Ostermontag, Lesejahr C

Schwäbisch Hall, 1. April 2013


Mitgehende Ostererfahrung


Evangelium: Lk 24,13-35


Zunächst sind die Jünger traurig; sie sind in Karstimmung, denn sie sind beim Karfreitag stehen geblieben. Das ist menschlich verständlich. Allein kommen sie nicht darüber hinweg, allein kommen sie da nicht heraus.

Es braucht zur Ablösung der Trauer die mitgehende Ostererfahrung. Sie gesellt sich zunächst unerkannt hinzu.

Betrachten wir den auf den Altar gestellten Globus als Symbol für die Menschlichkeiten und die Menschheit. Inzwischen denken wir ja grundsätzlich global, wenn wir Nachrichten hören oder den Urlaub planen. Manche träumen ja auch von einer Weltreise, die sie irgendwann machen wollen.


Das gibt mir jetzt die Gelegenheit, meine Definition von „katholisch“ mitzuteilen. Aus dem Griechischen übersetzt bedeutet dieses Wort, das Ganze betreffend. Deshalb heißt – praktisch gesehen – „katholisch“ für mich, alles in den Blick zu nehmen. Hinsichtlich des Erdballs folgt daraus, alle Menschen in den Blick zu nehmen und zu berücksichtigen.

Nun gibt es auf dem Erdkreis so viele Religionen und Weltanschauungen. Warum soll ich also ausgerechnet katholisch sein, noch dazu „römisch-katholisch“?


Am vergangenen Karfreitag beteten wir die Großen Fürbitten. Eine davon lautete nach einer zeitgemäßen Version: „Für die Menschen der verschiedensten Religionen und Weltanschauungen: Gott, du gehst deinen Weg mit jedem Menschen. Lass alle, für die wir beten, den Weg finden, der zu dir in deine Liebe und Geborgenheit führt“1. Da wird also davon ausgegangen und vorausgesetzt, dass Gott seinen Weg mit jedem Menschen geht. Genau das entspricht der Emmaus-Erfahrung. Zugleich ist es „römisch-katholisch“, von den Ursprüngen der Glaubenszeugnisse her die Botschaft der Auferstehung Jesu her an alle Menschen zu adressieren.


So gibt es über die Schrift und die Tradition eine „objektive“ Seite der Osterbotschaft, davon ist zu unterscheiden die subjektive Seite der Wahrnehmung. Unsere subjektive, je eigene, individuelle Seite braucht einen Anstoß für diese Aufnahme der österlichen Botschaft. Das Erste ist die Unterhaltung, der Austausch über das Jesus-Ereignis in Jerusalem, über das, „was in diesen Tagen dort geschehen ist“. Der „Rest“ der Glaubenserkenntnis besorgt der Herr selbst, denn Glaube ist das Werk Gottes. Die „Auferweckung“ des Glaubens in uns „besorgt“ Gott selbst. Das hat er getan, indem er durch die Auferweckung seines Sohnes aus dem Tod ihn einem jeden Menschen an die Seite gegeben hat: Er geht mit. Mit dir und mir geht er mit – soweit, bis es zum entscheidenden Punkt kommt: „Jesus tat, als wolle er weitergehen.“ Was also ist zu tun, damit der Herr nicht weitergeht?


Nun, wir bitten ihn: „Herr, bleibe bei uns!“ Dann wird er einkehren und selbst das Brot brechen, wenn wir sein Gedächtnis begehen. Erst wenn er sich als Gott entzieht, erkennen wir ihn. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Augen aufgehen für die Gegenwart des Messias und Erlösers.


Der Herr geht mit entlang des Globus. Seit seiner Auferstehung wandelt er durch sein Wort die Erinnerung ins Österliche. Gehen wir als österlich-erinnerte Christen an der Seite der Mitmenschen und machen wir sie zu solchen Mitglaubenden, dass sie selbst Interesse am Herrn bekommen und ihn bitten können: „Herr, bleibe bei uns!“ Den Rest besorgt der Auferstandene selbst, damit Osterstimmung werde – rund um den Globus.



Pfarrer Karl Enderle

1 „Die Botschaft heute“, Band 1/2013, Seite 44, Bergmoser + Höller, Aachen.

 

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