Palmsonntag, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 24. März 2013


Evangelium: Lk 19,28-40


Franziskus, baue meine Kirche wieder auf!“ Diese Worte hörte der junge Franziskus, als er 1205/06 vor dem Kreuz in San Damiano betete.


Liebe Mitchristen, seither gilt dieses Wort auch uns, noch dazu, seit unser neuer Papst diesen Namen angenommen hat, den Namen dessen, an den diese Worte gerichtet wurden.

Uns gelten diese Worte, uns allen und jedem Einzelnen gilt diese Stimme unseres Herrn Jesus Christus.

Wie geht das?


Gestern fand der dritte Regionaltag zum Dialogprozess unserer Diözese hier in Schwäbisch Hall statt. Ergebnis: Die Erneuerung geschieht im Dialog, im geschwisterlichen Austausch der Gruppen und Gremien, ja auch im Einzelgespräch untereinander. Dialog ereignet sich aber nur dann, wenn man nicht schweigt.


Wer Jesus nachfolgt, kann unmöglich schweigen. Deshalb ist im Lukas-Evangelium nur von den Jüngern die Rede. Einige Pharisäer aus der Menge fordern Jesus auf, seine Jünger zum Schweigen zu bringen.

Jesu Antwort finde ich überaus beeindruckend: „Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!“


An dieser Stelle wird die ganze Schöpfung einbezogen in das Zeugnis für den Christus.

Wenn die Jünger schweigen würden, würde das Zeugnis über den König, der Einzug hält in sein Eigentum, durch alle Poren der Schöpfung dringen.

Die Bausteine, die Bauteile der Schöpfung geben Zeugnis vom Schöpfer, und jetzt wird durch das Evangelium vom heutigen Palmsonntag deutlich, dass unsere natürliche Umgebung, ja die Elemente königlich angehaucht sind; alles Geschaffene ist bezogen auf den Retter der Welt, der das Lasttier der Armen, einen jungen Esel in Anspruch nimmt – als Symbol für die ganze Fauna –, um seinen Weg zu vollenden nach dem Willen des Vaters.


Mit unseren Palmzweigen in den Händen ist auch die Flora mit hineingenommen in das Zeugnis für den Christus Gottes.

Die Steine als Symbol für die Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer werden zum beredten Zeugnis, das Eselstier begleitet den Herrn von der Krippe bis zum Kreuz, und die abgerissenen Zweige von den Bäumen – von denen andere Evangelisten berichten – werden zum Zeugnis, dass alles, was wächst, austreibt und ausschlägt, dies zur Ehre des Herrn tut.


Wer Ohren hat zum Hören, der vermag auch die Steine zu hören, der kann hören, wie die Schöpfung klingt und singt, weil der Erlöser naht.

Wer Augen hat zum Sehen, der sehe zu, dass er seine Kleider ausbreite dem Erlöser zu Füßen.

Nein, schwiegen können auch wir nicht, deswegen sind wir heute Morgen hierher gekommen, damit wir im Einklang mit der Schöpfung neu entdecken, Christus zu gehören, der uns in Anspruch nimmt: Christ, baue meine Kirche wieder auf, zusammen mit den Menschen, zusammen mit den Armen, zusammen mit den Mitgeschöpfen, damit sich das Wehgeschrei der Armen wandle zum Lob des Gottessohnes, damit sich das Seufzen der Schöpfung in Jauchzen wandle.


Pfarrer Karl Enderle

 

zurück