Dritter Fastensonntag, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 3. März 2013


Lesung: Ex 3,1-8a.13-15

Evangelium: Lk 13,1-9


Eingeweihte Fachleute


Die Computerwelt ist für uns inzwischen selbstverständlich geworden, und sie entwickelt sich immer weiter. Erstaunlich, was wir im Endeffekt benutzen und genießen können. Obwohl nur die Fachleute genau wissen, wie die kleinsten Bauteile dafür funktionieren, ist es für uns wichtig, sozusagen für den Otto-Normalverbraucher, dass alles so funktioniert, wie es funktioniert.

Gleichzeitig müssen wir bedenken, dass alles, was eingetippt wird, auch bei dieser Technik seine Spuren hinterlässt. Alles wird irgendwie gespeichert. Die Speicherkapazitäten werden deshalb auch immer größer, und etwas wirklich zu löschen, ist schon eine eigene Kunst geworden – selbst für Eingeweihte!


Die Computerwelt hat sich fast zu einem fast magischen und manipulierbaren Gegenüber entwickelt, das unser Leben bestimmt. Als vor 50 Jahren das Fernsehen auf die Beine gestellt wurde, hat es angefangen, dass bestimmte Sendungen den Tagesrhythmus verändert haben.

Inzwischen bestimmt die digitale Welt unseren Lebens- und Arbeitsrhythmus. Als kompetent gilt, wer am Computer mit wenigen Klicks das Wesentliche herbeiholen kann. Nicht zu vergessen ist dabei, dass wir für alles, was wir aus dem Computer wünschen, oder aus anderen vergleichbaren Geräten, dieses aktiv bedienen müssen, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Es braucht also immer den eigenen aktiven Beitrag.


Wenn das nun jedem Einzelnen möglich ist, was ist dann „den Vielen“ möglich – und wer überblickt das Ganze noch? Wer verhindert, dass aus diesem menschlichen Machwerk nicht großangelegte Machtwerke entstehen?

Brauchen wir nicht eine große Instanz hinter all dem, damit wir nicht ausgenützt werden, damit wir nicht vollends ausgespäht und versklavt werden? Sorgt nicht „jemand“ dafür, dass nicht alles in der kompletten Überwachung endet? Ist es denn garantiert, dass wir nicht als Sklaven dem Geld und seiner Vermehrung dienen?


Seit Menschen leben, tragen sie in sich die Vermutung, dass es eine übergeordnete „Instanz“ geben muss, die ohnehin alles sieht und alles weiß: so gesagt und gedacht, natürlich schon lange vor aller Computerwelt. Die Menschen tragen doch die Ahnung von Gott in sich. Es kommt allerdings darauf an, wo und wie der Mensch diese Instanz, die alles sieht und alles weiß, festmacht: Da gab und gibt es heilige Orte oder heilige Zeiten, heilige Bäume oder heilige Tiere. Neuerdings wird das goldene Kalb durch den Computer ersetzt. Als Menschen können wir unsere Projektionen an vielem festmachen und unsere Vorstellungen ausbauen.


Erinnern wir uns an die Lesung aus dem Buch Exodus. Unsere Vorstellung von Gott wird durch die Vorstellung Gottes selbst korrigiert und ergänzt. Mose hat erfahren, dass der lebendige Gott sich selbst vorstellt: mitten im Alltag, bei der gewöhnlichen Arbeit, von ihm nicht bestellt oder erwartet, völlig überraschend und dem Schicksal seines Volkes zuvorkommend.

Aufmerksam wird Mose auf die Vorstellung Gottes durch eine außergewöhnliche Erscheinung. Gott lässt brennen und doch nicht verbrennen.

Diese Begleiterscheinung ist interessant, aber nicht maßgeblich. Entscheidend wird die Stimme Gottes, die zu hören Mose auserwählt wurde. Diese Erwählung des Mose war zugleich die Erwählung des ganzen Volkes, um es in die Freiheit zu führen.


Geistesgegenwärtig will Mose sich vergewissern und fragt nach, denn er weiß, dass seine Landsleute bei ihm nachfragen werden. Er braucht sozusagen Brief und Siegel für das Unternehmen. Daraufhin offenbart der lebendige Gott seinen Namen in der Form einer konkreten Zusage: Ich bin der, der ich immer für euch da sein werde.


Liebe Mitchristen! Dieser Name ist auch für uns der Schlüssel zur eigenen Gotteserfahrung. Gott ist da; in dieses Dasein Gottes hat das Volk des Ersten Bundes immer wieder sein Vertrauen gelegt und ist weitergeführt worden, Schritt für Schritt, Weg um Weg. Auch wir kommen nur weiter, menschlich und religiös, wenn wir diese Zusage, dass Gott da ist für uns, für unser Leben realisieren.


Das Dasein Gottes für uns ist in der Person Jesus von Nazaret so überdeutlich geworden, dass wir gut daran tun, ihm zu glauben. Bekehren wir unser Leben auf die Gemeinschaft mit Gott hin, denn die Gemeinschaft mit Gott hebt die Sünde auf. Sünde ist der Weg „mit ohne“ Gott, dieser Weg führt nicht wirklich zum bleibenden Leben. Am Leben bleibt und im Leben bleibt, wer seinen Lebenslauf auf die Gemeinschaft mit Gott ausrichtet. Dafür ist der Herrgott, dafür ist Jahwe durch Jesus von Nazaret in Vorleistung gegangen. Jesus hat im heutigen Evangelium sehr kontrastreiche und deutliche Worte gefunden. Jesus ist der „Credit“ Gottes an uns für das Leben in der Freiheit der Kinder Gottes. In Jesus und damit in Gott sind die Ereignisse unseres Lebens gut aufgehoben. Derjenige, der für uns da sein will, vermag auch alles in unserem Leben wirklich (wieder) gut zu machen und sogar endgültig gut. Bei dem lebendigen Gott können wir sozusagen alles getrost abspeichern. Durch Jesus kann er es gar nicht mehr gegen uns verwenden. „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“ (Röm 8,31). Unser Credo ist gleichsam die Ratenrückzahlung dieses „Credits“ Gottes an uns.


Liebe Mitchristen, menschliche Machwerke speichern vieles, sind jedoch begrenzt. In Gott aber ist unser ganzes Leben hinterlegt, auch ohne Computer. Gott ist für uns da in Zeit und Ewigkeit. Er ist und bleibt jenseits aller menschlichen Machwerke Jahwe, der Gott für die Menschen in allen Generationen. Lassen Sie uns in dieser Hinsicht von Jesus eingeweihte „Fachleute“ sein, Menschen, die glauben: Gott ist da – über alles und hinter allem.


Die entscheidende Eingabe, der entscheidende Klick in unser Herz, das entscheidende Eintippen in unseren Verstand soll sein: Gott ist jenseits aller menschlichen Machwerke, jenseits aller menschlichen Machtwerke für uns da – Generation um Generation. Damit wir die Freiheit der Kinder Gottes bewahren können – im Gegenüber zu ihm, den wir durch Jesus Vater nennen. Dieses Bewusstsein im Heiligen Geist soll entscheidend den Rhythmus unseres Lebens bestimmen.


Pfarrer Karl Enderle

 

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