Fest der Darstellung des Herrn – 4. Sonntag im Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 3. Februar 2013


Evangelium: Lk 2,22-40


Einführung

Weihnachten ist vorbei und damit ist das Kind da und uns in die Wiege gelegt bzw. in die Arme gelegt.


Predigt


Nun lässt du, her, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden!“

Liebe Mitchristen – auch die Prophetin Hanna konnte Ähnliches lobpreisen: Nun lässt du, Herr, deine Magd, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden!

Damit ist ganz klar die „Scheidung“ von dieser Welt gemeint; beide sagen sie an und meinen damit den Übergang ins Sterben und die Vollendung bei Gott, wie immer diese beiden sich dies „vorstellen“.

Vermutlich machen sich Simeon und Hanna gar keine „Vorstellung“ darüber, etwa so wie wir uns darüber den Kopf zerbrechen, wie man sich das „Danach“ vorstellen sollte. Ihre Gelassenheit kommt aus der Perspektive des Glaubens.


Der greise Simeon nimmt das Kind in die Arme und preist Gott in den höchsten Tönen: „Meine Augen haben das Heil gesehen.“

Das Kind in seinen Armen ist das Heil der Welt! Nichts anderes haben wir in den Weihnachtstagen getan, als wir die Krippen aufgesucht haben und das göttliche Kind besucht haben. In der Krippe liegt das uns anvertraute Kind des Glaubens: In der Krippe liegt das Heil der Welt, die menschgewordene Liebe Gottes. Ich finde diese „Annäherung“ Gottes an die Menschheit obersympathisch.

Für die Prophetin Hanna gilt dasselbe. Damit haben wir die Vertreter des Volkes des Alten Bundes, also stellvertretend Mann und Frau für die vielen Frauen und Männer, welche die Erfüllung der Verheißungen des Ersten Bundes dem Volk des Neuen Bundes übergeben.


Schon Maria und Josef haben das Kind den Hirten gezeigt, gleichsam aus der Krippe gehoben und den Landsleuten entgegengestreckt. Jetzt haben Hanna und Simeon das Kind entgegengenommen und den größten Schatz des Lebens vor ihrem Herzen erwogen. Sie wurden in der Anschauung des göttlichen Kindes vollends auf Gott ausgerichtet.


Liebe Mitchristen! Stimmt unsere Richtung im Leben? Stimmt unsere Ausrichtung im Glauben?

Simeon und Hanna behalten das Kind nicht für sich – sie geben es weiter nach Gottes Willen. Sie halten es uns hin und strecken uns den Heiland entgegen. Wir nehmen das Kind des Glaubens entgegen, halten es in unseren Armen und erwägen es mit Kopf, Herz und Hand. Erfahrungsgemäß schauen wir ein Kleinkind nicht nur an, sondern wir beginnen zu sprechen, es anzusprechen.


Mit diesem Kind zu Betlehem hat das bleibende Zwiegespräch mit Gott begonnen. Das ist der erste und wichtigste Dialog, das herzlich-liebevolle Zwiegespräch mit Gott. „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“ (Lk 6,45). Das gilt für die Kopf-Menschen als auch für die Hand-Menschen. Ob wir vor allem mit dem Kopf arbeitende Menschen sind oder vor allem mit der Hand arbeitende Menschen sind. Wir erwägen die in diesem Kind menschgewordene Liebe mit Kopf, Herz und Hand – miteinander und füreinander. Durch diesen Austausch werden wir zum Segen füreinander. Wir können zunehmend spüren, dass der Geist Gottes ( - wie bei Simeon und Hanna - ) auf uns ruht. Unser christliches Verhalten beruht auf dieser Gabe des Heiligen Geistes. In der Zuverlässigkeit dieser Geistesgabe können auch wir getrost loslassen und die Letztfragen für unser Leben der Regie von oben überlassen. Das Wann, Wo und Wie unseres Sterbens haben wir nicht in der Hand, wenn es heißt „Jetzt!“.


Jetzt wurde Simeon „vom Geist in den Tempel geführt“. Hauptsache: Jesus gesehen und in die Arme genommen: hier auf Erden, immer wieder im Heiligen Geist zur rechten Zeit zu Jesus geführt. Als Heilig-Geist-Menschen sind wir Jetzt-Menschen. In der Heilig-Geist-Gegenwart werden wir auch zur rechten guten Zeit „nach oben“ berufen – in das Licht und in die Herrlichkeit Jesu, des Sohnes Gottes, des ewigen Vaters.


Pfarrer Karl Enderle

 

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