Dritter Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C

Erstkommunion

Schwäbisch Hall, 14. April 2013


Lesung: Eph 3,14-21

Evangelium: Mk 4,30-32


Die Kinder sind jetzt schon so groß, das ist doch ein Wunder! Wir wundern uns, wenn aus ganz kleinen ganz große Leute werden. Das unscheinbar Kleine kommt ganz groß heraus. Diese Erfahrung machen wir auch heute, wenn wir euch, liebe Kommunionkinder, in den Mittelpunkt stellen. Ihr seid heute schön weiß angezogen mit eurem Kommuniongewand – so weiß wie das Taufkleid damals, so weiß auch, wie etwa ein Hochzeitskleid oder gar wie die große weiße Hostie.


Heute empfangt ihr ein kleines rundes Brot, deswegen feiern wir gemeinsam ein großes Fest. Das ist doch wunderbar!

Viele von uns gehen in den nächsten Tagen gern in den Garten. Da sprießt es jetzt ganz ordentlich und grünt und blüht schon. Auch Jesus ging damals in die Gärten, um zu staunen und zu betrachten. Die Kraft in der Natur deutet er als Gabe Gottes. Wir haben es im Evangelium gehört.


Als Beispiel nimmt er das Senfkorn. Es ist sehr klein. Damals gab es noch kein Mikroskop und so konnte man das verschwindend Kleine nur erkennen, wenn man es mit bloßem Auge sehen konnte. Deswegen sagte er: „Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern.“ Gleichzeitig wusste er, was daraus wird. Er nennt die großen Zweige des Senfbaumes, die alle anderen Zweige überragen und zwischen denen die Vögel nisten.

Jesus konnte also genau beobachten und hatte eine Liebe fürs Details, so wie ihr, liebe Kinder, euch an jedem noch so kleinen Ding freuen könnt – und ich mit euch. Wer im Herzen Kind geblieben ist, dem fällt jedes liebevolle Detail in der Umwelt auf und er kann dafür Gott danken.


Wie ihr wisst, haben alle Pflanzen auch Wurzeln, die man aber nicht sieht. Sie wachsen verborgen in der Erde und jede Pflanze bekommt ihre Kraft aus ihrer Verwurzelung.


Liebe Eltern, im Vergleich gesprochen, geben wir heute den Kindern eine tiefere Verwurzelung in der Liebe Christi, die schon mit der Taufe begonnen hat. Haben die Kinder starke Wurzeln, werden sie auch prächtig heranwachsen. In der Perspektive des Glaubens sollen sie durch den Geist Gottes in ihrem Innern an Kraft und Stärke zunehmen.

In diesem kleinen Stück Brot ist die Geistesgabe von oben verborgen gegenwärtig. Sie bewirkt jedes Mal eine intensivere Verwurzelung in der Liebe Christi. Die kleine Hostie ist wie ein kleines Senfkorn, das im Herzen der Kinder wachsen und groß werden will, so dass ihrem Glauben an Christus die entscheidende und überragende Bedeutung zukommt. Im Glauben an Jesus bekommen die Kinder eine baumstarke Identität; sie spüren, dass sie in jeder Situation immer geliebt und angenommen sind. Liebe Eltern, Sie sind mit der Aufgabe betraut, für entsprechende Wachstumsbedingungen zu sorgen. Aus der Mitte Ihrer Familie schauen die Kinder in die Welt hinaus und brauchen den Rückhalt bei Ihnen. Sie brauchen die Anleitung in Liebe, wie „leben“ und „glauben“ geht.


Bei diesem Bemühen ist niemand allein gelassen. Der Epheserbrief nennt dazu die Heiligen, das meint, dass wir nur im großen Miteinander auch die ganze Dimension des Lebens erkennen. Die Liebe selbst, aus der alles stammt, die alles trägt und alles umfängt, übersteigt unser Fassungsvermögen, aber sie ist in Jesus von Nazaret begreifbar geworden. Er ist für uns der kompetente Ansprechpartner auf Gott hin.


Während seines Erdenlebens hat Jesus sich besonders den Kindern zugeneigt und sie als Beispiel genannt, wie wir in das Reich Gottes gelangen. In diesem kleinen Stück Brot neigt sich der Herr ebenso leibhaftig jedem einzelnen Kind zu, um es zur Größe des Lebens aufzurichten. Liebe Kommunionkinder, ihr sollt durch die Liebe aufgerichtete Menschen sein, die ihre Hände nach Gott und den Mitmenschen ausstrecken. So geht der wunderbare Horizont des Lebens für euch auf, den die leibhaftige Liebe Christi für euch eröffnet hat. Bleibt in seiner Liebe!


Pfarrer Karl Enderle

 

zurück