Predigt am Hochfest der Verkündigung des Herrn

Von der Karwoche auf die zweite Osterwoche verlegt

Schwäbisch Hall, 13. April 2013
(Vorabendmesse; Sonntag Erstkommunion)



Lesung: Hebr 10,4-10

Evangelium: Lk1,26-38



Wie soll das geschehen?“, hat Maria nachgefragt.

Liebe Mitchristen, wie und warum sind unsere beliebten Fragestellungen. Maria hätte auch fragen können: Warum soll das geschehen?

Vielleicht hätte dann der Engel geantwortet: Damit die Erlösung auf den Weg kommt – und zwar auf zwei Beinen. Schließlich hat die Gottesmutter dem kleinen Jesuskind auch das Laufen beigebracht.

Nach der Antwort des Engels Gabriel hat Miriam von Nazaret in bewegenden Worten ihre Bereitschaft zugesagt, sich auf Gottes unbegrenzte Möglichkeiten einzulassen: „Denn für Gott ist nichts unmöglich.“


Liebe Mitchristen, wir beten im „Angelus“ eine entsprechende Formulierung: „Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ Genau das ist auch uns möglich, wir können vertrauen: Lebendiger Gott, ich bin eine „Magd“ bzw. ich bin ein „Knecht“ des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort. (deine/dein?)

Dann wird das Wort Gottes sich in unserem Leben auswirken: Was Gott will, soll geschehen. Aus diesem Urgrund können wir leben und bestehen. Zweimal wird im heutigen Abschnitt des Hebräerbriefs im Zusammenhang der Menschwerdung Gottes in Christus Jesus genannt: „Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun.“


Durch die Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazaret hat der lebendige Gott das „Haus des Menschen“ und den Leib des Menschen und die Biographie von uns zum „Werkzeug“ seines Willens gemacht. Dass Gottes Wille in allem geschieht, ist doch wohl urchristliche Botschaft.


Wie geht das? Zweifellos können wir aufgrund unserer schöpfungsgemäßen Ausstattung lernen. Wir sind lernbegierige Lernwesen. Wenn alles „gleich“ bleibt, brauchen wir nichts dazulernen. Aber schon jeder Tag ist anders. Es gibt eigentlich keinen gleichförmigen Alltag. Jeder Tag bringt neues Leben. Das merken wir nicht nur am Wetter, wie zum Beispiel heute, da die Sonne den Frühling „sponsert“ und die Temperaturen in die Höhe schnellen.


Täglich gibt es überraschend neue Herausforderungen, die wir in den Zusammenhang bringen können: Vater, dein Wille geschehe! So wie Jesus schließlich in auswegloser Situation am Ölberg dem zugestimmt hat, was Gott, der Vater, für ihn vorgesehen hatte. So ging er den Kreuz-Weg bis in den Tod, aber nicht ohne volle Gemeinschaft mit dem Vater im Himmel. Aufgrund dieser Einigkeit mit dem Vater ist Erlösung geschehen und das Werk der Rettung der Welt wurde perfekt gemacht. Die Frage nach dem „Warum“ und „Wie“ ist also zweitrangig geworden. Entscheidend ist der neue Ausgangspunkt, gleichsam die neue Schöpfung. „Aufgrund dieses Willen sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt.“


Liebe Mitchristen! Wir sind geheiligt! Diese Aussage gilt es zunächst ganz bewusst und intensiv wahrzunehmen. Das christliche „Grundeinkommen“ besteht in dieser Gabe des Höchsten. Dieses Geschenk macht den Ausgangspunkt deutlich, dem Willen Gottes zuzustimmen. Die vollständige Einigung mit Gottes Willen ist aufgrund dieser Tat Gottes für uns und an uns überhaupt erst möglich geworden. Und darauf beruht unsere christliche Bereitschaft, von Christus zu lernen, im Willen Gottes zu leben.


Menschen können nur von Menschen lernen; liebe Mitchristen, wir lernen vom Menschensohn Jesus von Nazaret. Lassen wir uns von Christus belehren, nehmen wir von ihm und durch ihn und mit ihm das Wort Gottes an. Lassen wir das Wort Christi an uns geschehen.


Als pädagogisches Prinzip dafür gilt eine urmenschliche Weisheit. Lernen geht so: vormachen, nachmachen, üben – bis zum Erfolgserlebnis.

Das „Arbeitsziel“ christlicher Spiritualität ist immer, Christus ähnlich zu werden, nach seinem Vorbild den Willen des Vaters aktiv zu erfüllen. Für die Gottesmutter wurde das An-sich-geschehen-lassen, „mir geschehe nach deinem Wort“, zu einer aktiven Zustimmung zum Verhalten ihres Sohnes, schlussendlich hat sie ihn „losgelassen“ bei der Hochzeit zu Kana, zu Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu: Sie hat gesagt „Was er euch sagt, das tut!“ Dieser Hinweis ist entscheidend, damit auch wir ein für allemal bleibenden Anteil erhalten am Erbe Christi und seiner Heiligkeit.



Pfarrer Karl Enderle

 

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