Vierter Fastensonntag, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 10. März 2013


Lesung: 2 Kor 5,17-21

Evangelium: Lk 15,1-3.11-32


Wenn Jesus seine Botschaft verkündet, dann erzählt er, um Gott zu offenbaren.

Die Rede Jesu ist nicht absichtslos; wenn er etwas sagt, dann will er unser Verhalten anregen, was er sagt, soll unser Verhalten bestimmen.

Dazu hören wir zunächst eine Bestandsaufnahme, die Michelle von der 9. Klasse am vergangenen Freitag zum heutigen Evangelium aufgeschrieben hat.


Die Toleranz, Akzeptanz und Barmherzigkeit ist, wie sie einst war, schon lange nicht mehr. Sie geht verloren, Stück für Stück. Viele schätzen nicht mehr, was sie am Leben und aneinander haben. Man ist eifersüchtig, weil der große Bruder einen Laptop bekommt oder die kleinere Schwester mehr Liebe.

Eltern sind der Erziehung vieler Kinder nicht mehr gewachsen. Die heutige Gesellschaft hat wohl irgendwie vergessen, was Gutmütigkeit, Hilfe, Empathiefähigkeit, Gleichberechtigung und Reue ist.“


Liebe Mitchristen, unsere sogenannte „Gesellschaft“ braucht also eigentlich ganz dringend diese Botschaft. Das Gleichnis, das Jesus uns vor Augen führt, veranschaulicht zunächst auch unser Verhalten. Jesus zeigt sich damit ganz außerordentlich als Realist. Jede und jeder von uns, Frau und Mann, findet sich wieder, entweder im älteren Sohn oder im jüngeren oder in beiden Söhnen. Das Verhalten der beiden wechselt sich ab in unserer Biographie im Laufe des Lebens. Also schenken wir uns nichts.


Wichtig ist nun vor allem das Verhalten des Vaters. Beiden Söhnen kommt er entgegen und redet ihnen gut zu. Das ist in diesem Gleichnis so eindeutig, dass es keine lange Predigt braucht. Die Botschaft lautet: So gut ist Gott zu uns! So überaus gut und nicht anders! Darauf dürfen wir vertrauen.


Von Voraussetzungen für dieses unvoreingenommene Geschenk seitens der Söhne möchte ich zunächst nicht sprechen, damit das Gutsein des Vaters im Himmel überdeutlich wird. Einsicht und Reue kommt beim jüngeren Sohn vorher, beim älteren wohl nachher.


Das Ergebnis ist das gemeinsame Fest. Wenn ich das nun richtig begreife, ist hier im Gleichnis der Anlass zum Fest das einfache Gutsein des Vaters.

In der Verbindung zu Jesus ist auch uns solcherlei Gutsein möglich geworden. Das ist das Neue an der Botschaft Jesu. Sie provoziert uns zu einem unerwarteten und großherzigen Gutsein.

Darin sollen wir uns einüben, denn Gutsein kann man nicht per Gesetz verordnen. Als Gemeinde haben wir den Vorteil, dass wir uns dazu gegenseitig anstiften können.


Im Prinzip sollte, könnte, möchte doch die christliche Glaubensgemeinschaft, die Gemeinde, das Gutsein des Vaters im Himmel widerspiegeln. Die Gemeinde als Sauerteig des Guten, wir als Salz für das Verhalten, das Jesus bei uns sehen will, wir Christen als Licht der Gesellschaft. Einfach nur gut zu den Mitmenschen und den Angehörigen sein – das hat noch nie jemand gereut.


Pfarrer Karl Enderle

 

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