Predigt am Hochfest der Erscheinung des Herrn, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 6. Januar 2010

 

Lesung: Jes 60,1-6

Evangelium: Mt 2,1-12

 

Kann es nicht sein, dass eigentlich jeder Mensch sich nach Gott sehnt? Zugleich kann sich jeder von uns auf die Suche machen. Damit entsprechen wir unserer Sehnsucht, bei Gott anzukommen, welcher die Fülle des Lebens für uns bereithält.

 

Liebe Mitchristen! Eine andere kurze Formel kann ich nicht finden für das, was uns bewegt. Vielfach entdecken wir bei uns selbst die Frage nach Gott und wir beobachten sie auch bei anderen.

Diese Gemeinsamkeit, als Menschen nach Gott zu fragen, bringt uns näher zusammen, wenn wir Ausschau halten danach, was uns soeben durch das Evangelium verkündet wurde.

 

Die Stellvertreter der Heidenvölker sind bei Jesus von Nazaret angekommen. Die Heiligen Drei Könige sind zum bleibenden Zeichen geworden, dass es allen Menschen möglich sein wird, Jesus Christus als Heiland zu erkennen. Das wesentliche Bekenntnis des Christentums ist doch, dass Gott Mensch geworden ist.

 

In der Gerechtigkeit Gottes liegt es nun, dass er dies für alle Menschen geworden ist. Und darin sind nun alle Menschen „gleich“, dass sie in dem Kind zu Betlehem Gott erkennen können, wenn sie nur danach suchen. Diese Suche ist der je eigene notwendige Beitrag.

 

Zum Beispiel kann jeder von uns doch beobachten. Es geht nichts über die eigene Wahrnehmung. Darauf gilt es immer zu achten, dass sie nicht getrübt oder gestört wird. Das ist wohl eine der wichtigsten pastoralen Aufgaben, Menschen in ihrer je eigenen religiösen Wahrnehmung zu bestärken. Denn darin steckt „Wahrheit“. Hätten die Magier aus dem Osten nicht darauf vertraut, hätten sie dem Stern nicht folgen können, der sie zur Krippe führte.

 

Zudem haben sie den Stern als Zeichen Gottes gedeutet. Das ist jetzt natürlich etwas, was sich naturwissenschaftlich nicht einordnen lässt. Damit sind wir auf der religiösen Ebene. Wir verhalten uns doch auch gar nicht naturwissenschaftlich. Vielmehr leben wir von Zeichen, die wir deuten. Wir deuten verschiedene Zeichen als Gotteszeichen für uns! Das kann ein Mensch, ein Tier, ein so genannter Zufall sein, was für uns zum Zeichen wird, uns zu Jesus zu führen.

Schließlich ist es ein Herzensanliegen Gottes, des Vaters, dass jeder Mensch den Weg zu seinem geliebten Sohn findet. Mit diesem großen Vertrauen sind wir als Christen unterwegs, geprägt von dieser Hoffnung für alle Menschen.

 

In der Konsequenz sollten wir den Zeichen Gottes auch folgen. Zum Beispiel sind die Glocken unserer Kirchtürme solche akustischen Zeichen. Jeder Turm zeigt „nach oben“, er erinnert daran, dass wir den Zeichen „von oben“ auch folgen sollen, wenn wir sie als solche „identifiziert“ haben. So wie die Magier aus dem Osten beobachten konnten, gedeutet haben und dann konsequent gefolgt sind, kamen sie auf diese Weise zur entscheidenden Begegnung ihres Lebens. Soviel uns verkündet wurde, waren die Heiligen Drei Könige nur einmal an der Krippe. Es wurde ihnen dann ja im Traum geboten, für die Rückreise einen anderen Weg zu wählen. Das bestätigt die Einmaligkeit. Ein für allemal hatte ihre Begegnung Auswirkungen für die christliche Botschaft bis ans Ende der Zeiten.

 

Liebe Mitchristen, so ist das. Es gibt auch in unserem Leben einmalige Begegnungen, die das ganze Leben verändern. Es ist wichtig, darauf gefasst zu sein und damit zu rechnen. Weil Christus der Heiland fürs ganze Leben ist, hat die Begegnung mit ihm – symbolisch an der Krippe – Auswirkungen auf unser ganzes Leben. Der Stern von Gottes Wohlgefallen leuchtet für immer auf.

 

 

Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

 

zurück