht für die Armen, Entlassung für die Gefangenen, das Augenlicht für die Blinden, Freiheit für die Zerschlagenen? Ja, Jesus, sei willkommen mit deiner Salbung und Sendung, denn es gibt so vieles, was zu lösen ist. Wir brauchen Lösung und Erlösung, doch vor allem Lösungen für so viele unter uns.


Die Lösung lautet:

Wir haben Anteil an der Sendung und Salbung Jesu: Schließlich wurden wir alle mit dem einen Geist getränkt. Von daher entwirft der Apostel Paulus das Bild vom Leib dafür, dass wir in einer großen Einheit einander gehören, zusammengehören und einander zugeordnet sind. Sagen wir Verbundenheit dazu, überzeitliche und überräumliche Verbundenheit. Das schafft nur der Geist Gottes, der das Viele eint und aus der Einheit alles hervorbringt und verbindet, so dass „alle Glieder (des einen Leibes) einträchtig füreinander sorgen“.


Die Umsetzung in den Gemeinden kann ganz verschieden aussehen und wird unterschiedlich praktiziert: Das Gnadenjahr des Herrn dauert an, denn seit dem Auftreten Jesu in der Synagoge in Nazaret ereignet sich die Erfüllung des Wortes. Das, was Gott will, ging und geht durch Jesus in Erfüllung.

Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.“ Machen wir es ebenso: Nehmen wir Jesus in die Augen und in den Sinn. Hören wir das Wort Gottes, denn in ihm leuchtet der Christus Gottes auf. Auf diese Weise kommt die Gegenwart Gottes in unser Herz hinein und macht uns stark. Was wir empfangen haben, können wir weitergeben: Gnade.

Also: Seien wir doch untereinander etwas gnädiger zueinander. Seien wir untereinander hilfreich und gut zueinander. Sagen wir: Ja, wir können es! Wir selbst sind es doch, die wir die Türen aufmachen können für die spürbare Gegenwart des Auferstandenen.


Für die erfahrbare Gegenwart Christi braucht es ein Gegenüber des Christus: Wir können einander die Gegenwart Christi im Gegenüber erschließen: augenfällig und ohrengerecht. Im gemalten Antlitz Christi geben wir einander Christus in die Augen. Wir machen die Gnade einander „sichtbar“.

Im gesprochenen Wort geben wir einander Christus in die Ohren. Wir machen die Gnade „hörbar“.

Kirche sein bedeutet: Wir dienen einander, um den Retter zu erkennen. Denn von ihm geht die gnädige und menschenfreundliche Rettung aus. Gnädig sein kann, wer selbst „aus Gnade“ gerettet wurde.


Übrigens: Wie lange dauert also das Gnadenjahr?



Pfarrer Karl Enderle

 

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